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Stück mit Bezug zum „Oldenburger Kreuzkampf“ bei den Dammer Domfestspielen

Dammer Laientheater bringt Kampf gegen Nazis auf die Bühne

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Das „Theater Dammer Berge“ bringt ein Stück über den historischen „Oldenburger Kreuzkampf“ von 1936 auf die Bühne der Dammer Domfestspiele. Die Laiendarsteller wollen damit auch ein Zeichen für die heutige Zeit setzen, da sie Parallelen erkennen.

„Wir haben 47 Sekunden, das werden wir nutzen.“ Regisseur Bernd Kessens schaut den „Nazis“ fest in die Augen. Sie nicken, sie müssen stramm und zügig einmarschieren. Zurück geht es wieder auf die Startplätze vor der großen Scheune Zerhusen, die für die Kompaktproben „Vom Jungen, der Hitlers Pläne durchkreuzte“ zur Verfügung steht.

Nochmal singt der Kirchenchor, dargestellt von 75 Sängern des Kirchenchores St. Viktor und des Kirchenchors Osterfeine unter der Leitung von Kirchenmusiker Gabriel Isenberg. Nochmal werden sie von einem Nazi-Aufmarsch mit Becken und Trompeten förmlich von der Bühne geblasen und retten sich in die Kirche.

Parallelen zum Heute


"Kirche-und-Leben.de" hat eine Probe in Damme besucht: Hier geht es zum Video.| Video: Marie-Theres Himstedt

Geschichte wiederholt sich, nicht nur auf der Bühne. Die Parallelen zum Heute laufen bei diesem Stück permanent mit. Sei es in den professionell produzierten Filmeinspielern aus dem Klassenraum oder in den zusammenfassenden Singszenen mit Saskia Volbers und Johannes Schneppat.

Bei so vielen unterschiedlichen dramaturgischen Elementen muss das Timing sitzen – und wird es auch, wenn die Dammer Domfestspiele am 15. September auf dem Kirchplatz vor St. Viktor im Stadtzentrum Premiere feiern.

Der „Oldenburger Kreuzkampf“ 1936

Es ist ein Auftakt für ein Stück, für das Schauspieler und Organisationsteam einiges an Mut bewiesen haben. Dass es Bernd Kessens gelungen ist, Unterhaltung und Tiefgang zu verbinden, ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass es sich bei dem Ereignis „Oldenburger Kreuzkampf“ von 1936 um eine wahre Begebenheit handelt.

In einem großen Aufmarsch, bewaffnet mit Äxten und Sensen, sorgten tausende Südoldenburger 1936 dafür, dass die Landesregierung das Verbot, Kreuze in Klassenzimmern aufzuhängen, wieder zurücknahm. 1938 allerdings, bei einem ähnlichen Protest, fuhr das Regime härtere Maßnahmen auf: Umgehend kamen die Protestler ins KZ.

Eine Beziehungsgeschichte

Geschickt spitzt sich die Story zu: Klara Spille (Jessika Ewald/Viktoria Themann), eine junge Lehrerin, fast verlobt mit Nazi Albert Höcker, will nicht tatenlos zusehen, wie die Schule von der Ideologie unterwandert wird. Beziehungsmäßig läuft es auch nicht mehr rund, denn ihr Freund will nicht, dass sie Swing hört. „Schwarze Negermusik“ schimpft Höcker.

Zusehens fühlt sie sich zu dem liberalen Lehrer Günter, dargestellt von Günter Hausfeld, hingezogen. Die Zuschauer können sich schon auf seine brillante Hitler-Persiflage freuen, mit der sich seine Figur, frustriert vom reglementierten Denken, Luft macht. Überhaupt: Die Leidenschaft der Darsteller, eine professionelle Technik und ein erfahrenes Produktionsteam sorgen für ein hohes Niveau.

Plakataktion auf dem Klo

Dammer Domfestspiele
„Vom Jungen, der Hitlers Pläne durchkreuzte“
www.theater-dammer-berge.de

Premiere am 15. September, es gibt sieben Aufführungen bis zum 25. September, jeweils donnerstags bis sonntags um 19.30 Uhr auf dem Kirchplatz des St-Viktors-Doms.

Karten zum Preis von 18 Euro können in der Buchhandlung Rinklake bestellt werden, Tel. 05491 / 996066, E-Mail info(at)buchhandlung-damme.de

Sich Luft machen, etwas gegen die Diktatur setzten, das wollen auch einige Schüler: Mit einer Plakataktion von Hitler als Teufel auf dem Dammer Schul-Klo löst Hauptdarsteller Julius (Fietje Koch) einen Skandal aus. Sein Schulkamerad muss mit brutalen Konsequenzen rechnen.

Auch wenn einige Dialoge Längen haben, auch wenn man die eine oder andere Szene noch etwas hätte raffen können – die Herausforderung, historischen Stoff ansprechend zu inszenieren, ist gelungen: Aloys Schulte, erster Vorsitzender, und Karoline Zerhusen vom Organisationsteam machen kein Hehl aus anfänglichen Bedenken.

Ziel, Geschichte zu vermitteln

„Es ist ein schmaler Grat, unterhalten zu wollen, aber gleichzeitig einem historischen Anspruch gerecht zu werden“, sagt Zerhusen, die seit 20 Jahren Mitglied im Verein ist. Ihr ist es wichtig zu betonen: „Wir müssen Geschichte auch an die nachfolgenden Generationen übermitteln.“

Das verlangte in der Umsetzung den Darstellern, die im Alltag bei der Polizei oder als Gärtnermeister arbeiten, einiges ab, wie Klaus Kalkhoff (in der Rolle des Nazi-Lehrers Albert Höcker) beschreibt: „Es ist eine ernste Rolle, eine böse Figur. Man muss sich da wirklich einfühlen. Das fand ich erst sehr schwierig. Die Nazis haben wirklich geglaubt, es gibt keine Alternative, nur sie. Es wurde keine andere Denke zugelassen. Das kennen wir ja gar nicht. Wir sind ganz anders erzogen worden. Bloß die Parolen von damals, die gibt es heute auch wieder. Das ist das Problem.“

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