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Erst jetzt wurde die Pfarrgemeinde informiert – Entsetzen ist groß

Missbrauch: Früherer Pfarrer in Hamm in mehreren Fällen beschuldigt

  • Heinz Booms, der 2004 verstorbene Pfarrer von St. Theresia in Hamm-Heesen, wird in mehreren Fällen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.
  • Nach einer ersten Meldung 2019 beim Bistum Münster wurde die Pfarrgemeinde erst jetzt informiert.
  • Nach dem Bekanntwerden der Geschehnisse haben sich weitere Opfer gemeldet.
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Der frühere Pfarrer von St. Theresia in Hamm-Heessen, Heinz Booms, wird verdächtigt, in den 1960er und 1970er Jahren mehrfach Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Der 2004 im Alter von 74 Jahren verstorbene Booms war lange Zeit Dechant im Hammer Norden. Ein Übergriff war bereits 2019 im Bistum Münster bekannt geworden. Der Name des mutmaßlichen Täters wurde aber nicht bekannt gegeben, da das Verfahren zur Anerkennung des Leids der Betroffenen noch nicht abgeschlossen war. Das berichtete der Westfälische Anzeiger (WA) in Hamm.

Eine Meldung an den heutigen Pfarrer der Pfarrgemeinde Papst Johannes in Hamm, Christoph Gerdemann, erging allerdings nicht. Auch nicht, als dem Opfer bis 2022 insgesamt 15.000 Euro Anerkennungs-Leistungen gezahlt wurden. Obwohl eine solche Meldung vorgesehen ist, sei das „in diesem Fall nicht passiert“, wird Stephan Baumers von der Stabstelle Intervention und Prävention im Bistum Münster in einem aktuellen Bericht des WA zitiert. „Man sei im Generalvikariat offenbar davon ausgegangen, das das schon 2019 in die Wege geleitet worden war“, heißt es dort weiter.

Verstörende Berichte

Erst im Zuge des aktuellen Zeitungsberichts wurde Gerdemann am 8. November von der Stabstelle über den Fall informiert, der ihn „verstört und geschockt“ habe, bericht er im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“. „Eine solche Nachricht stellt alles auf den Kopf – ich musste mich erst einmal sortieren.“ Ein anschließendes Gespräch mit einer Frau, die als junges Mädchen von Booms missbraucht wurde, habe ihm schwer zugesetzt.

Auch die im Zeitungsartikel geschilderte Erlebnisse einer heute 71-Jährigen waren Gerdemann zuvor nicht bekannt gewesen.  Die Frau berichtete von einer von Boom so genannten „Nachbeichte“, zu der sie der damals 30-Jährige einbestellt habe. Der Geistliche wollte demnach die romantischen Begegnungen des Mädchens weiter prüfen, von denen sie ihm im Beichtgespräch berichtet hatte. Dabei sei es im Pfarrbüro zu gynäkologischen Untersuchungen gekommen, die sich in der Folgezeit wiederholten und bis zu schweren sexuellen Übergriffen führten, berichtet Gerdemann. Erst als sie nach etwa einem Jahr eine Freundin eingeweiht habe, konnten sie den Taten gemeinsam ein Ende bereiten. Die Frau leide bis heute an den Folgen dieser Zeit.

Weitere Opfer melden sich

Nachdem Pfarrer Gerdemann in Absprache mit dem Kirchenvorstand die Entwicklung in den vergangenen Tagen weiter öffentlich gemacht hatte, meldeten sich weitere Betroffene bei ihm. Sowohl am Telefon als auch auf einer öffentlichen Veranstaltung im Pfarrheim, zu auch ein Vertreter der Interventionsstelle des Bistums gekommen war, erfuhr er „von nicht wenigen weiteren Fällen“. „Sie berichten mir glaubhaft von ähnlichen Erlebnissen, von Grenzüberschreitungen Booms bis hin zu schweren Missbrauchstaten.“

Die Stimmung in der Pfarrgemeinde beschreibt Gerdemann als „geschockt“. Denn Booms habe bislang ein hohes Ansehen in Hamm gehabt. Er war jahrzehntelang Dechant und hatte die Hospizbewegung der Stadt aufgebaut. Auch eine Straße wurde nach ihm benannt.

Gerdemann: Betroffene sollen angstfrei sprechen

Gerdemann ist es wichtig, dass die Betroffenen nun einen Raum bekommen, in dem sie von ihren Erlebnissen berichten können, ohne dass diese in Frage gestellt werden. „Ihren Berichten wurden viel zu lange kein Glauben geschenkt.“ Dass sie jetzt angstfrei darüber sprechen könnten, sei wichtig.

„Ich war beeindruckt, wie einige im Pfarrheim ans Mikrofon gingen und offen erzählten.“ Gerdemann hat deshalb zusätzliche Zeiten eingerichtet, zu denen er im Pfarrheim persönlich ansprechbar ist. Er lädt dazu sowohl die direkten Opfer Booms ein als auch „Betroffene, die von den Geschehnissen zutiefst enttäuscht sind“.

 

 

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