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Die bewegende Geschichte des katholischen Sportverbands

DJK-Jubiläum: Wo Dirk Nowitzki seine Karriere begann

  • Doppeljubiläum beim DJK: 100 Jahre Bundesverband und 70 Jahre Diözesanverband Münster.
  • Sportverband war unter den Nazis verboten – DJK-Mitglieder stellten sich gegen das Regime.
  • Auch Profisportler begannen ihre Karriere beim DJK. So Basketballer Dirk Nowitzki, Tischtennis-Spieler Jörg Roßkopf und Skispringer Severin Freund.

Es muss im Sport nicht immer um höher, schneller, weiter gehen. Das Motto des katholischen DJK-Sportverbandes lautet seit 100 Jahren: „Sport um der Menschen willen.“ Den Satz formulierte Prälat Carl Mosterts (1874-1926) als erster Vorsitzender des Verbands, der am 16. September 1920 in Würzburg unter dem Namen „Deutsche Jugendkraft – Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen“ gegründet wurde. Heute ist nur noch die Kurzform gebräuchlich: die DJK.

Viele der DJK-Vereine sind weitaus älter als der Dachverband selbst. Die Wurzeln liegen in der katholischen Jugendbewegung, und erste Sportgruppen entstanden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Pfarrgemeinden. 1908 gab es sogar schon im Vatikan ein Schauturnen mit Spielen und Leichtathletik vor Papst Pius X.

DJK-Funktionäre gegen den Nationalsozialismus

Schnell wuchs die Mitgliederzahl: 1930 waren es bereits mehr als 220.000 Sportbegeisterte. Ab 1933 litt der Verband unter der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Der damalige Reichsführer der Deutschen Jugendkraft, Adalbert Probst, kämpfte gegen eine „Gleichschaltung“. Probst wurde verhaftet und während des Transportes ins Konzentrationslager Lichtenberg am 2. Juli 1934 exekutiert.

Bereits 1933 erlag DJKler Rudolf Seibert den Torturen der nationalsozialistischen Verfolgung, wie dem Werk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ zu entnehmen ist. Am 23. Juli 1935 wurde der katholische Verband dann verboten.

DJK hat seit 1970 eine Frauenquote

Aber auch danach fielen engagierte DJK-Sportler der NS-Ideologie zum Opfer. So bekannte Wilhelm Frede in den Verhören, dass er „als gläubiger Katholik nicht zwei Weltanschauungen zur gleichen Zeit dienen könne“. Am 13. März 1942 starb der Gründer der DJK-Kleve im KZ Sachsenhausen. Das Bistum Münster hat im März 2020 das diözesane Seligsprechungsverfahren abgeschlossen.

1945 konstituierte sich die DJK neu. Fünf Jahre später, am 21. September 1950, wurde dann auch der DJK-Sportverband Diözesanverband Münster gegründet. Im Dachverband waren weiterhin wie schon seit der Gründung nur männliche Mitglieder zugelassen. In den 1920er Jahren bildeten sich zwar erste katholische Frauenturngruppen, die später zur Gründung der DJK-Frauensportgemeinschaft führten, aber erst 1970 fusionierten die Sportlerinnen mit dem „männlichen“ DJK-Sportverband. Jedoch nicht ohne eine Bedingung zu stellen: Die Schlüsselpositionen in der Führung sollten paritätisch besetzt sein. Fortan galt also eine Frauenquote.

Überkonfessionell, integrativ und inklusiv

Auch der konfessionsgebundene Sportbetrieb der Anfänge machte einen Wandel durch. Mittlerweile versteht sich die DJK als christlich wertorientierter Verband unter katholischem Dach und nimmt nach eigenen Angaben jeden auf, der diese Orientierung mitträgt. Die Förderung von Integration und Inklusion gehören demnach auch seit vielen Jahren zur gelebten Praxis. „Die DJK bietet die Möglichkeit, in einer globalisierten Gesellschaft ohne Mauern Sport zu treiben“, würdigte Sportbischof Jörg Michsel Peters im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zum Jubiläum.

Der DJK-Sportverband mit Sitz im rheinischen Langenfeld hat aktuell rund 500.000 Mitglieder in etwa 1.100 Vereinen mit über 100 Sportarten. Neben Klassikern wie Leichtathletik und Fußball werden auch Trendsportarten wie Darts, Ultimate Frisbee, Slackline oder Bouldern angeboten.

Die DJK bei Olympia

Der DJK-Sportverband ist als konfessionelle Vereinigung Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Einen Beitrag zu einer Ethik im organisierten Sportbetrieb versucht die DJK durch ihr Engagement in der Olympiaseelsorge zu leisten. Seit den 1970er Jahren begleitet der Geistliche DJK-Bundesbeirat regelmäßig die Athleten zu den Olympischen Spielen weltweit. Derzeit ist Elisabeth Keilmann Beirätin und zugleich Olympia- und Sportseelsorgerin der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

Alle zwei Jahre wird seit 1992 der DJK-Ethik-Preis des Sports verliehen. Preisträger waren neben dem Kirchenvertretern wie Kardinal Karl Lehmann (1936-2018) auch Sportgrößen wie Basketball-Legende Dirk Nowitzki (42). Der NBA-Star begann bei der DJK Würzburg seine Karriere und ist nicht der einzige bekannte DJK-Sportler: Ex-Tischtennis-Spieler Jörg Roßkopf (51) und Skispringer Severin Freund (32) zählen dazu.

Jubiläumsveranstaltungen verschoben

Coronabedingt musste die große Jubiläumsfeier des DJK-Bundesverbands im Mai in Würzburg abgesagt werden. Auch die Feiern zum 70. Jahrestag des DJK-Diözesanverbands Münster fallen bis auf Weiteres aus. In der Jubiläumsausgabe des Verbandsmagazins „erleben+bewegen“ schaut der Diözesanverband auf seine bewegte Geschichte zurück.

Die Jubiläumswallfahrt zum Bundesjubiläum soll 2022 nachgeholt werden. Dann werden tausende DJKler in Bamberg erwartet, die nach dem Jubiläumsmotto lospilgern dürften: „Sein Bestes geben“.

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