Schwester Antje Eichhorn wechselt nach Rom

Erste Sekretärin des Abtprimas der Benediktiner kommt aus Dinklage

Ob sie in Rom weiterhin Ikonen malen kann, weiß Schwester Antje Eichhorn noch nicht. Erst einmal müsse sie sich in ihrer neuen Stelle zurechtfinden, sehen welche Aufgaben in der Welt-Zentrale der Benediktiner auf sie zukommen. „Aber dann kann ich mir das durchaus vorstellen“, sagte die 55-jährige Benediktinerin einen Tag vor ihrem Abflug nach Italien.

Ikonen-Malerei – damit hatte sich Dinklager Ordensfrau einen Namen gemacht. Jetzt stehen andere Fähigkeiten im Mittelpunkt: Organisationstalent und ihre Sprachkenntnisse. Seit sie ihr neues Amt angetreten hat: Sekretärin von Gregory Polan, dem vor einem Jahr neu gewählten weltweiten Abtprimas der Benediktiner. Sie ist die erste Frau in diesem Amt.

Für 22.000 Benediktiner

Der Abtprimas ist oberster Vertreter der weltweit rund 22.000 und im deutschen Sprachraum etwa 1.500 Benediktiner und Benediktinerinnen. Schwester Antje wird ihn künftig als eine seiner engsten Mitarbeiterinnen unterstützen.

Sie stammt aus Münster und war 1990 in die Abtei Dinklage eingetreten. Immer mal wieder hatte sie Übersetzer- und Dolmetscheraufgaben bei internationalen Ordens-Veranstaltungen übernommen.

Bedingung: drei Sprachen fließend

Dabei war sie erstmals auch in Kontakt mit dem neuen Abtprimas gekommen. Sodass der sich bei der Suche nach einem Nachfolger für den bisherigen Sekretär an die Ordensfrau aus Dinklage erinnerte – und im Februar in Dinklage anfragte, ob sie nach Rom kommen könne. Voraussetzung dafür sei die fließende Beherrschung von drei Sprachen. Kein Problem für die ausgebildete Gymnasiallehrerin für Englisch und Französisch.

Der Dienst ist befristet. Denn obwohl tätig in Rom gehört Schwester Antje weiter zur Abtei Dinklage, gemäß der Ordensregel der Benediktinerinnen. „Sie fordert das Feststehen in der Lebensform und, fest an eine Gemeinschaft gebunden zu sein“, erklärt sie.

Dauer ungewiss

Wie lange sie in Rom bleibt, steht nicht fest. Nach einem Probejahr soll entschieden werden, wie es mittelfristig weitergeht. Der Abtprimas ist auf acht Jahre gewählt, mit Option auf Verlängerung. „Aber seine Mitarbeiter haben nicht von vorneherein einen festen Rahmen, für den sie zusagen müssen“, erklärt Schwester Antje. „Und es hängt auch davon ab, was in Dinklage gebraucht wird.“

Sie freut sich auf die neue Aufgabe. Aber Schwester Antje sieht auch, was sie vorübergehend aufgeben muss. „Ich würde nicht sagen: Ich verliere nichts und gewinne alles hinzu. Eine Bilanz wird man nach längerer Zeit erst ziehen können.“

Vielleicht auch Ikonen

Was sie in Rom am meisten vermissen wird? „Dass ich im Grünen wohne, dass in Dinklage nicht alles so vertrocknet ist und dass man radfahren kann.“

Mit den Ikonen wird sie erst einmal pausieren, „weil so viel Neues auf mich zu kommt.“ „Aber es gibt durchaus den Wunsch, auch aus Rom, dass ich  auch dort mit den Ikonen weitermache.“ Nur ob und wie das möglich sein könnte – „das ist noch offen“.