Umfrage zu „Fridays for future“ im Bistum Münster

Bistumsschulen loben Klimaschutz-Demos – aber geben kein schulfrei

„Fridays for future“ – unter diesem Motto streiken Schüler in vielen Ländern derzeit jeden Freitag und demonstrieren für mehr Klimaschutz. Auch Schüler katholischer Schulen im Bistum Münster wollen mitmachen, ihre Schulen sehen die Motive mit Sympathie – aber unterrichtsfrei gibt es nicht. Das ergab eine Umfrage von „Kirche-und-Leben.de“.

„Wir begrüßen es sehr, dass sich unsere Schülerinnen für den Klimaschutz engagieren wollen“, sagt Marlies Baar, stellvertretende Leiterin des Mädchengymnasiums Marienschule in Münster. „Unsere Schülerinnenvertretung hat uns wegen der Demos schon angesprochen. Aber wir können nicht an jedem ersten Freitag im Monat, wenn im Münster demonstriert werden soll, den Unterricht ausfallen lassen.“

„Klimaschutz ist verstärkt Thema im Unterricht“

Eine Teilnahme jüngerer Schüler (Sekundarstufe I) sei wegen der Aufsichtspflicht ohnehin nicht möglich. Wer trotz Unterrichts demonstrieren gehe, handle sich unentschuldigte Fehlstunden ein. Dieses Vorgehen sei Konsens bei den Schuldirektoren in Münster.

Allerdings haben die Klimaschutz-Demos das Thema an den katholischen Schulen erneut ins Bewusstsein gerufen. An der Marienschule werde es nun verstärkt in Fächern wie Erdkunde und Sozialwissenschaften behandelt, so Marlies Baar.

Es gibt einen Unterschied zum Streik

Michael Bertels, Leiter des Gymnasiums Johanneum auf der Loburg in Ostbevern, sagt, die Schule denke über Aktionen zum Klimaschutz auf dem Schulgelände nach, zum Beispiel zum Thema Mikroplastik. „Daran können sich auch die Schüler unter 18 Jahren beteiligen, die an den Demos ohnehin nicht teilnehmen dürften.“ Erst am heutigen Donnerstag hat Weihbischof Stefan Zekorn die Loburg für ihr Vorgehen nach dem Umweltmanagement-System „Zukunft einkaufen“ ausgezeichnet.

Thomas Birkenhauer, Leiter der Bischöflichen Maristen-Realschule Recklinghausen, berichtet, es gebe offenbar Absprachen der Schüler der Stadt, demonstrieren zu gehen. Eine Befreiung vom Unterricht lasse das Schulgesetz aber nicht zu. Zudem gebe es einen Unterschied zu einem gewöhnlichen Streik: „Die Schüler schädigen keinen Arbeitgeber, sondern sich selbst, weil sie Stoff verpassen.“ Darauf könne bei Klausuren oder Abschlussprüfungen keine Rücksicht genommen werden.

Demonstrieren ja – aber nicht während des Unterrichts

Achim Krebber, der am morgigen Freitag die Leitung des Gymnasiums Liebfrauenschule in Oldenburg übernimmt, betont, seiner Schule sei das Thema wichtig: „Wir sind zum Beispiel Fair-Trade-Schule.“ Dennoch könne er niemanden zum Demonstrieren freistellen. „Die Schüler können ja in ihrer Freizeit demonstrieren – und das nicht weniger nachhaltig oder mit weniger Aufmerksamkeit.“

Diese Linie tragen die Schulen in der Stadt Oldenburg, wo es bereits Schüler-Demos gibt, gemeinsam. Zum Beispiel auch die katholische Oberschule Paulusschule, bestätigt deren Rektor Reinhard Lobmeyer. Die Oberschule ist eine Kombination aus früheren Haupt- und Realschulen.

Was sagen die Schulträger?

Und die katholischen Schulbehörden? „Wir hatten bisher keine Anfragen, wie unsere Schulen mit den Demos umgehen sollen“, sagt Heinrich Blömer, Vorstand der Schulstiftung St. Benedikt in Vechta. „Es gibt deswegen von uns auch keine Empfehlungen oder Vorschriften.“ Die Stiftung trägt die katholischen Schulen im niedersächsischen Teil des Bistums Münster.

Der Zuständige im Bischöflichen Generalvikariat Münster war aus Termingründen zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Den befragten Leitern katholischer Schulen waren aber bisher keine Bistums-Richtlinien zu den Klimaschutz-Demos bekannt. Gleichwohl verwiesen alle Schulleiter auf die Schulgesetze in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.