Zwei angestellte Kräfte unterstützen Ehrenamtliche in Emstek

Ehrenamtliche Büchereileiterin hört auf – nun müssen Hauptamtliche ran

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In Emstek im Oldenburger Land hat die ehrenamtliche Leiterin der katholischen Bücherei aufgehört. Die Lücke war durch die Ehrenamtlichen kaum zu stopfen. Also wurden zwei Hauptamtliche eingestellt - und nicht nur die Pfarrei hilft dabei mit.

Aki Bianca Wantia zählt auf: Elfeinhalb Stunden Öffnungszeit in der Woche, daneben Aktionen mit Schulen und Kindergärten. 13.000 Bücher und andere Medien, 29.000 Ausleihen, ein Team von 18 ehrenamtlichen Kräften.

In der Katholischen Öffentlichen Bücherei von St. Margaretha Emstek war immer viel los. Wantia kann das einschätzen, sie leitet die Fachstelle Büchereiwesen im Bischöflichen Generalvikariat Münster und hat einen Überblick. Auch darüber, wie so etwas möglich ist.

Hoher Einsatz von Ulla Moormann

In Emstek vor allem durch den Einsatz von Ulla Moormann, sagt Wantia. Die leitete die Bücherei und ihr Team ehrenamtlich. Altersbedingt hat sie die Aufgabe abgegeben. Wie weiter?

Wantia hat solche Fälle schon erlebt. Ihre Erfahrung: Wenn eine Bücherei nach solch enormen Einsatz weiter ehrenamtlich geleitet werden soll, kommt es oft zur Krise. „Weil das Team nicht den gleichen Einsatz schafft.“ Wantias Rat: Hauptamtliche Kräfte einstellen. Für die Fachfrau war das auch in diesem Fall angesagt, um die blühende Bücherei in Emstek weiter zu tragen.

St. Margaretha kann bezahlen

Seit dem 1. November arbeiten Verena Tegeler mit einer ganzen und Tanja Otten mit einer halben Stelle in der Bücherei. Die Finanzierung teilen sich das Offizialat Vechta und die politische Gemeinde Emstek. Für die Pfarrei bleiben rund zehn Prozent der Kosten, rechnet Kirchenprovisor Heinz Prenger vor. Prenger ist für die Finanzen der Gemeinde zuständig und meint: Eine Summe, die man tragen könne.

Die politische Gemeinde sei von Anfang bei allen Verhandlungen dabei gewesen, berichtet er. „Denn auf die kamen deutlich mehr Kosten zu als bisher.“ Weil die neuen Kräfte nach Tarif korrekt bezahlt werden.

Sind der Gemeinderat und Bürgermeister Michael Fischer der Kirche besonders gewogen? Pfarrer Michael Heyer sieht darin nicht den Grund. Die katholische Bücherei erfülle vielmehr eine wichtige Aufgabe, die eigentlich beim Staat liege. Einen „Kultur- und Bildungsauftrag“. Denn die katholische Bücherei in Emstek sei mit ihren vielen Veranstaltungen und Lesungen eine feste Größe im Kulturleben des Ortes.

Gott auch im Buch zu finden

Auch das Geld der Kirche sieht der Pfarrer hier gut angelegt. „Wir Christen haben oft die Tendenz zu glauben, Gott finde nur in der Kirche statt. Aber Gott findet auch anderswo statt. Durchaus auch in Medien wie Büchern und Filmen.“ Eine katholische Gemeinde habe den Auftrag, „Menschen zu einem freien und reifen Glauben zu führen“. Unter den Methoden, findet Heyer, sei „Lesen eines der schönsten Dinge, die man da finden kann – auch für Kinder“.

Der Pastor gibt zu, eher selten Gast in seiner Bücherei zu sein. Die theologische Fachliteratur, die er bevorzugt, sei dort weniger zu finden. Etwa „Ich will, dass du bist“ von Tomas Halik: „Zurzeit mein Lieblingsbuch.“

Die Lieblingsbücher

Lieblingsbücher haben die beiden neuen hauptamtlichen Büchereikräfte auch. Verena Tegeler nennt „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ von Mauri Kunnas. Für Tanja Otten ist es „Das Grand Hotel“ von Caren Benedikt. Dass beide sich in der Literatur gut auskennen, ist kein Wunder - beide haben bei der offiziellen Vorstellung „Lesen“ als Hobby angegeben.

Aber die Arbeit in der Katholischen Bücherei ist natürlich mehr als Hobby. Verena Tegeler als neue Büchereileiterin sieht sich vor allem als eine „Gastgeberin“ für die vielen Besucher. Zudem wolle sie den „Bildungsauftrag“ wahrnehmen, die Lesekompetenz fördern und das kulturelle Gemeindeleben in Emstek mitgestalten. Wie sie diese Ziele verwirklichen will, lässt sie offen. Nach wenigen Tagen im Amt sei es für konkrete neue Projekte noch zu früh.

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