Christof Haverkamp über den Auftakt des Synodalen Wegs in Frankfurt

Kommentar zur ersten Synodalversammlung: Experiment geglückt

Die Ewartungen waren hoch vor der ersten Vollversammlung der Delegierten zum Synodalen Weg in Frankfurt. War das Treffen von 230 Bischöfen und Laien ein Erfolg? Ein Kommentar von Chefredakteur Christof Haverkamp.

Die ersten Experimente in der Zukunftswerkstatt sind geglückt: So lässt sich die erste Versammlung des Synodalen Wegs umschreiben. Ungewohnt offen haben die Teilnehmer miteinander gesprochen, und es zeigt sich: Der Wunsch nach Veränderung ist groß. Mag sein, dass Debatten unter deutschen Katholiken protestantischer verlaufen als anderswo. Ist das so schlecht? Protestantisch ist doch kein Schimpfwort. Und die Mitwirkung von Laien ein Vorzug, auf den die katholische Kirche stolz sein kann.

Zugleich belegen die Diskussionen, dass Christen an ihrer Kirche interessiert sind. Ihnen ist nicht egal, wie es weitergeht, wohl wissend, dass sie gesellschaftlich noch mehr in die Minderheit geraten.

„Sex und Kirche“ = Sünde und Angst

In Frankfurt wurde auch die Sexuallehre angesprochen. Das ist nötig. Wohl kaum sonst liegen Theorie und Praxis so weit auseinander. Viele ältere Christen verbinden mit „Sex und Kirche“ Angst, Sünde, rigide Vorschriften, wie viele Mails und Briefe an „Kirche+Leben“ belegen, die wir in Auszügen in der Print-Ausgabe veröffentlichen.

Gerade deshalb ist es gut, dass der Synodale Weg über „Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ spricht und sich dem „Leben in gelingenden Beziehungen“ widmet. Es reicht nicht, auf den Katechismus hinzuweisen, es besteht Reformbedarf. Nur dann besteht die Chance, dass die katholische Kirche mit ihrer Lehrmeinung wieder ernst genommen wird.

Wie eine rote Ampel auf freier Strecke

Das hat im Frühjahr 2019 auch Dogmatikprofessorin Julia Knop betont, vor den deutschen Bischöfen in Lingen. Die Theologin forderte im Zusammenhang mit den Stichworten Macht, Zölibat und Sexualität eine kirchliche Selbstkorrektur und bezog sich auch auf die bisherige Dämonisierung von Sexualität und die Tabuisierung von Homosexualität.

Wer nun meint, mit Reformen werde einer Alles-ist-erlaubt-Haltung das Wort gesprochen, irrt. Das will niemand ernsthaft. Es geht um etwas anderes: um verantwortungsvoll gepflegte Beziehungen, um Möglichkeiten, Partnerschaften krisenfest zu machen, um Treue. Diese Werte schätzen auch junge Menschen, sie lassen sich durchaus vermitteln. Jedenfalls besser als unverstandene Verbote oder Vorschriften, die anmuten wie eine rote Ampel auf freier Strecke.