Kirche+Leben Lexikon

Heiliger Liudger – wer war das?

Kirche+Leben Lexikon Liudger

Liudger wurde um 742 in der Nähe von Utrecht geboren und stammt aus einer alten friesischen Adelsfamilie. Schon seine Eltern Thiadgrim und Liadburg waren im christlichen Glauben erzogen worden, seine Onkel Willibraht und Thadbraht zählten zu den Gefährten des heiligen Willibrord.

Von frühen Kindesbeinen an, so wird berichtet, verspürte Liudger eine Berufung zum Studium und zum Wirken für Gott. Insbesondere war er vom heiligen Bonifatius beeinflusst, den er als greisen Missionar noch erleben durfte. Diese Begegnung festigte seinen Wunsch, von der Kirche ausgebildet zu werden.

Ausbildung in Utrecht und York

Die Eltern erfüllten dieses Ansinnen und legten die Verantwortung für die weitere Ausbildung Liudgers in die Hände des Abtes Gregor von Utrecht. Zwölf Jahre lang wurde der junge Mann in der Utrechter Stiftsschule ausgebildet. Danach ging er nach York, um unter Alkuin sein Wissen weiter zu vertiefen. In York empfing Liudger auch die Diakonenweihe. Nach fast sechs Jahren des Studiums kehrte er in seine friesische Heimat zurück.

Namensbedeutung:
"Liudger" ist althochdeutsch und bedeutet "Kämpfer / Speer des Volkes".

Hier übernahm er 776 erstmals einen Missionsauftrag in Deventer. Ein Jahr später wurde er in Köln zum Priester geweiht und war danach zunehmend im friesischen Ostergau aktiv. Den Mittelpunkt seines Schaffens bildete Dokkum, wo Bonifatius Jahre vorher grausam zu Tode gekommen war.

Beim Papst in Rom

Die Mission verlief erfolgreich, bis sich die benachbarten Sachsen zu einem Aufstand erhoben, der auch auf Friesland übergriff. Liudger musste fliehen, ging zunächst nach Utrecht und nutzte die Gelegenheit zu einer Pilgerfahrt nach Rom, wo er mit Papst Hadrian I. zusammentraf, um ihm von der nunmehr zerstörten Friesenmission zu berichten.

Während seines zweijährigen Aufenthalts in Montecassino südlich von Rom lebte er nach der Regel des heiligen Benedikt, ohne jedoch die Gelübde abgelegt zu haben.

Namensableitungen:
"Liudger" wird oft zu "Ludger" verkürzt.

Der Legende nach soll Kaiser Karl der Große 787 im Stammkloster der Benediktiner Liudger kennengelernt haben. Schnell erkannte er dessen die Begabung und sandte ihn nach Friesland zurück, um dort die Kirche in den Gauen Hummerke, Hunsegau, Fivelgau, Emsgau und Federgau wieder aufzubauen.

Mit Geschick und Gespür für die Besonderheiten seiner Landsleute ging Liudger diese Aufgabe an und hatte dabei großen Erfolg. Selbst auf der einsamen Insel Helgoland konnte 791 die erste Kirche gebaut werden. Ein erneuter Aufstand der Sachsen, der sich abermals auf Friesland auswirkte, konnte der erfolgreichen Verkündigungsarbeit Liudgers diesmal nichts mehr anhaben, obschon er persönlich ein weiteres Mal zur Flucht gezwungen war, diesmal allerdings nur für kurze Zeit.

Mission im westlichen Sachsen

Karl der Große trug dem Friesenmissionar nunmehr die Bischofswürde von Trier an. Liudger jedoch bat darum, die Leitung der Diözese nicht annehmen zu müssen, dafür gebe es Kandidaten, die weit gebildeter seien als er, befand Liudger. Stattdessen bat er Karl darum, seine Mission im westlichen Sachsen, dem Gebiet des heutigen Bistums Münster, fortführen zu dürfen.

Darstellung:
Besonders im Bistum Münster finden sich sehr viele Darstellungen des ersten Bischofs, so zum Beispiel im Münsteraner Dom. Gewöhnlich wird er in bischöflichen Gewändern dargestellt, ein Kirchenmodell in der Hand haltend. Manchmal ist er auch mit zwei Wildgänsen an seiner Seite zu sehen, weil er durch ein Wunder sein Missionsgebiet von der Gänseplage befreit haben soll.

In Mimigernaford, einer besiedelten Straßenkreuzung in der Nähe des Flüsschens Aa, ließ sich Liudger 794 nieder und gründete dort ein Kloster, das fortan den Mittelpunkt seines missionarischen Schaffens bildete. Aus diesem Kloster entwickelte sich die spätere Stadt Münster.

Erster Bischof von Münster

Schließlich wurde Liudger nach langem Zögern im Jahr 805 zum ersten Bischof von Münster geweiht. Sein neu geschaffenes Bistum weihte er dem heiligen Paulus.

Liudger, der der jungen Kirche Westsachsens erstmals eine vorbildliche Pfarr- und Diözesanstruktur verlieh, errichtet an die 40 Gemeinden, bildete Priester aus, gründete den Dom und die Domschule und baute zahlreiche Kirchen. Zu seinen Gründungen zählen auch das Frauenkloster in Nottuln sowie die beiden Benediktinerabteien Helmstedt und die bereits 799 gegründete Abtei Werden an der Ruhr.

Als Bischof war es Liudgers Aufgabe, ausgedehnte Visitationsreisen durchzuführen. So kam er im Frühjahr des Jahres 809 nach Coesfeld und Billerbeck, körperlich bereits durch Krankheit und Entkräftung gezeichnet.

Ein letztes Mal predigte er am 26. März 809, ehe er in der darauf folgenden Nacht in Billerbeck starb. Auf seinen eigenen Wunsch wurde der Leichnam Liudgers in die Benediktinerabtei Werden gebracht und dort beigesetzt.

Eine Legende erzählt, dass Liudger sein Missionsgebiet auf wunderbare Weise von einer Wildgänseplage befreit haben soll. Auf Bildern wird er deshalb häufig mit zwei Gänsen dargestellt. - Liudger ist Patron der Bistümer Essen und Münster. Der Gedenktag des Heiligen ist am 26. März.

Brauchtum:
Große Verehrung genießt der heilige Liudger im Bistum Münster, insbesondere natürlich in seinem Sterbeort Billerbeck. Ziel der Pilger bei der alljährlichen Wallfahrt ist der 1898 errichtete Billerbecker Dom, der mit seinem charakteristischen Doppelturm weithin sichtbar ist.
Die Sterbekapelle im Südturm der Kirche befindet sich an jener Stelle, an der früher das Sterbehaus Liudgers gestanden haben soll. Grabungen unterhalb der Kirche St. Johannis haben ergeben, dass hier mit ziemlicher Sicherheit die erste, von Liudger selbst errichtete Kirche gestanden haben wird.
Auch in Essen-Werden wird Liudger bis heute besonders verehrt. Das Ludgerusfest im September gilt als einer der Höhepunkte im Jahreskalender des Stadtteils.