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Diakon startet mit Postkarten eine Aktion gegen Kirchenaustritte

Garreler Gläubige schreiben, warum sie in der Kirche bleiben

  • Der Garreler Diakon Hubert Looschen will die Austrittszahlen nicht hinnehmen.
  • Die Gemeindemitglieder schreiben auf Postkarten, warum sie in der Kirche bleiben.
  • Bei den Antworten spielt die Kirche kaum eine Rolle, Gott aber wohl.

Jedes Jahr werden es mehr: Katholiken, die aus der Kirche austreten. Über 270.000 Katholiken haben im Jahr 2019 die Kirche in Deutschland verlassen. Mit den ausgetretenen evangelischen Christen ist eine halbe Million erreicht. Nach Angaben des Offizialatsbezirks Oldenburg sind die Austrittszahlen in den vergangenen drei Jahren in diesem Bereich von 1346 auf 2089 gestiegen.

Grund genug für Diakon Hubert Looschen, ein Zeichen dagegen zu setzen. Über eine Internet-Umfrage zum Thema „Ich bleibe in der Kirche, weil…“ kam er auf die Idee, in seiner Gemeinde ebenfalls eine Umfrage zu starten: „Das machen wir auch!“

Schnell war eine Einladung für den Pfarrbrief der Gemeinde St. Johannes Baptist in Garrel geschrieben. „Viele Gläubige bleiben der Kirche treu und suchen in der Gemeinschaft nach dem Sinn des Lebens. Wer möchte mitmachen bei einer Aktion?“, wurde darin gefragt. Auf Postkarten sollten die Teilnehmer den Satz „Ich bleibe in der Kirche, weil…“ vervollständigen.  Die Antwort kann auch jetzt noch mit oder ohne Namen beim Seelsorgeteam abgegeben, oder in den Briefkasten am Pfarrhaus geworfen werden.

Bisher schreiben alle anonym

Noch können sich die Garreler bei der Postkarten-Aktion beteiligen, vielleicht werden es dann so viele Einsendungen wie beim Kirche+Leben-Gewinnspiel.
Noch können sich die Garreler bei der Postkarten-Aktion beteiligen, vielleicht werden es dann so viele Einsendungen wie beim Kirche+Leben-Gewinnspiel. | Foto: Michael Bönte

„Bisher schreiben alle anonym“, berichtet Looschen. Interessant bei den Antworten: Die Kirche an sich oder das „Bodenpersonal“ spielen keine Rolle, wohl aber die persönliche Beziehung zu Gott: „Ich bleibe in der Kirche, weil ich so den Draht zu Gott nicht verliere“, heißt es etwa, oder „ich fühle mich dann mit Gott verbunden und der Glaube an ein Leben nach dem Tod wird gestärkt“. Einige Antwortschreiber betonen auch die Gemeinschaft, den Chorgesang oder schlicht, „es gibt mir positive Gedanken für den Alltag.“

Die ersten Antworten wurden schon nach wenigen Tagen abgegeben. Auch Hubert Wermeling * (Name von der Redaktion verändert) hat mitgemacht: „Es kennt hier jeder jeden“, nennt er als Grund, warum er anonym bleiben möchte. Glauben ist immer noch irgendwie Privatsache, meint er, und trotzdem war es ihm wichtig, bei der Postkartenumfrage mitzumachen: „Die Kirche hat mir immer viel gegeben“, sagt er. Seine Mutter hätte es mit zwei kleinen Kindern nach dem frühen Tod seines Vaters nicht leicht gehabt. „Da hat sie in der Gemeinde viel Unterstützung erfahren.“ Zu den Austrittszahlen meint er: „An vielem ist die Kirche auch selbst schuld, wie an den verschleppten Reformprozessen.“ Das schaffe Unzufriedenheit. Für einige Menschen mögen auch steuerliche Einsparungen eine Rolle spielen. Für Wermeling jedenfalls ist klar: „Für mich ist mein Glaube an Jesus Christus mit der Kirche untrennbar verbunden, deshalb fühle ich mich ihr zugehörig.“

Geplant ist eine Broschüre als gemeinsames Glaubenszeugnis

Wie geht es weiter nun mit der Aktion? „Garrels Katholiken sind herzlich eingeladen, so ein Glaubenszeugnis zu geben“, sagt Hubert Looschen. „Vielleicht können wir sogar eine kleine Broschüre mit den Antworten veröffentlichen“, plant der Diakon. Das wäre dann ein gemeinsames Glaubensbekenntnis und eine Botschaft für alle.

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