St. Martinus stellt Pfarrheim für Notgruppe bereit

Fehlende Kita-Plätze – in Rheurdt macht Pfarrei Nägel mit Köpfen

  • Überall fehlen Kita-Plätze. In der Ortschaft Rheurdt am Niederrhein stellt die Pfarrei St. Martinus kurzerhand ihr Pfarrheim zur Verfügung.
  • Dort wird eine „Not-Tagesstätte“ für zwölf Kinder eingerichtet.
  • Damit dies gelingen kann, stocken die Erzieherinnen vorübergehend ihre Stunden auf.

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Überall fehlen Kita-Plätze, in Rheurdt macht man Nägel mit Köpfen. Weil in der Gemeinde am Niederrhein einige Kinder ohne Kita-Platz geblieben sind, hat die Pfarrei St. Martinus kurzerhand ihr Pfarrheim an der Grünstraße der Kita St. Hubertus als „Not-Tagesstätte“ zur Verfügung gestellt. In Kürze werden im Pfarrsaal zwölf weitere Kinder ab drei Jahren in ihre Kita-Zeit starten. Einige wenige Plätze sind noch frei.

Rheurdt: Erzieherinnen stocken Stunden auf

„Hätten wir unser super Personal nicht gehabt, hätten wir das nicht gemacht“, sagt Eva Michalek-Spetzius, Verbundleitung für die drei katholischen Kitas der Pfarrei in Rheurdt, Schaephuysen und Tönisberg mit insgesamt 150 Kindern. In der Kita St. Hubertus arbeiten zehn Erzieherinnen, sieben davon in Teilzeit.

Die haben nun vorübergehend Stunden aufgestockt, um die neue Gruppe zu betreuen. Warum es in der Rheurdter Kita keinen Personalnotstand gibt? „Wir sind ein kleiner, ländlicher Ort, es gibt ein gutes Arbeitsklima und eine tolle Elternschaft, alle halten hier zusammen“, erklärt Michalek-Spetzius die Lage.

Kita-Ausbau muss warten, erst ist das Pfarrheim dran


Das Pfarrheim der Pfarrei St. Martinus in Rheurdt. Foto: Pfarrei St. Martinus

Geplant war für die Kita St. Hubertus ohnehin, eine dritte Regelgruppe einzurichten und dafür eine Etage auf das bestehende Gebäude aufzusetzen. Die Pläne sind fertig, die Handwerker fehlen. Und wenn dann Handwerker bereit sind, steht und fällt der Baustart mit der Lieferung von Baumaterial. Die Pfarrei hat diesen Neubau aber aktuell hintangestellt, denn zunächst geht es darum, das Pfarrheim auf den Kita-Betrieb vorzubereiten.

„Erst wurde überlegt, die obere Etage des zweistöckigen Pfarrheims dafür zu nutzen, aber der Pfarrsaal ist einfach schöner“, sagt Verbundleiterin Michalek-Spetzius. Nun muss ein Durchbruch durch die Außenmauer in den Pfarrgarten geschaffen werden. Drinnen müssen die Heizungen verkleidet, weitere Türen und der Treppenaufgang gesichert, Klemmschutze angebracht, der Brandschutz verbessert, Notausgänge ausgewiesen werden. Die Sicherheitsauflagen stammen vom Kreisjugendamt und dem Landschaftsverband.

Rheurdter Bürgermeister sorgt für Verkehrsberuhigung

Der Rheurdter Bürgermeister Dirk Ketelaers ist ebenfalls mit im Boot und hat in aller Eile „Berliner Kissen“ zur Verkehrsberuhigung vor dem Pfarrheim installieren lassen, damit die Kinder gefahrlos ins Kita-Haupthaus wechseln können. Denn das Tempolimit von sieben Stundenkilometern in der Grünstraße wurde hier bislang eher vernachlässigt, nun tut ein Verstoß auch Autoinsassen und Stoßdämpfern richtig weh.

Für die Pfarrei fällt das Pfarrheim jetzt auf unbestimmte Zeit aus, denn Datenschutz und Sicherheit der Kinder verbieten eine parallele Nutzung. „Das macht den Pfarrgruppen nichts aus, sie wechseln jetzt einfach in die Pfarrheime von St. Nikolaus und St. Antonius“, sagt Eva Michalek-Spetzius. „Denn in Rheurdt ziehen alle an einem Strang.“