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Ralf Meyer ein halbes Jahr im Dienst - während Corona-Zeiten

Neuer Burgkaplan in Gemen begann allein mit dem Schlossgespenst

  • Ralf Meyer ist seit Mai neuer Leiter der katholischen Jugendbildungsstätte in Borken-Gemen
  • Die Corona-Pandemie macht die Jugendburg zum Teil menschenleer
  • Normaler Betrieb wohl erst 2021, wenn die Einrichtung 75-jähriges Bestehen feiert
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Ralf Meyer könnte auf ein halbes Jahr zurückschauen, in dem er tausenden jungen Menschen begegnet wäre – wenn das Corona-Virus keinen Strich durch die Rechnung der Jugendburg gemacht hätte. Der neue Burgkaplan begann seinen Dienst im Mai, mitten im ersten Lockdown. Statt 4.500 Übernachtungen im Monat gab es damals keine. Jetzt, wo sich die Zahlen langsam wieder erholen wollten, werden die Corona-Maßnahmen wieder verschärft. Einigermaßen normal wird es wohl erst irgendwann im neuen Jahr wieder laufen.

„Das war schon etwas unheimlich“, erinnert sich Meyer an die Tage, als er seine Wohnung in den alten Gemäuern bezog. „Manchmal war ich hier allein mit Cordula, dem legendären Schlossgespenst.“ Zum Glück gab es noch die Wohngemeinschaft mit acht Freiwilligendienstlern, die nach und nach zurückkehrten. „Sonst hätte ich hier jeden Abend allein auf der Burg gehockt.“

Tagelang Schnitzel und Kroketten

Wie ein kleines „Kinder-Rutsch-Auto“ in einer riesigen Garage habe er sich manchmal gefühlt, sagt Meyer. Die katholische Jugendbildungsstätte in Borken-Gemen war oft menschenleer, nur wenige der etwa 49 Angestellten kamen noch zum Dienst, Kurzarbeit war angesagt. Die ersten Mitarbeiter aus der Hauswirtschaft kamen nach einigen Wochen für Reinigungs- und Aufräumarbeiten zurück. Meyer muss schmunzeln, als er sich an den damaligen Speisplan erinnert. „Wir haben tagelang Hähnchenschnitzel mit Kroketten gegessen, weil die Gefrieranlage abgetaut wurde.“

Meyer kann dem schleppenden Start in seine neue Aufgabe aber auch Positives abgewinnen. „Ich habe viel Zeit gehabt, alle Kollegen kennenzulernen.“ Keine Hetze bei Terminen oder gemeinsamen Mahlzeiten. Auch in seinen zweiten Aufgabenbereich in der Pfarrgemeinde St. Remigius konnte er sich in dieser Zeit intensiv einarbeiten.

Spitzenzeiten mit 200 Gästen

So echte Jugendburgstimmung aber konnte für ihn noch nicht aufkommen. Dazu fehlte das quirlige Durcheinander einer Vollbelegung. Zwischendurch waren mal 200 Gäste im Haus. „Das waren Spitzenzeiten für dieses Jahr.“ Seine erfahrenen Arbeitskollegen haben ihm schon gesagt, dass das „noch gar nichts im Vergleich zu normalen Zeiten“ ist. Er freut sich aber über jeden einzelnen Gast, über jede Anfrage, jedes Klopfen an der Büro-Tür. „Dann habe ich immer das Gefühl, hier richtig anzukommen.“

Einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Jugendburg konnte er bislang kaum angehen: Die Gestaltung des geistlichen und spirituellen Lebens mit den jungen Gästen. Trotz Angebote, die er per Internet machte – das wird wahrscheinlich erst im kommenden Jahr wieder etwas. Ein Jahr, in dem für die Jugendburg die Feier des 75-jährigen Bestehens als Bildungsstätte ansteht. Und dann hoffentlich wieder mit viel Unruhe in den Zimmern und auf den Fluren.

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