Johannes Loy zu Journalismus zwischen Klick und Trend

Medien im Katastrophen-Modus - warum eine neue Perspektive nötig ist

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Nur schlechte Nachrichten lassen sich gut verkaufen – diese Journalistenweisheit wird bei der Jagd um Klicks immer wieder auf die Spitze getrieben. Doch immer mehr Mediennutzer suchen nach einer anderen Perspektive, die Hoffnung gibt, sagt WN-Journalist Johannes Loy in seinem Gast-Kommentar.

Die Dauerberichterstattung über das implodierte U-Boot und seine ebenso kleine wie reiche Besatzung im Atlantik brachte kürzlich Journalisten und Publizisten ins Grübeln. Denn fast zeitgleich ertranken vor der griechischen Küste mehrere Hundert Flüchtlinge. Die Empörung darüber, dass ihnen kaum oder nur halbherzig geholfen wurde, hielt sich gegenüber dem täglich neu aufgefächerten Drama in Titanic-Tiefen auffällig in Grenzen.

Immerhin drangen in den Folgetagen, so auch in der Süddeutschen Zeitung, kritische Kommentare an die Oberfläche jenes trüben und permanent rauschenden Stroms der Nachrichten. Tenor: Nie sei das Medienangebot derart schmal und spießig geworden. Auf der Suche nach Quote springe jeder auf den fahrenden Zug auf, der dem Trend und dem „Mainstream“ huldige sowie „Traffic“ garantiere.

Das Nachdenken über Professionalität

Der Autor
Johannes Loy, geboren 1963 in Münster, studierte Geschichte, Katholische Theologie und Erziehungswissenschaften in Münster. Seit 1995 leitet er das Feuilleton-Ressort der Westfälischen Nachrichten/Zeitungsgruppe Münsterland.

Früher wäre man für solche „Medienschelte“ als Nestbeschmutzer beschimpft worden. Immerhin: Das Nachdenken über Profil und Professionalität journalistischer Berichterstattung in Zeiten lupenreinen Quotendenkens hat eingesetzt.

Die alte Journalistenweisheit, dass sich nur die schlechten Nachrichten gut verkaufen lassen, wird in Zeiten des „Echtzeit-Journalismus“ auf die Spitze getrieben. Blaulichtmeldungen, Bombenfunde, Krieg und Katastrophen überspülen uns. Wenn nichts mehr geht, dann gibt es als Sahnehäubchen noch royale Schmutzwäsche aus Großbritannien dazu. Im Grunde müssten wir alle mit einer Kamera auf dem Kopf herumstreunen, um den Bildersalat live um den Globus zu schicken. Immerhin haben wir ja schon das Smartphone für diesen Zweck.

Neue Perspektive: Mehr Glut, weniger Asche

„Erregungsbewirtschaftung“ nannte mal ein kluger Kopf die Berieselung in Netz und Nachrichten. Wer gelikt und geklickt wird, hat die Nase vorn. Negatives gilt generell als „geil“, und leider hat sich auch im Kirchenraum ein grauer Ton des Nörgelns, Abbruchs und Untergangs breitgemacht. Wann weicht Woelki? Wann trudeln neue horrende Kirchenaustrittszahlen ein? Wo bröseln die pastoralen Strukturen? Wann säbeln graue Eminenzen im Vatikan deutschen Synodalen wieder mal die Beine weg? 

Leser und Mediennutzer wünschen sich eine andere Perspektive. Mehr optimistisches „Schon“ und weniger pessimistisches „Noch“. Mehr Glut und weniger Asche.

Ein Satz von Johannes Paul II. ist bei mir seit über 40 Jahren im Gedächtnis geblieben. Er richtete sich 1980 bei seinem Besuch in München auch an Journalisten und sagte: „Der Maßstab journalistischen Tuns soll nicht der Effekt sein, sondern die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Damit dienen Sie der Sache Ihres Berufes, damit dienen und helfen Sie dem Menschen.“

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.