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„Wir haben im Pfarreirat alles einstimmig beschlossen, nach drei Jahren langen und intensiven Gesprächen.“ Das sagt Claudia Huter-Dosdal aus Nordenham im Kreis Wesermarsch. Das ist eine gute Nachricht. Denn der Pfarreirat hatte über die Zukunft einer der vier Kirchen der Gemeinde St. Willehad zu entscheiden: über die kleine Filialkirche St. Josef in Rodenkirchen. Die wird an diesem Sonntag (31. März) von Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta feierlich profaniert, in einem Gottesdienst für die kirchliche Nutzung geschlossen.
Aber eine Kirche schließen – das ist doch eine schlechte Nachricht, sollte man meinen. Natürlich gebe es Trauer in der Gemeinde, sagt Claudia Huter-Dosdal. Doch der Schritt zur Profanierung sei in der Gemeinde lange überlegt und besprochen worden. „Von außerhalb hat man vielleicht den Eindruck einer dramatischen Entwicklung. Aber hier ist es ruhig. Weil alle wissen: Die Zahlen sind, wie sie sind.“
Nur wenige im Gottesdienst in Rodenkirchen
Auf diese Zahlen verweist auch Karl Jasbinschek, Pfarrer von St. Willehad. Bis Ende des Vorjahres habe er regelmäßig Gottesdienst in Rodenkirchen gefeiert, jeden Mittwochnachmittag. Teilgenommen haben zum Schluss vielleicht vier oder sechs ältere Gläubige.
Mit ihnen fanden Gemeinde und Pfarrer jetzt eine neue Lösung: Gottesdienst im örtlichen Seniorenheim. Bei ersten Versuchen kamen drei Mal so viele Menschen. Für Pfarrer Jasbinschek eine sinnvolle Lösung.
Die Katholiken sind in Nordenham eine Minderheit
Kleine Zahlen. Die typisch sind für die Wesermarsch, die mit den niedrigsten Katholikenanteil im Bistum hat (acht Prozent). Katholiken, die nach Flucht und Vertreibung aus Schlesien dorthin kamen. Diese Generation ist nun verstorben oder sehr alt, Jüngere haben Rodenkirchen auf der Suche nach Arbeit verlassen. Das Leben von St. Willehad konzentriert sich in Nordenham, neun Kilometer entfernt.
In die dortige St. Willehad-Kirche kommen die Rodenkirchener Katholiken schon lange für ihren Sonntagsgottesdienst. Typisch für die Region: Ein Bulli des Bonifatiuswerks bringt Menschen zum Gottesdienst. Große Entfernungen sind typisch für die Gemeinde an der Wesermündung; zu anderen Gottesdienstorten fährt Pfarrer Jasbinschek auch zwölf oder 16 Kilometer.
Kirchenschließung kann Seelsorge helfen
Gerade diese besondere Lage in der Diaspora erfordere neues Denken, sagt Claudia Huter-Dosdal. „Ich finde: Statt mit aller Mühe Kirchengebäude zu erhalten und sich nur um den Bestand zu kümmern, sollten wir lieber Kraft in unsere Projekte der Seelsorge stecken.“ Huter-Dosdal denkt an Jugendarbeit, an Zusammenarbeit mit der katholischen Grundschule oder an die Urlauberseelsorge, die in der Wesermarsch eine besondere Bedeutung hat. Pfarrer Jasbinschek und Diakon Christoph Richter setzen sich dort in der Saison besonders ein, zusammen mit Freiwilligen-Teams. Die Pfarrgemeinde unterhält in Tossens sogar ein eigenes Gemeindezentrum für diese Aufgabe.
Die Trauer in Rodenkirchen ist verständlich
Alles richtig, findet Pfarrer Jasbinschek. Aber er fühlt auch mit den Menschen in Rodenkirchen. „Eine Kirche wie St. Josef zu profanieren, das ist traurig und fällt schwer. Weil viele Menschen ja ihre Lebens- und Glaubensgeschichte mit dieser Kirche verbinden.“
Gerade deshalb habe man diese Entscheidung so ausführlich beraten: im Pfarreirat, im Kirchenausschuss. „Und schließlich mit den Gottesdienstteilnehmern der ganzen Gemeinde in einer Pfarrversammlung.“ Damit sieht er einen langen Prozess gut abgeschlossen.
Was die Kirchengebäude angeht, steht St. Willehad noch vor einer weiteren Frage: Die Filialkirche Herz Jesu im Stadtteil Einswarden wird seit vier Jahren nicht mehr für Gottesdienste genutzt. Ob sie nun auch profaniert wird, steht noch nicht endgültig fest. Der Pfarreirat St. Willehad hat im Januar beschlossen, „in diesem Jahr“ zu entscheiden.