Papst: Vatikan-Behörde hat nicht letztes Wort bei Übersetzung liturgischer Texte

Franziskus rüffelt Kardinal Sarah in offenem Brief

Unter Papst Franziskus hat sich einiges im Vatikan geändert. Dass das nicht nur Inhalte betrifft, sondern auch die Kommunikationsweise des Papstes, zeigt ein aktueller Fall: Mit dem Papst-Erlass „Magnum principium“ (Das wichtige Prinzip) wollte der Papst die Bischofskonferenzen stärken, ihnen mehr Verantwortung bei der Übersetzung liturgischer Texte geben. Die Rolle der zuständigen Vatikan-Behörde schwächte er mit dem Motu Proprio, einem päpstlichen Erlass. Das sorgte dort offensichtlich für Klärungsbedarf, wie aus einem am Sonntag vom Vatikan veröffentlichten Brief von Papst Franziskus an Kardinal Robert Sarah, den Leiter der Gottesdienstkongregation, hervorgeht.

Ungewöhnlich an dem Schreiben sind die Tatsache der Veröffentlichung durch den Vatikan sowie einige Formulierungen darin. Eingangs dankt der Papst Sarah für einen Brief zu „Magnum principium“ nebst Übersendung eines ausführlichen „Kommentars“, dessen Autorschaft offen bleibt. Auf einigen Nischenportalen im Internet erschien jedoch offenbar genau dieser Text unter dem Namen Sarahs. Dieser Kommentar legte „Magnum principium“ so aus, das weiterhin das letzte Wort in der Frage der liturgischen Übersetzungen bei der Vatikan-Behörde lag.

Papst bekräftigt: Liturgische Texte nicht wortwörtlich übersetzen

Mit dem seit Anfang des Monats gültigen Dekret hatte der Papst vor allem Kanon 838 des Kirchenrechts zur Regelung der Liturgie der katholischen Kirche präzisiert. Für die Übersetzung liturgischer Texte sind demnach vor allem die Bischofskonferenzen zuständig. Sie sollen diese nur noch von Rom bestätigen lassen. Dort, so ein Anliegen der Änderung, sollen keine Alternativübersetzungen mehr verfasst werden.

In dem nun vom Vatikan veröffentlichten Schreiben widerspricht der Papst eindeutig einigen Punkten des im Internet veröffentlichten Kommentars. So stellt er etwa klar, dass die Übersetzungen der Bischofskonferenzen nun im Unterschied zur Vergangenheit „nicht in allen Punkten“ der Instruktion „Liturgiam authenticam“ aus dem Jahr 2001 entsprechen müssen, die eine nahezu wortwörtliche Übersetzung liturgischer Texte aus dem Lateinischen verlangt. In dem Internet-Kommentar war hingegen zu lesen, die Übersetzungen müssten in allen Punkten den Normen dieser Instruktion entsprechen.

Maßgabe für Übersetzung: Verständlichkeit in der Zielgruppe

Der Papst führt weiter aus, gemäß seinem Motu Proprio müsse zwischen der Überprüfung (recognitio) und der Bestätigung (confirmatio) unterschieden werden. Der Kommentar im Internet hatte nahegelegt, beide Begriffe seien zwar keine Synonyme, aber dennoch austauschbar.

Was die bei der Übersetzung geforderte Treue zum lateinischen Originaltext („fideliter“) angehe, liege die Entscheidung darüber nun bei den Bischofskonferenzen im Dialog mit dem Heiligen Stuhl, heißt es in dem Papstschreiben weiter. Bei der Übersetzung seien drei Aspekte besonders zu berücksichtigen: die Treue gegenüber dem lateinischen Original, Besonderheiten der Zielsprache sowie Verständlichkeit in der Zielgruppe.

Papst nutzt ungewöhliche Formulierung

Wie sein Erlass zu verstehen ist, macht Papst Franziskus in seinem Brief an den Kardinal also deutlich. Auffällig ist hingegen eine ungewöhnliche Formulierung am Ende seines Schreibens, die sich auf die auf einigen Internetseiten veröffentlichten Anmerkungen bezieht: Dieser Kommentar sei „fälschlicherweise“ der Person des Kardinals zugeschrieben worden, schreibt der Papst. Er bittet den Kardinal jedoch auch darum, seine Antwort ebenfalls auf den entsprechenden Seiten veröffentlichen zu lassen. Ein Kontakt des Kardinals zu den entsprechenden Internetportalen wird also nahegelegt, zugleich lässt der Papst durchblicken, dass ein Kardinal seine Anmerkungen nicht auf solchen Plattformen verbreiten sollte.