Audienz als ein Höhepunkt der Woche

Papst Franziskus trifft 60.000 Messdiener bei Wallfahrt in Rom

Kaum jemand dürfte am Dienstagabend so aufgeregt sein gewesen sein wie Julian Hüttner. Der Ministrant aus dem Bistum Speyer hatte eine besondere Aufgabe beim Treffen von 60.000 Ministranten aus 19 Ländern mit dem Papst auf dem Petersplatz: Er war einer von fünf Jugendlichen, die dem Kirchenoberhaupt zum Beginn der Veranstaltung eine (vorher ausgewählte) Frage stellen durften.

Mit mehr als 50.000 Messdienerinnen und Messdienern stellt Deutschland in Rom die größte Gruppe bei dem fünftägigen Treffen, das am Freitag endet. 10.000 Messdiener sind aus weiteren Ländern angereist - die meisten aus Österreich (4.000) und Ungarn (1.250). Aus der Deutschschweiz sind rund 350 Ministranten dabei. Zudem ist erstmals eine Gruppe aus den USA gekommen, die einer dortigen vietnamesischen Gemeinde angehört.

Papst versteht Deutsch - und antwortet auf Italienisch

Die Internationalität der Teilnehmer repräsentieren auch die Fragesteller; sie kommen neben Deutschland aus Luxemburg, Portugal, Serbien und dem ostkaribischen Inselstaat Antigua und Barbuda. Sie alle dürfen zum Papst unter den weißen Baldachin. Hüttner bekommt auf seine auf Deutsch gestellte Frage, warum der Glaube für Franziskus so wichtig sei, eine kurze Antwort auf Deutsch: „Ich habe verstanden“ sagt der Papst. Er spricht und versteht Deutsch, nutzt seine Sprachkenntnisse jedoch so gut wie nie öffentlich.

So folgt die eigentliche Antwort auf Italienisch: Glaube sei für ihn wie die Luft zum Atmen und helfe, den Sinn des Lebens zu verstehen. Es folgt eine Übersetzung auf Englisch. Bei der 15-jährigen Hannah Hundt aus dem Dekanat Saulgau kommt die Botschaft des Papstes an - er sei „sehr authentisch und inspirierend“, findet sie.

Abend- und Friedensgebet

Überhaupt ist die Stimmung auf dem Platz gut. Die jungen Teilnehmer begrüßen und verabschieden das Kirchenoberhaupt mit rhythmischen „Papa Francesco“-Rufen und Applaus. Eine der jüngsten dürfte Isabel Weismann aus Tauberbischofsheim sein. Die Zehnjährige ministriert seit einem Jahr und ist mit ihren Eltern gekommen. Mit dem Papst auf dem Petersplatz zu sein findet sie aufregend, besonders freut sie sich auf den Schlusssegen für alle „Minis“.

Nach der Fragestunde beginnt zunächst das Abendgebet mit dem Papst - es wird besinnlich: Ein Saxofon säuselt über den Platz, eine Solistin des Wallfahrtschores „Peace Seekers“ singt Psalm 34 auf Deutsch. Ihre klare Stimme schwebt über den Platz: „Ich suchte den Herrn und er gab mir Antwort“.

Wie man zum Werkzeug des Friedens wird

Die Ministranten hier sind nicht nur auf der Suche nach dem Glauben, sondern haben sie sich auch der Suche nach dem Frieden verschrieben: Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Beim Abendgebet wird so auch ein franziskanisches Friedensgebet vorgetragen. Der Papst sagt passend dazu: „Wenn wir uns Gott anvertrauen, können auch wir Werkzeuge des Friedens werden“.

Zugleich betont er, der Weg zur Heiligkeit sei „nichts für Faule“. Wer aber in der Freundschaft Gottes verwurzelt sei, könne nicht anders, als „das Geschenk seiner Liebe mit den anderen zu teilen“. Dabei gehe es nicht darum, ob der andere „Freund oder Unbekannter, Landsmann oder Ausländer“ sei.

Probleme mit der Hitze

Beim Lied „Jesus Christ you're my life“ singt der 19-jährige Patrick Vetter aus Ludwigsburg kräftig mit. Er ist seit neun Jahren Ministrant und zum zweiten Mal in Rom dabei. Er hat seit 14.30 Uhr in der Hitze angestanden, die bisweilen zu Problemen führte.

Manche Pilgergruppen berichten von Teilnehmern mit Hitzschlag, die nicht kommen konnten. Hin und wieder werden auch am Abend Sanitäter gerufen, obwohl die Feuerwehr während der Wartezeit mit Wasserspritzern für Abkühlung gesorgt hat und auch Wasser ausgegeben wird.

Friedens-Auftrag des Papstes

Für Vetter ist das Abendgebet mit dem Papst der „krönende Abschluss“ seiner Ministrantenzeit: Bald wird er wegen des Studium weniger Zeit dafür haben. Den Dienst am Altar will er als „wichtigen Teil der Spiritualität“ nicht missen, sagt er. Dass der Papst den Einsatz zu schätzen weiß und sich Zeit für die Minis nimmt, findet er „cool“.

Dann kommt der Moment, auf den Isabel Weismann gewartet hat: Der Papst spricht seinen Segen. Und gibt den Minis mit auf den Weg: „Geht und verkündet den Frieden!“