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Hamburger Erzbischof als Zeuge in Köln geladen

Missbrauchsprozess gegen Pfarrer U.: Betroffenen-Demo vor Heße-Aussage

  • Missbrauchsprozess gegen Pfarrer U.: Vor der Zeugenaussage des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße gab es Protest vor dem Kölner Landgericht.
  • Mehrere Missbrauchsbetroffene türmten Aktenordner auf.
  • Den Prozess sehen sie als Schritt nach vorne.
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Vor der Zeugenaussage des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße (55) in einem Missbrauchsprozess in Köln gab es eine Protestaktion. Vor dem Landgericht demonstrierte am Dienstagmittag rund ein halbes Dutzend Missbrauchsbetroffener. „Bislang haben sich Gerichte und der Staat immer weggeduckt“, sagte Martin Schmitz von der Initiative Selbsthilfe Rhede der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Staat müsse sich aber in die Aufklärung von Missbrauch einschalten. Allein schaffe es die Kirche „niemals“.

Den aktuellen Prozess gegen den 70 Jahre alten Priester U. bezeichnete Jens Windel von der Betroffeneninitiative Hildesheim als „großen Schritt nach vorne“. Die Betroffenen schichteten vor dem Gerichtsgebäude Aktenordner zu einem angedeuteten Lagerfeuer auf. „Geheime Archive“ und „Pflichtverletzungen“ stand etwa auf den Kladden.

Erzbischof Heße als Zeuge geladen

Am Nachmittag vernimmt das Landgericht Erzbischof Heße als Zeugen. Er hatte in den Jahren 2010 und 2011 als Personalchef im Erzbistum Köln mit ersten Vorwürfen gegen U. zu tun. Der frühere Pfarrer ist angeklagt, da er in den 1990er-Jahren seine drei minderjährigen Nichten zum Teil schwer missbraucht haben soll. Zudem soll er sich 2011 an einem elfjährigen Mädchen vergangen haben.

2010 wurde U. erstmals wegen Missbrauchs angezeigt. Das Erzbistum beurlaubte ihn und befragte ihn zu den Vorwürfen. Dieses Verhör soll Heße pflichtwidrig nicht protokolliert haben lassen. Nachdem später die Anzeige zurückgenommen wurde, stellte die Staatsanwaltschaft ihr Verfahren ein und das Erzbistum setzte U. wieder als Krankenhauspfarrer ein. Eine Meldung nach Rom und weitere kirchenrechtliche Schritte unterblieben.

Erste Aussage eines katholischen Bischofs

2018 rollte das Erzbistum den Fall im Zuge seiner Missbrauchsaufarbeitung erneut auf. Es wandte sich an die Behörden und untersagte U. die Ausübung priesterlicher Dienste. Mit Heße sagt erstmals in Deutschland ein katholischer Bischof in einem Missbrauchsprozess vor Gericht aus.

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