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Steinfurter Kreisdechant fordert mehr Einsatz der Bundesregierung

Reidegeld: Sicherheitsrat kappt gewollt Hilfe für Flüchtlinge in Syrien

Über die Entscheidung des UN-Sicherheitsrats sei er geschockt und wütend, sagt der Steinfurter Kreisdechant Jochen Reidegeld, der erst im vergangenen Jahr selbst in Syrien war. Er fordert mehr Einsatz von der deutschen Regierung.

Als „gewolltes Abschneiden der humanitären Hilfe“ kritisiert der Steinfurter Kreisdechant Jochen Reidegeld die Entscheidung des UN-Sicherheitsrats, künftig nur noch über einen einzigen Grenzposten Hilfslieferungen zu Flüchtlingen in Syrien zu bringen. Ein Antrag des deutschen Außenministers Heiko Maas (SPD) auf Verlängerung der Crossborder-Resolution war zuvor am Veto Russlands und Chinas gescheitert. 

Er sei darüber schockiert und wütend zugleich, sagte Reidegeld laut einer Mitteilung er Bischöflichen Pressestelle in Münster. Er wisse aus seinen täglichen Kontakten zu einem befreundeten Arzt, wie katastrophal die Situation der Menschen in den syrischen Flüchtlingslagern sei. Das Verhalten Russlands und Chinas sei „unverantwortlich“, betonte der Pfarrer, der selbst mehrmals für Hilfsprojekte der „Aktion Hoffnungsschimmer“ in Syrien und dem Irak war. Russland gehe es um eine Absicherung der Macht des syrischen Präsidenten Assad, während China jeden Einfluss aus dem Ausland für sich und andere Staaten grundsätzlich ablehne.

„Die Grausamkeiten kennen keine Grenzen“

Viel schlimmer als die zerstörten Häuser und Gebäude der syrischen Bevölkerung sei die „innere Zerstörung“, erklärt Reidegeld: „Die Menschen leben in einer absoluten Perspektivlosigkeit.“ Das habe eine hohe Selbstmordrate in den Flüchtlingslagern zur Folge. „Es gibt keine Hoffnung auf Frieden“, beschreibt der Pfarrer den seelischen Zustand der Menschen. 

Mit großer Sorge beobachtet er, dass das Assad-Regime die totale Kontrolle im Land übernimmt. Folter und Verschleppungen seien an der Tagesordnung – und auch Kreuzigungen. „Die Grausamkeiten kennen keine Grenzen“, sagt Reidegeld. Selbst wenn junge Syrer einen Weg beispielsweise nach Deutschland fänden, seien sie lebenslang traumatisiert, wisse er aus aus vielen Gesprächen mit Geflüchteten. 

Reidegeld: Deutschland muss mutiger sein

Eine politische Lösung für die Auseinandersetzungen in Syrien sei schwierig. Zu unterschiedlich seien die Machtinteressen. Vielleicht könne der Westfälische Frieden von 1648 ein Vorbild sein, bei dem sich das Prinzip der Gleichberechtigung der Staaten, unabhängig von ihrer tatsächlichen Macht, durchgesetzt habe. Denkbar sei ein föderales Gebilde ähnlich wie die Bundesrepublik, glaubt Reidegeld: „Ein Staat, in dem die verschiedenen Kulturen und Traditionen respektiert und akzeptiert werden – und das unter politischen Mitbestimmung aller in einem Gesamtstaat.“ 

Die großen Schutzmächte, die dies forcieren könnten, sieht der katholische Priester zurzeit allerdings nicht. Die USA seien außenpolitisch nicht existent und Europa zu uneins. Er würde sich wünschen, dass die europäischen Länder die Haltung Frankreichs annehmen und den Aggressoren in der Welt vehementer entgegentreten. „Wenn wir die Menschenrechte ernst nehmen, muss endlich etwas passieren“, fordert der Pfarrer die deutsche Bundesregierung auf, mutiger zu sein und Europa damit zu dem politischen Gewicht zu verhelfen, das der Wirklichkeit entspreche. 

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