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Erzbistümer München und Köln im Fokus der Öffentlichkeit

Katholische Kirche in der Krise: Wirbel um Marx, Woelki und Ex-Papst

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Für die katholische Kirche in Deutschland hat eine turbulente Woche begonnen: In Köln geht es wieder mal um Kardinal Woelki, in München um die Rolle des deutschen Ex-Papstes Benedikt XVI. Der Spitze des Katholiken-Komitees schwant Böses.

Beim Thema Missbrauch findet die katholische Kirche keine Ruhe. Ausgerechnet in den führenden deutschen Erzbistümern Köln und München schlagen in diesen Tagen die Wellen besonders hoch.

Erzbistum Köln: Kardinal Woelki vor Rückkehr

In Köln sorgt die angekündigte Art der Rückkehr von Kardinal Rainer Maria Woelki bei vielen für Stirnrunzeln. Am 2. März will er nach seiner mit dem Papst vereinbarten Auszeit zurückkommen und gleich mehrere öffentliche Termine wahrnehmen. An erster Stelle: eine feierliche Messe zum Aschermittwoch der Künstler im weltbekannten Kölner Dom.

Zu dem Wiedersehen mit Woelki hat das mitgliederstärkste deutsche Erzbistum jetzt Einladungen verschickt. Es wird von einer beispiellosen Austrittswelle erschüttert und ringt um einen Neuanfang. In der Messe will Woelki Gläubigen das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen. Außerdem stehen an dem Tag ein Empfang, eine Akademie sowie ein Abendkonzert auf dem Programm.

Kölner senden Stimmungsbild nach Rom

Mit Aschermittwoch läutet die katholische Kirche traditionell eine mehrwöchige Bußzeit vor Ostern ein. Die jüngsten Pläne des Kardinals sorgten im wichtigsten Beratergremium des Bistums prompt für eine kontroverse Debatte. Die Meinungen von Priestern und Laien seien am Wochenende „deutlich, aber nicht unversöhnlich“ aufeinandergestoßen, so das Bistum.

Dessen Übergangsleiter Weihbischof Rolf Steinhäuser erklärte sich bereit, ein anonym erstelltes Stimmungsbild des Gremiums nach Rom zu übermitteln. Der WDR spekulierte daraufhin, mit der Abstimmung werde die Rückkehr Woelkis „wieder ein Stück weit offen“.

Erzbistum München: Missbrauchsgutachten am 20. Januar

Für die Zukunft des anderen deutschen Kardinals und amtierenden Erzbischofs ist der Donnerstag dieser Woche ein sehr wichtiger Termin. Dann wird in München das mit Spannung erwartete Gutachten einer Kanzlei zum Umgang mit Missbrauch veröffentlicht – und dabei geht es nicht zuletzt um die frühere Rolle von Kardinal Reinhard Marx, dem Ex-Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Marx hatte bereits im vergangenen Sommer dem Papst überraschend seinen Rücktritt als Münchner Erzbischof angeboten. Doch Franziskus ermunterte den gewichtigen Kardinal und Vertrauten zum Weitermachen.

Der Blick der Gutachter auf die Kirchenverantwortlichen kreist stets um ein einziges Thema: Wer wusste wann was? Etwa, wenn kirchliche Missbrauchstäter einfach auf einen anderen Posten versetzt wurden.

Rolle von Papst em. Benedikt XVI.

Dabei richtet sich jetzt der Fokus der Medien aus aller Welt vor allem auf den emeritierten Papst Benedikt XVI. – und sein Tun oder Lassen, Wissen oder Nichtwissen noch als Joseph Ratzinger im Amt des Münchner Erzbischofs (1977 bis 1982). Das Besondere: Auf Fragen der Anwälte der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) hat der vom Alter gezeichnete frühere Papst dazu so ausführlich Position bezogen wie nie zuvor – auf 82 Seiten, wie „Bild“ erfahren haben will.

Auch das Gutachten selbst dürfte es in sich haben. Eine vor Monaten geplante Veröffentlichung wurde wegen „neuer Erkenntnisse“ auf den Januar-Termin verschoben. Nun ist nach Angaben der Kanzlei ein Dokument von mehr als 1.000 Seiten herausgekommen. Dritter prominenter Kirchenmann, der noch lebt und darin eine Rolle spielen dürfte, ist Kardinal Friedrich Wetter. Er war ebenfalls früher Erzbischof von München und Freising.

ZdK-Präsidentin sieht dunkle Wolken aufziehen

Bei alledem sieht die Präsidentin des Laien-Gremiums ZdK dunkle Wolken am Horizont. Mit Blick auf das Gutachten am Donnerstag schloss Irme Stetter-Karp eine Verschärfung des Abwärtstrends nicht aus: „Obwohl wir schon längst in einer schweren institutionellen Krise sind, halte ich weitere Erschütterungen für möglich.“

Offenbar auch in Köln. Der dortige gewählte Vertreter der einfachen Gläubigen, Timo Kurzbach, zuckt nur ratlos mit der Schulter, wie es nach einer Rückkehr Woelkis weitergehen könne. Ob die Verantwortlichen wirklich bereit seien, Fehler einzugestehen, sei die große Frage. „Da brennt es unter unserem Kirchendach im Erzbistum Köln lichterloh“, so Kurzbach vor wenigen Tagen.

Erzbischof Stefan Heße als Zeuge geladen

Als wäre das alles für die katholische Woche noch nicht genug: Obendrein sagt erstmals in Deutschland ein Bischof in einem Missbrauchsprozess gegen einen Priester vor Gericht aus. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße wird am Dienstag vom Landgericht Köln als Zeuge vernommen. Der Fall ist für ihn heikel, weil ihm in früherer Funktion zumindest ein Mitwirken an Vertuschung vorgeworfen wird.

Ein ehemaliges Kirchenoberhaupt im Fokus von Anwälten und Weltpresse, Wirbel an Rhein und Isar um mehrere Kardinäle, ein Erzbischof als Zeuge im Gerichtssaal. Es wird spannend in diesen Tagen für die katholische Kirche in Deutschland.

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