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Missionare von der Heiligen Familie leben mit Mauritzer Franziskanerinnen zusammen

Kloster-WG in Münster: Patres ziehen bei Franziskanerinnen ein

Einladend und hilfsbereit: Franziskanerinnen und die Missionare der Heiligen Familie treffen sich regelmäßig. | Video: Michael Bönte
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In das münstersche Kloster der Mauritzer Franziskanerinnen sind Patres und Missionare von der Heiligen Familie eingezogen. Ein Novum, das zunächst natürlich Vorbehalte auslöste. Die Trennwände im Speisesaal sind aber längst abgebaut.

Die Äpfel im Klostergarten der Mauritzer Franziskanerinnen in Münster hingen für die Schwestern lange zu hoch, um sie zu ernten. Das hat sich geändert. Seitdem Bruder Hubert von den Missionaren von der Heiligen Familie vor einigen Wochen mit seinen Mitbrüdern bei den Ordensfrauen eingezogen ist, kommt der lange Apfelpflücker wieder zu Einsatz. Es gab bereits Apfelkompott und Apfelkuchen aus eigener Ernte. „Hubert spezial“ werden die Köstlichkeiten schon genannt.

Da ist bereits etwas gewachsen in dem Kloster nahe der münsterschen Innenstadt. Eine Gemeinschaft mit besonderem Profil. Denn der Einzug der 13 Ordensmänner am 15. Juni war ein Novum, das durchaus eine Vorlaufzeit brauchte.

Natürlich gab es auch Vorbehalte. „Wir haben darüber gesprochen, ob wir die Türen jetzt häufiger abschließen müssen“, sagt Schwester Dietmara Ahlmann. Sie fügt lächelnd hinzu: „Und geraucht werden sollte auf keinem Fall im Kloster.“

Zwei Jahre Vorlaufzeit

Gemeinsame Treffen gibt es jetzt regelmäßig.
Gemeinsame Treffen gibt es jetzt regelmäßig. | Foto: Michael Bönte

Gedanken wie diese schwanden allmählich. Denn die Ordensleitungen hatten sich auf zwei Jahre Vorlaufzeit geeinigt. So lange sollte nicht nur organisatorisch geplant werden. Auch das Kennenlernen der beiden Ordensgemeinschaften stand im Mittelpunkt.

„Die Patres und Brüder kamen zweimal mit dem Bus, um sich ihr neues Zuhause anzuschauen“, sagt Schwester Diethilde Bövingloh, die Oberin der deutschen Provinz. Und auch sie fügt zwinkernd hinzu: „Wie Männer halt so sind, kamen sie mit dem Zollstock, um alles auszumessen.“

Viel wichtiger als die Zimmermaße waren aber die persönlichen Begegnungen. In den Gesprächen konnten Fragen geklärt und Sorgen abgebaut werden. Die Ausstrahlung der jeweils anderen Gemeinschaft beeindruckte. „Ich fand es schön zu erleben, wie sie als Erstes ihre alten und kranken Mitbrüder auf die Pflegestation nebenan gebracht haben“, sagt Schwester Manuela Musholt. „Sie haben damit gezeigt, wie wichtig ihnen diese Zuwendung ist.“ Mittlerweile sind es elf Patres, die im Haus Maria Trost aufgenommen wurden.

Brüderlich empfangen

Alltägliche Begegnungen.
Alltägliche Begegnungen als Bereicherung: Schwester Diethilde Bövingloh (links) und Pater Michael Baumbach (rechts) treffen zwei Schwestern am Haupteingang des Klosters. | Foto: Michael Bönte

„Wir wurden brüderlich empfangen, waren keine Fremden, die kamen“, sagte Pater Wilhelm von Rüden. „Es ist schnell ein geschwisterliches Miteinander entstanden.“

Das half, den Abschiedsschmerz vom Kloster im siegerländischen Betzdorf zu überwinden. Denn bei aller Notwendigkeit, das dortige Haus aus organisatorischen und finanziellen Gründen zu verlassen – der Auszug tat den Ordensmännern natürlich weh.

Angebot aus Münster

„Wir mussten uns kleiner setzen“, erklärt Pater Michael Baumbach, der Provinzökonom. Die Idee, bestehende Strukturen gerade in der Altenpflege zu nutzen und trotzdem klösterliches Leben zu erhalten, entstand.

Das Angebot aus Münster hatte diesen Charme. Nur wenige Wochen nach ihrem Einzug hört er nichts mehr von Heimweh. „Wenn ich einen Mitbruder auf dem Fahrrad in der Stadt sehe, weiß ich, dass wir in Münster angekommen sind.“

Bereicherung durch die andere Ordenskultur

Die Trennwände, die die jeweiligen Speisebereiche anfänglich trennten, sind längst weggeräumt. Mittlerweile gibt es regelmäßig gemeinsame Treffen in größerer Runde. Aus der sachlichen Entscheidung, die bestehende Infrastruktur in Münster einer anderen Ordensgemeinschaft zugänglich zu machen, ist längst eine innerliche Bereicherung geworden.

Ein Mehrwert, kein Gleichmachen, betont Schwester Diethilde Bövingloh. „Wir wollen beide unsere eigene Ordenskultur behalten – laden die anderen aber ein, sie mitzuerleben.“

Begegnungen im Alltag

Dies Erleben geschieht vor allem bei den vielen kleinen Begegnungen im Alltag. An der Pforte, beim gemeinsamen Spaziergang oder eben beim Apfelpflücken im Klostergarten.

„Wir haben uns durch den Einzug neue Lebensgeschichten in unseren Alltag geholt“, sagt Pater Michael Baumbach. „Das tut den Mitbrüdern gut, von denen viele sich nach 50 Jahren gemeinsamen Lebens nicht mehr viel zu erzählen hatten.“ Schwester Diethilde nickt dazu. Den Ordensfrauen geht es da scheinbar nicht anders.

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