Kurswechsel in Deutschland angemahnt

Misereor für ehrgeizige Klimapolitik: „Nicht mit der Natur verhandeln“

Nach der Wahl von Ursula von der Leyen zur Präsidentin der EU-Kommission hofft die katholische Kirche in Deutschland auf Fortschritte in der Klimapolitik. Von der Leyen habe Ziele formuliert, die teils ehrgeiziger seien als das, was auf Bundesebene besprochen sei, sagte der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel. Er sei gespannt, was die CDU-Politikerin im neuen Amt umsetzen könne, so der Chef des weltgrößten kirchlichen Entwicklungshilfswerks.

Der Vorsitzende der von Misereor getragenen Katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe, Prälat Karl Jüsten, mahnte zum Kurswechsel auch in Deutschland: „Wir können unseren Beitrag nicht allein dadurch definieren, wie viele Sonnenkollektoren oder Windkrafträder in Betrieb sind, wenn wir gleichzeitig mehr Straßenkilometer bauen und den Ausstoß an CO2 nicht effektiv begrenzen.“ Zudem brauchten auch alternative Energieträger Ressourcen, die teilweise – wie etwa Lithium aus Bolivien – aus Entwicklungsländern kämen.

Lob für „Fridays for Future“

Misereor-Chef Spiegel würdigte die Schülerproteste „Fridays for Future“. Durch sie würden die aus dem Klimawandel resultierenden Probleme und Herausforderungen hör- und sichtbar. Viel Zeit zum Umsteuern bleibe nicht: „Wir können mit der Natur, mit dem Klima, nicht über ein paar Prozente mehr oder weniger, ein Jahr früher oder später verhandeln. Es geht um Prozesse, die wir nicht umkehren können, aber wir können sie aufhalten; sonst wird Zukunft für alle unmöglich.“

Spiegel und Jüsten äußerten sich bei der Bilanzpressekonferenz von Misereor. 2018 nahm das in Aachen ansässige Werk für Entwicklungszusammenarbeit 232,2 Millionen Euro ein, rund 17,6 Millionen Euro mehr als 2017. Gefördert wurden Projekte in rund 90 Ländern Afrikas und des Nahen Ostens, Asiens und Ozeaniens sowie Lateinamerikas und der Karibik.