UPDATE: Bode zieht erste Bilanz seiner Amtszeit

Ein Reformer geht: Bischof Franz-Josef Bode wird verabschiedet

  • Am Sonntag, 4. Juni, wird Bischof Franz-Josef Bode im Osnabrücker Dom verabschiedet.
  • Bode hatte sein Rücktrittsgesucht unter anderem mit eigenen Fehlern im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt begründet.
  • Nun zieht er ein erstes Fazit seiner Amtszeit.

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Er konnte sich die Weihe von Priesterinnen vorstellen - und Priester, die verheiratet sind. Franz-Josef Bode war einer der ersten Aufklärer und Reformer unter den katholischen deutschen Bischöfen. Bereits 2010 hatte der heute 72-Jährige die Betroffenen sexualisierter Gewalt um Vergebung gebeten. Das Foto des bäuchlings vor dem Altar liegenden Osnabrücker Bischofs ging durch die Medien. Immer wieder betonte Bode, auch selbst Fehler gemacht zu haben. Ende März trat der dienstälteste Bischof Deutschlands zurück. Am Sonntag, 4. Juni, wird Bode im Osnabrücker Dom verabschiedet. (Sein erstes persönliches Fazit siehe Kasten am Textende.)

Ein wichtiger Grund für Bodes Rücktrittsgesuch war der im September 2022 veröffentlichte Zwischenbericht zu Missbrauchsfällen in seinem Bistum. Darin werden ihm schwerwiegende Pflichtverletzungen im Umgang mit Beschuldigten und Betroffenen vorgeworfen. Er habe mehrfach Beschuldigte in ihren Ämtern belassen und damit weitere Tatgelegenheiten ermöglicht. Bis in die jüngste Vergangenheit seien in seinem Bistum Betroffene abweisend behandelt worden.

Eigene Fehler eingestanden

Vor allem die Reaktionen aus den eigenen Reihen nach dem Zwischenbericht hätten ihn zum Nachdenken gebracht, so der Bischof im Dezember zum Evangelischen Pressedienst (epd). Viele seien von ihm enttäuscht gewesen. Das Vertrauen in ihn sei erschüttert, Priester hätten ihn gefragt: "Warum treten Sie nicht zurück?"

Bode gestand in seiner Rücktritts-Botschaft ein, er habe lange Zeit die Täter und die Institution mehr im Blick gehabt als die Betroffenen: "Ich kann heute nur alle Betroffenen erneut um Verzeihung bitten."

Änderungen nach Missbrauchs-Bericht

Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zählte in seiner Kirche spätestens seit 2010 zu den Fortschrittlichen. Vor vielen anderen setzte er unabhängige Ansprechpersonen für Betroffene ein und präsentierte ein Präventionskonzept.

In seinem Bistum hat er nach Veröffentlichung des Berichts der Universität Osnabrück noch weitere Änderungen auf den Weg gebracht. Dazu gehört unter anderem die Einstellung einer unabhängigen Beauftragten für den Schutzprozess gegen sexualisierte Gewalt und einer Ombudsperson für Betroffene.

Beschlüsse des Synodalen Wegs umgesetzt

Von Anfang an war Bode, der mehrfach als Bischof für größere Diözesen und als Vorsitzender der Bischofskonferenz im Gespräch war, ein Treiber des Reformprozesses Synodaler Weg. Den hat er vor seinem Rücktritt auch noch mit zu einem aus seiner Sicht guten Ende gebracht.

Für das Bistum Osnabrück, das er seit 1995 leitete, hat Bode erste Beschlüsse des Synodalen Wegs noch umgesetzt. Künftig soll es Segensfeiern für homosexuelle oder wiederverheiratete Paare geben. Jüngst feierte Diözesanadministrator Weihbischof Johannes Wübbe erstmals einen offiziellen Queer-Gottesdienst. Zudem sollen demnächst beauftragte Frauen und Männer ohne Priester- oder Diakonenweihe in der Messe predigen dürfen.

Rolle der Frauen

Als Vorsitzender der Frauenkommission der Bischofskonferenz setzte sich Bode dafür ein, dass mehr Frauen in Entscheidungspositionen gelangen. Bereits 2002 ernannte er als erster Bischof eine Frau zur Leiterin des Seelsorgeamts im Generalvikariat.

Bei der Weihe von Priesterinnen bremste er jedoch die Erwartungen - auch aus Sorge vwegen einer Spaltung der Kirche. Diese Debatte müsse, wie auch die Frage des Pflichtzölibats, mit Rom und der ganzen Weltkirche weitergeführt werden.

Dem in Paderborn geborenen und 1991 dort zum Bischof geweihten Bode wurde für seinen Rücktritt vielfach Respekt gezollt. Vor allem katholische Reformbewegungen, Laien- und Frauenverbände bezeichneten den Schritt als konsequent und vorbildlich. Manche äußerten aber auch Bedauern, weil ihnen nun ein Mitstreiter für Reformen fehle.

Bode: Dankbar für Amtszeit - selbstkritisch bei Missbrauch
Erstmals seit seinem Rücktritt hat sich Bischof em. Franz-Josef Bode öffentlich geäußert. In einem Beitrag für die Bistumszeitung „Kirchenbote“ schreibt er, trotz einzelner Rückschläge und auch verloren gegangenen Vertrauens durch die Missbrauchskrise bleibe er dankbar und „ein wenig stolz auf diese über 27 Jahre“.

Selbstkritisch blickt er auf den Skandal sexualisierter Gewalt: „Nur langsam habe ich wirklich verstanden, wo meine Verantwortung lag und wie ich sie nicht immer richtig wahrgenommen habe.“ Dadurch sei sehr viel Vertrauen verspielt worden, „in die Kirche, in ihre Verantwortlichen und auch in mich als Bischof“.

Enttäuscht äußert sich Bode darüber, dass angesichts notwendiger Reformüberlegungen der Dialog zwischen der Kirche in Deutschland und dem Vatikan nicht besser gelungen sei: „Er hätte manches Schreiben von dort erspart.“ Gleichwohl setze er auf die anstehenden Versammlungen der Weltsynode, so Bode. | KNA