Gesundheitsversorgung in den entlegenen Gebieten Brasiliens

Franziskanerin aus Rhede hilft auf Amazonas-Krankenhaus-Schiff

„In der Amazonasregion ist die Gesundheitsversorgung nicht ausreichend. Mit einem Schiff können auch entlegenere Gebiete erreicht werden. Und als Kirche sollen wir ja, wie es auch der Papst sagt, aufbrechen zu den Menschen.“ Das sagt die in Rhede aufgewachsene Franziskanerin und Ärztin Ruth Rottbeck.

Die 46-Jährige freut sich, dass inzwischen ein Krankenhaus-Schiff - nach Papst Franziskus benannt - auf dem Amazonas unterwegs ist. Mit dem Schiff erreicht Schwester Ruth Menschen, die ansonsten keine Krankenversorgung haben.

Einsatz als Ärztin

„Dieses Krankenhaus-Schiff kommt meinen Möglichkeiten des Aufbruchs als Ärztin und Franziskanerin sehr entgegen“, erläutert sie. „Wir sind nicht nur als humanitäre Organisation unterwegs, sondern bewusst als Ordensleute und damit als Kirche.“

Bereits Anfang Februar hatte sich die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, die 2011 in die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Sießen eingetreten war, auf den Weg nach Brasilien gemacht. Vorausgegangen war ein Treffen beim Katholikentag 2018 in Münster mit dem Bischof von Óbidos, Johannes Bahlmann.

Bischof Johannes Bahlmann gründete Hilfsprojekt

Bahlmann, der Franziskaner ist und aus Visbek (Kreis Vechta) im oldenburgischen Teil des Bistums Münster stammt, hatte die Franziskanerinnen von Sießen zuvor um Unterstützung für das Projekt des Krankenhaus-Schiffes gebeten. Und diese „Unterstützung“ stand ihm dann beim Katholikentag gegenüber: Schwester Ruth. Sie machte sich im Oktober letzten Jahres ein Bild vor Ort. Ende 2018 gab sie ihre Stelle als Oberärztin für Gerontopsychatrie am Zentrum für Seelische Gesundheit am Klinikum Stuttgart auf, um sich der neuen Aufgabe am Amazonas zu stellen.

Dass Schwester Ruth nun diese neue Aufgabe hat, geht letztlich auf Papst Franziskus selbst zurück. 2013 hatte der Papst ein Krankenhaus der brasilianischen Gemeinschaft der Franziskaner der Göttlichen Vorsehung in Rio de Janeiro besucht.

Franziskaner betreiben Krankenhäuser

Die Gemeinschaft kümmert sich vor allem um Kranke, Alte und Pflegebedürftige. Im Rahmen seines Besuches bat der Papst die Franziskaner, sich der Menschen am Amazonas anzunehmen. Dieser Bitte nachkommend, betreibt die Gemeinschaft inzwischen zwei Krankenhäuser am Amazonas, nämlich in Óbidos und in Jurutí.

„Doch wir erkannten schnell, dass für die Bevölkerung am Amazonas eine besondere Versorgung benötigt wird, die die Menschen auch vor Ort erreicht. Und wie könnte das auf dem Amazonas besser gelingen als durch ein Krankenhaus-Schiff“, sagt Bischof Bahlmann.

Einsatz in 1.000 Gemeinden

Im geplanten Einsatzgebiet des Schiffes leben etwa 700.000 Menschen in mehr als 1.000 Gemeinden. „Für diese ist das Erreichen der beiden Krankenhäuser insbesondere aufgrund der immer wiederkehrenden Überschwemmungen der Straßen und dem dann schwierigen und teuren Transport zu den Krankenhäusern fast unmöglich“, erläutert Schwester Ruth.

Und Bischof Bahlmann ergänzt: „Ein Krankenhaus-Schiff stellt somit die einzige Möglichkeit dar, die gesundheitliche Versorgung der Menschen rund um den Amazonas dauerhaft zu gewährleisten.“

OP-Raum und mehrere Behandlungszimmer

Ziel des Projektes sei es, so erklärt Schwester Ruth, „sowohl die gesundheitliche Grundversorgung sicherzustellen als auch am Amazonas häufige Erkrankungen und Krebsleiden möglichst frühzeitig zu erkennen und hier auch vorbeugend tätig zu werden“.

Das Krankenhaus-Schiff ist 32 Meter lang und verfügt über Behandlungs- und Untersuchungszimmer für verschiedene Fachrichtungen wie etwa Zahn- und Augenheilkunde sowie über einen kleinen OP-Raum, ein Labor, Röntgen-, Mammographie-, Ultraschall- und EKG-Geräte sowie über Räume für die Medikamenten-Ausgabe.

Finanzierung durch Strafzahlungen

Das Ärzte- und Pflegepersonal auf dem Schiff wird unter anderem aus fünf Ordensleuten bestehen. Hinzu kommen voraussichtlich fünf weitere Ärzte, zwölf Krankenschwestern, Medizinisch-Technische Assistenten und weitere Hilfskräfte.

Schwester Ruth erläutert, dass die „Anfangsfinanzierung für den Bau des Schiffs aus einer Strafzahlung stammt, die von verschiedenen Firmen aufgrund von schwerwiegender Umweltverschmutzung und deren Folgen geleistet werden musste und dem Projekt durch das regionale Arbeitsgericht in Campinas zugesprochen wurde“.

Freiwillige Helfer werden gesucht

In Kürze wird es möglich sein, als Freiwilliger auf dem Schiff mitzuarbeiten. Informationen gibt es auf der Internet­seite der Franziskanerinnen von Sießen.