Münsters stille Oase im Einkaufstrubel

St. Servatii in Münster nach Renovierung wieder geöffnet

Nach viermonatiger Sanierung hat die St.-Servatii-Kirche in Münster heute mit einem schlichten Gottesdienst erneut geöffnet. Die Renovierung war wegen der vielen Kerzen notwendig geworden. „Haupttäter war aber die alte Heizung“ , sagte Rektor Reinhard Mönninghoff der Gemeinde beim Eröffnungsgottesdienst. Sie wurde bereits 2015 erneuert.

 Reinhard Mönninghoff, Rektor der St.-Servatii-Kirche in Münster.„Hier halten wir Raum und Zeit frei für Gott“: Reinhard Mönninghoff, Rektor der St.-Servatii-Kirche in Münster. | Foto: Michael Bönte

Für zahlreiche Besucher sei die verrußte dunkle Kirche jedoch auch eine Art Höhle gewesen, so Mönninghoff. „Wir feiern hier jeden Tag um 8 Uhr den Gottesdienst. Hier gibt es keine besonderen Messen, keine lauten Gebete.“ Die Servatii-Kirche sei für Münster genau deswegen so wichtig. „Hier halten wir Raum und Zeit frei für Gott.“ Tagsüber lade das Gotteshaus zur eucharistischen Anbetung, zum Innehalten und stillem Gebet ein. Die Anbetungskirche liegt wenige Fußminuten von Münsters Einkaufszone entfernt. Täglich wird um 17.30 Uhr die Vesper gefeiert.

Zurückhaltend schön

In den letzten Monaten sind die Sandsteinsäulen, der Altar, das Gewölbe und der Boden mit einem aufwändigen manuellen Verfahren vom Ruß befreit worden. Die Wände erhielten einen neuen Kalkanstrich. Formschöne Pendelleuchten wurden an der Decke installiert. Mit ihnen kann man nun unterschiedliche Lichtszenen steuern, erläuterte Melanie Schlüter vom Architekturbüro Ubbenhorst im Anschluss an den Gottesdienst. Zudem wurden die Lautsprecheranlage erneuert und die Kirchenbänke überarbeitet.

Der erste Kirchenbau geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Bis 1924 war die mittelalterliche Hallenkirchen im romanischen Stil und mit gotischem Hochchor selbstständige Pfarrkirche. 1944 wurde das Gotteshaus durch Bomben nahezu vollständig zerstört. 1952/53 wurde es wiederaufgebaut.

Galens Vermächtnis

Blick in die renovierte St.-Servatii-Kirche im Zentrum von Münster. Blick in die renovierte St.-Servatii-Kirche im Zentrum von Münster. | Foto: Michael Bönte

Die Umwidmung zur Anbetungskirche hatte 1933 der damalige Bischof von Münster, Clemens August Kardinal Graf von Galen, vorgenommen. Er habe eine besondere Verbindung zur der Kirche gehabt, sagt Mönninghoff. Nach seiner Weihe zum Bischof feierte von Galen hier seine erste Messe.

Galens Porträt und die Porträts zweier wie der Bischof selig gesprochener Ordensfrauen wurden kurz vor Eröffnung der Kirche in neuer Anordnung wieder aufgehängt. Neben dem Bild von Schwester Maria Droste zu Vischering (1863-1899) ist nun ein Glaskasten mit einer Reliquie der Ordensfrau angebracht. Sie kam im gegenüberliegenden Erbdrostenhof zur Welt und wurde in St. Servatii notgetauft. Das Porträt von Schwester Euthymia (1914-1955) hängt an einem neuen Platz. Sie sei oft von der nahen Raphaels-Klinik zum Gebet herübergekommen, sagte Mönninghoff.

Orgelreinigung in einem halben Jahr

Ein weiteres herausragendes Kunstwerke ist der Marienaltar aus Schlesien aus dem 16. Jahrhundert. Links vor dem Altarraum ist zudem die kleine Statue von Bischof Servatius zu sehen. „Sagen Sie möglichst vielen Menschen Bescheid, dass unsere Kirche jetzt wieder geöffnet ist“, bat Mönninghoff die Gottesdienstbesucher. In etwa einem halben Jahr muss allerdings noch die Orgel gereinigt werden. „Zuvor muss sich der Feinstaub setzen, der sich immer nach einer umfassenden Renovierung bildet“, erläuterte der Kirchenrektor.