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Deutsches Hilfswerk unterstützt 725 Projekte in 81 Staaten

Caritas: Hilfsbedarf weltweit auf Rekordniveau

So viele Nothilfe- und Entwicklungsprojekte wie nie zuvor hat im Vorjahr Caritas international gefördert. Caritas-Präsident Peter Neher sagte, daszeige, dass mehr Hilfe möglich sei. „Die Kehrseite ist aber der weltweit steigende Hilfebedarf.“

So viele Nothilfe- und Entwicklungsprojekte wie nie zuvor hat im Vorjahr Caritas international gefördert. Unterstützt wurden vom Auslandshilfswerk des Deutschen Caritasverbands 725 Vorhaben in 81 Staaten, wie aus dem am Mittwoch in Freiburg veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht. Auch der Gesamtetat stieg auf den Rekordwert von 82,2 Millionen Euro; das ist rund eine Million Euro mehr als beim bisherigen Höchststand 2018.

Caritas-Präsident Peter Neher sagte, einerseits belegten die Zahlen, dass mehr Hilfe möglich sei und mehr Notleidende erreicht werden könnten. „Die Kehrseite ist aber der weltweit steigende Hilfebedarf.“ So seien nach UN-Schätzungen fast 80 Millionen Menschen auf der Flucht und 168 Millionen auf Hilfe zum Überleben angewiesen. „Zu erwarten ist, dass die weltweite Corona-Pandemie diese Zahlen noch weiter steigen lässt“, so Neher.

Corona: Hilfe für 600.000 Bedürftige 

Wegen der Corona-Pandemie hat Caritas international ein Sonderprogramm für Gesundheitsprojekte gestartet. Dabei seien seit März rund 600.000 Hilfsbedürftige weltweit unterstützt worden. Oliver Müller, Leiter von Caritas international, betonte, im Kampf gegen Corona müsse sich die Weltgemeinschaft auf eine „lange, lange Wegstrecke einstellen“.

Zugleich appellierte Müller, auch die anderen, „alten“ Krisen und Konflikte nicht zu vergessen. In afrikanischen Staaten führten Klimawandel, Dürren und Heuschreckenplagen zu wachsenden Hungerkatastrophen. In Syrien seien Millionen Flüchtlinge zum Spielball politischer Interessen geworden. Zuletzt habe ein Zyklon das Flüchtlingscamp der Rohingya in Bangladesch überflutet.

30 Millionen Euro Spenden

Der Caritas international-Jahresbericht weist für 2019 Einnahmen in Höhe von 84,1 Millionen Euro aus. Davon kamen rund 30 Millionen aus Spenden und 50,6 Millionen Euro aus öffentlichen und kirchlichen Zuwendungen. Der Anteil der Verwaltungs- und Werbekosten lag den Angaben zufolge bei 9,2 Prozent des Gesamtetats und damit etwas höher als im Vorjahr; da waren es 8,5 Prozent. Zwei Drittel der von Caritas international geförderten und organisierten Projekte entfielen auf Soforthilfen nach Naturkatastrophen und Kriegssituationen.

Etwa ein Drittel der Hilfsarbeit leistete Caritas international in Afrika, je ein Fünftel in Asien und Nahost. Auf Lateinamerika, dabei vor allem Kolumbien, entfielen knapp 13 Prozent des Hilfsetats.

Kritik an EU-Flüchtlingshilfe

Alarmiert zeigte sich die Hilfsorganisation angesichts gefährlicher und schwieriger Arbeitsbedingungen. „Die Zahl der jährlich getöteten Helfer hat sich seit den 1990er Jahren verdreifacht, und die Politisierung von humanitärer Hilfe nimmt zu“, so Müller. Zugleich werde Hilfsarbeit immer häufiger gesellschaftlich in Frage gestellt oder sogar kriminalisiert.

Im Blick auf die europäische Flüchtlingssituation forderte Neher schnelle Lösungen für die Flüchtlinge in den Camps auf den griechischen Ägäis-Inseln. Die von einigen EU-Staaten begonnene Aufnahme einzelner Kinder aus den Lagern sei ein wichtiges „humanitäres Zeichen, aber insgesamt viel zu wenig“.

Spenden im Bistum Münster leicht gesunken
Die Spenden aus dem Bistum Münster sanken um rund 100.000 auf 1,842 Millionen Euro. Diözesan-Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann wertet das auch als gutes Zeichen: „Es fehlten glücklicherweise große Katastrophen.“ Das meiste Geld aus dem Bistum sei ohne festen Zweck für allgemeine Nothilfe überwiesen worden. Vorteil sei, dass „Caritas international“ dieses Geld einsetzen könne, wo es besonders notwendig ist, etwa als Soforthilfe nach Naturkatastrophen. | pd, 17.07.2020

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Kampanile Medienagentur