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Neues Buch mit Burkhard Hose: „Frauen ins Amt! Männer der Kirche solidarisieren sich.“

Philippa Rath kämpft für die Frauenweihe - und sieht Fortschritte

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Schwester Philippa Rath (66), Benediktinerin und Delegierte des Reformdialogs Synodaler Weg, sieht einen Bewusstseinswandel in der katholischen Kirche. Immer mehr Männer solidarisierten sich mit den Forderungen von Frauen nach mehr Leitungsverantwortung und sprächen sich für eine Öffnung der Weiheämter für Frauen aus, sagt Rath im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur in Frankfurt. Nach ihrem Buch „Weil Gott es so will“ über Priesterinnen-Berufungen erscheint am 31. Januar ein zweites, zusammen mit dem Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose herausgegebenes Buch. Der Titel: „Frauen ins Amt! Männer der Kirche solidarisieren sich.“

Schwester Philippa, das Buch enthält Texte von 102 Männern unterschiedlicher Generationen und Positionen – darunter Laien, Theologen, Priester, Bischöfe und Ordensmänner. Was haben die Beiträge gemeinsam?

Gemeinsam ist diesen Erfahrungsberichten, dass sich ganz unterschiedliche Autoren einmütig mit der Forderung der Frauen nach mehr Teilhabe und Leitungsverantwortung in der Kirche solidarisieren. Ein großer Teil spricht sich für eine Öffnung der Weiheämter für Frauen aus und bringt offen zum Ausdruck, dass die Charismen und Begabungen berufener Frauen viel zu lang missachtet und nach dem Motto „Was nicht sein darf, ist auch nicht“ ignoriert wurden. Besonders bemerkenswert ist für mich, dass viele Autoren sowohl ihren ganz persönlichen Umkehrweg beschreiben, als auch ihre sie selbst bereichernden Erfahrungen mit Frauen schildern, von denen sie geistlich begleitet werden oder mit denen sie in der pastoralen Praxis zusammenarbeiten.

Kann der von Ihnen geforderte Wandel in der Kirche letztlich nur von den Kirchen-Männern kommen – und welche Rolle spielen dabei die Frauen?

Der Bewusstseinswandel ist zunächst einmal bereits in den Köpfen und Herzen der Frauen selbst passiert, die nicht länger bereit sind, ihre Diskriminierung in der Kirche widerstandslos hinzunehmen und dafür kämpfen, dass ihrer gleichen Würde auch die gleichen Rechte entspringen. Leider trifft aber derzeit noch die ausschließlich männliche Hierarchie unserer Kirche am Ende die Entscheidung darüber, ob den Frauen echte Gleichberechtigung zu Teil wird und ihre Berufung Anerkennung findet. Das ist der eigentliche Skandal, an dem so viele Menschen heute mit Recht Anstoß nehmen. Das bedeutet, dass der entscheidende Bewusstseinswandel tatsächlich in den Köpfen der verantwortlichen Männer passieren muss. Bei vielen ist das bereits geschehen, bei andern bahnt sich ein Umdenken an, bei wieder anderen sind noch „dicke Bretter zu bohren“.

Fällt die Kirche „aus der Zeit“, wenn sie die Stimme der Frauen nicht genug beachtet?

Unsere Kirche ist bereits weithin „aus der Zeit“ gefallen, was mein Mitbruder, der Benediktiner und Theologe Elmar Salmann, in unserem Buch eindrücklich beschreibt. Es gibt einfach zu viele Ungleichzeitigkeiten zwischen dem Bewusstsein und der Lebenswirklichkeit der Menschen heute und den Realitäten in der Kirche. Leider ist vielen Amtsträgern das noch zu wenig bewusst. Die Kluft ist inzwischen so groß, dass sie fast schon unüberwindbar erscheint. Was die Frauenfrage betrifft, so ist diese aus meiner Sicht neben dem Problem der Macht- und Gewaltenteilung tatsächlich die zentrale Frage für die Zukunftsfähigkeit der Kirche.

Schwester Philippa, Sie sind Delegierte beim Reformdialog Synodaler Weg, der am Donnerstag in die dritte Runde geht. Trauen sie der Vollversammlung wegweisende Schritte zu?

Ich halte an der Überzeugung und Hoffnung fest, dass der Reformwille der allermeisten Mitglieder der Synodalversammlung ungebrochen ist. Dies umso mehr, als uns die Entwicklungen rund um das Münchner Missbrauchsgutachten erneut drastisch vor Augen führen, wie überfällig schonungslose Aufklärung, Schuldeingeständnis und Reue sind und als Folge dessen ungeteilte Zuwendung zu den Opfern und konkrete Schritte zu einem grundlegenden Wandel.

Wo lauern Gefahren beim Synodalen Weg?

Wir müssen aufpassen, dass wir uns bei der Arbeit an den Texten nicht in Diskussionen um einzelne Passagen und Formulierungen verheddern und in Änderungsanträgen ersticken, dabei aber den Geist des Anfangs und das Ziel einer radikal erneuerten Kirche aus dem Blick verlieren. Sonst versündigen wir uns noch einmal an den Opfern sexualisierter Gewalt. Es ist drängend, dass wir jetzt und nicht übermorgen mutig handeln. Wenn wir das große Ziel fest im Auge behalten, dann werden wegweisende Schritte von diesem Synodalen Weg ausgehen.

Der Vatikan scheint in seiner Ablehnung des Frauenpriestertums unbeweglich zu sein und verweist auf die Unveränderbarkeit der kirchlichen Lehre.

Denkverbote und „Basta“-Entscheidungen waren noch nie überzeugend und zukunftsweisend. Deshalb wird ihre Unveränderlichkeit mit guten Gründen infrage gestellt. Wenn unsere Kirche nicht eine „ecclesia semper reformanda“ bleibt, was sie immer gewesen ist, dann wird sie in nicht allzu ferner Zeit in ihrem eigenen Relevanzverlust untergehen.

Das Buch „Frauen ins Amt! Männer der Kirche solidarisieren sich.“ vom Verlag Herder ist über unseren Partner Dialogversand zu beziehen. Telefonische Bestellungen sind unter der Nummer 0251/4839-210 möglich.

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