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Pfarrer Günter Hoebertz weiß, welche Angebote ankommen

Mit Currywurst und ohne Schnickschnack - so kann Männerseelsorge sein

  • Die Männerseelsorge im Bistum Münster ist neu aufgestellt worden.
  • Für den linken Niederrhein ist Günter Hoebertz zuständig.
  • Männerseelsorge muss kernig sein, sagt der Pfarrer.
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Die Männerseelsorge im Bistum Münster hat sich neu aufgestellt. Seit November 2021 ist Pfarrer Günter Hoebertz offiziell mit der Seelsorge für Männer am linken Niederrhein beauftragt. Er gehört damit zu einem Team von Ansprechpartnern, das über das Bistumsgebiet verteilt ist. Entwickelt hat das Konzept der frühere Bistumsreferent für Männerseelsorge, Ludger Bergel. „Leuchtturmorientierte Seelsorge“ hat Bergel das Konzept genannt. Weitere Leuchttürme gibt es im Kloster Gerleve, im Stanislauskolleg in Emmerich/Hochelten, im Bildungszentrum Wasserburg Rindern und im Haus Haard in Oer-Erkenschwick. Im niedersächsischen Teil des Bistums ist der Leuchtturm in der Akademie Stapelfeld.

Die Planung und Durchführung der Stern-Wallfahrt der Männer in Sonsbeck, die Ausbildung von Männergruppenleitern und männerspezifische Angebote für das christliche Leben mitten im Alltag, so hat Karl Render, der Personalchef des Bistums, die Aufgaben für den Sonsbecker Pfarrer Hoebertz formuliert. Die meisten Aufgaben sind für ihn nicht neu.

Mit Männern in Spanien unterwegs

Zum Beispiel: männerspezifische Angebote entwickeln. Er plant Anfang März eine Fahrt nach Andalusien. Im Süden Spaniens besucht er mit einer Männergruppe die Gemeinschaft „Pueblo De Dios“ (Gottes Volk) auf einer Farm bei Niebla. 2.400 Kilometer von Sonsbeck entfernt. Diesen Ort hat er bereits 2011 bei dem Besuch des Weltjugendtages in Madrid kennengelernt. Diese Gemeinschaft wurde ihm auf der Suche nach einer Pfarrei empfohlen. Er hat sich in den Ort und die Gemeinschaft sofort verguckt. Und ist auch mit Männern schon einmal dort gewesen.

„Man fährt in ein anderes Klima“, sagt er. „Nicht nur vom Wetter. Auch von der Spiritualität. Den Kopf einmal freizubekommen, die südliche und herzliche Art zu erleben, das macht die Tage aus.“ Die Menschen sprächen die Dinge, die sie beschäftigten, einfach aus. Auch Themen des Glaubens. Sie hielten es nicht zurück, wie oft bei uns. Hoebertz ist sich bewusst, dass eine Woche für Männer im weit entfernten Spanien mit unter kritisch gesehen wird. Doch der Weg sei schon Teil des Ziels. Man fahre in Bullis und sei zwei Tage gemeinsam unterwegs.

Exerzitien mitten im Nirgendwo

Für ihn trifft der Aufenthalt genau auf das Profil für Männerangebote zu. „Bewusst mitten im Nirgendwo eine Form von Exerzitien anzubieten, bei der man beim Wände kalken und Kakteen entfernen über seinen Glauben, sein Leben und seine Krisen Gespräche führt, ist das, was Männerseelsorge ausmacht“, erklärt er. Es brauche nicht viel. Keine Kerze oder gestaltete Mitte oder einen darum gruppierten Stuhlkreis, um mit Männern ins Gespräch zu kommen. Es dürfe nur nicht zu förmlich und zu fromm daherkommen, sagt er. Kernig eben.

„Ohne viel Schnickschnack, eine Currywurst, eine Flasche Bier, das reicht, um über Glauben, Kirche und das Leben zu sprechen“, sagt Hoebertz. Man müsse einen geschützten Raum anbieten und eine Möglichkeit schaffen, gemeinsam etwas anzupacken, die den Fähigkeiten der Gruppe entspreche. Und dann öffne sich auch das sogenannte starke Geschlecht eher weichen Themen wie Gefühle, Probleme im beruflichen oder privaten Leben und Schwierigkeiten in Glaubensfragen.

Weitere Stern-Wallfahrt in Planung

Andalusien ist das erste Projekt nach seiner offiziellen Beauftragung. Er werde jedes Jahr ein Angebot für Männer planen. Zum Beispiel werde es nach 2021 eine weitere Stern-Wallfahrt nach Xanten geben. Dabei schaut er genau darauf, wie der Bedarf bei der Zielgruppe ist. „Es geht ja nicht darum, Männer zu bespaßen“, meint er. Er wolle Angebote kreieren und Männer fit machen, selbst tätig zu werden.

Die Leuchtturmprojekte sind für ihn eine gute Chance, hinzuhören, was Männer wollen. Auf diese Weise könne Kirche wieder interessant werden für Männer. Denn sie sind zurzeit in der seelsorglichen Wirklichkeit der Kirche eher Mangelware, ist der Geistliche sich sicher. Nicht erst seit den Skandalen des Missbrauchs. Sie ständen zwar oft am Altar und seien in leitender Funktion bei den Veranstaltungen, kämen aber selten, um Hilfe, Trost und Orientierung zu suchen. Er will seine Angebote ständig überprüfen. „Wenn sie nicht mehr gefragt sind, muss man loslassen.“

Weitere Informationen zu den Angeboten erteilt der Pfarrer unter der Nummer 02838/910 43 51 2 oder per Mail an: hoebertz(at)bistum-muenster.de.

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