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Mauritzer Franziskanerinnen schließen weiter Niederlassungen

Der Pflegeorden pflegt nicht mehr - und orientiert sich neu

  • In Lohne haben die Mauritzer Franziskanerinnen ihre Niederlassung wegen Nachwuchsmangels aufgelöst.
  • Der traditionelle Krankenpflegeorden arbeitet inzwischen nirgends mehr in der Pflege.
  • Die Provinzoberin Schwester Diethilde Bövingloh erklärt, wo sie trotzdem Neues wachsen sieht.
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Schwester Maria Magdalena aus Kiel gestaltet Gottesdienste. Die Mauritzer Franziskanerin hält sogar Andachten mit Politikern. Im Landtag von Schleswig-Holstein, zu Beginn der Sitzungswochen.

Das wäre so ungewöhnlich nicht, wenn ihre Gemeinschaft, die Mauritzer Franziskanerinnen, nicht für etwas ganz anderes angetreten wären: für Krankenpflege.

Viele Klöster aufgelöst

Aber damit ist es vorbei, Franziskanerinnen in der klassischen Krankenpflege gibt es nicht mehr. Die Niederlassungen in Krankenhäusern werden aufgelöst, zuletzt noch in Sendenhorst.

Und jetzt auch im St.-Franziskus-Hospital in Lohne. Es war die älteste Niederlassung im Oldenburger Land. Die letzte Mauritzer Franziskanerin, Schwester Ludwigia, hat das Krankenhaus verlassen. Sie hat als Krankenschwester, Medizinisch-Technische-Assistentin und Krankenseelsorgerin gearbeitet. Nun zieht sie in ein Seniorenheim.

Viele leben in Seniorenheimen

Provinzoberin Sr. Diethilde Bövingloh
Sieht Neues wachsen: Sr. Diethilde Bövingloh, Provinzoberin der Mauritzer Franziskanerinnen. | Foto: Franz Josef Scheeben

Schwestern verlassen ein Krankenhaus – ein Grund bei den Mauritzer Franziskanerinnen ist klar: Nachwuchsmangel. Schwester Diethilde Bövingloh, Oberin der deutschen Provinz, rechnet vor: „Von unseren 350 Schwestern leben zwei Drittel in Senioreneinrichtungen.“

Schwestern verlassen ein Krankenhaus – für die Mauritzer Franziskanerinnen ist das aber nicht nur ein äußeres Zeichen für ein Problem, das viele Ordensgemeinschaften haben. Es trifft sie an einem zentralen Punkt. Denn die Mauritzer Franziskanerinnen sind vor 177 Jahren in Telgte als Pflegeorden gegründet worden.

Die Ersten in der Pflege

Die Geschichte der Schwestern in Lohne war typisch: 1856 kamen die ersten Franziskanerinnen in die Stadt, zur ambulanten Krankenpflege. Örtliche Unternehmer hatten darum gebeten, als eine Typhus-Epidemie dort wütete. Drei Jahre später übernahmen sie die Pflege im neu errichteten Krankenhaus.

Ähnlich wurden viele Niederlassungen gegründet. Und immer war klar: Wer Mauritzer Franziskanerin wurde, der wurde auch Krankenschwester. „Das war praktisch unser zentraler Ordensauftrag“, sagt Schwester Diethilde.

Wandel im Beruf

Die Krankenpflege hat sich gewandelt, hin zu einem hoch professionellen und bezahlten Beruf. Eine Entwicklung, die sich schrittweise auch bei den Pflegeorden auswirkte. Der Nachwuchs ging zurück.

Keine Krankenschwestern mehr im Pflegeorden? Eine Krise für die Franziskanerinnen, die inzwischen auch in Amerika und Asien arbeiten? Schwester Diethilde mag nicht von Krise sprechen. „Wir sind eher traurig. Traurig, weil wir nicht mehr das tun können, was wir wollen und wofür wir angetreten sind.“

Neuen Auftrag formuliert

Verabschiedung
Die letzte Franziskanerin verlässt das Krankernhaus in Lohne: Schwester Ludwigia (zweite von rechts) bei ihrer Verabschiedung. | Foto: Franziskushospital Lohne

Die Schwestern seien bei der Trauer aber nicht stehengeblieben, betont Schwester Diethilde. Ein Generalkapitel habe im Jahr 2000 über die Lage des Ordens beraten und einen neuen zentralen Ordensauftrag formuliert: statt Krankenpflege „heilender Dienst“.

Ein Begriff, der sich auf die Wurzeln des Ordens besinne, aber viel weiter gefasst sei. „Es war gut, sich damals bei unserer Gründung zu öffnen für alle Menschen, die in Not sind. Aber es gibt sehr viel mehr Not in der Welt als nur am Krankenbett“, betont Schwester Diethilde. Heute seien Schwestern in der Aids-Hilfe tätig, in der Hilfe für Wohnungslose, in der Hilfe für Abhängige. Oder eben in der geistlichen Begleitung wie Schwester Maria Magdalena und ihre vier Mitschwestern in Kiel.

Moderne Form der Hilfe

„Das ist jetzt unsere moderne Form von Hilfe“, fasst Schwester Diethilde zusammen. „Moderne Formen ziehen auch junge Menschen an.“

Sie denkt dabei an die fünf Franziskanerinnen im „Haus Damiano“ in Kiel, einem Gästekloster, das als „geistliches Zentrum für suchende Menschen“ arbeite. Inzwischen ein gefragter Ort mit besonderen Gottesdiensten und Gesprächsangeboten, der Menschen aus  der Stadt anzieht. Im Sommer hat sich ein eigener Freundeskreis gegründet, Schirmherr ist Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU).

Kommt Nachwuchs?

Die Arbeit der Mauritzer Franziskanerinnen in Kiel hat eine für die Schwestern ungeahnte Wirkung entfacht. Schwester Diethilde: „Dort interessieren sich mehrere junge Frauen ernsthaft für unseren Orden und möchten eintreten.“

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