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Scharfe Kritik am Papier der DBK-Arbeitsgruppe

Theologische Fakultäten: Reformvorschlag zur Priesterausbildung „naiv“

„Wissenschaftsstrategisch betrachtet sind diese Ideen von einer hochgradigen Naivität und politischen Unbedarftheit geprägt“, sagte die KThF-Vorsitzende und Tübinger Professorin Johanna Rahner.

Massive Kritik an Plänen zur Änderung der Priesterausbildung in Deutschland übt der Katholisch-Theologische Fakultätentag (KThF). „Wissenschaftsstrategisch betrachtet sind diese Ideen von einer hochgradigen Naivität und politischen Unbedarftheit geprägt“, sagte die KThF-Vorsitzende und Tübinger Professorin Johanna Rahner (57), in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Eine Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz hat vorgeschlagen, angesichts einer anhaltend geringen Zahl von Kandidaten für das Priesteramt die Ausbildung auf wenige Standorte zu konzentrieren.

Rahner: Ideal einer Priesterausbildung, wie im 16. Jahrhundert

Hinter diesen Plänen sieht Rahner „das Ideal einer Priesterausbildung, wie es Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem Konzil von Trient formuliert wurde“: Junge Männer würden kaserniert, um sie getrennt von den anderen Studierenden „vermeintlich geschützt, behütet und exklusiv als Priesterkaste auf ihren Einsatz vorzubereiten“. Dies sei mit Blick auf den Einsatz in einer pluralen Gesellschaft völlig unangemessen. Die Stichworte Klerikalismus und Missbrauch nötigten dazu, nicht erneut die Fehler der Vergangenheit zu begehen.

Die Diskussion kann aus Sicht von Rahner zudem die Rolle der Fakultäten insgesamt beschädigen und Debatten über Standortreduzierungen befeuern. Ohne Not würden Positionen geräumt, die von staatlicher Seite niemand anrühre, so die Fakultätentag-Vorsitzende. Die Theologin unterstrich, im Universitätsbetrieb seien die Fakultäten ein geschätzter Gesprächspartner: „Wir arbeiten vernetzt, interdisziplinär und international.“

Rahner wünscht sich gemeinsame Ausbildung aller Seelsorgeberufe

Im schlimmsten Fall könnten durch die Pläne Fakultäten erster und zweiter Klasse entstehen, was die Einrichtungen nicht wollten, so Rahner. Dabei spreche nichts gegen Spezialisierung und wissenschaftliche Schwerpunkte. Ein Beispiel sei, dass Studenten, die sich besonders für den interreligiösen Dialog interessierten, bewusst für Münster oder Tübingen entscheiden könnten. Nicht gewollt sei eine ideologische Differenzierung.

Angehende Priester und andere angehende Seelsorger sollten laut Rahner gemeinsam ausgebildet werden, „weil sie ja auch später gemeinsam arbeiten sollen“. Wörtlich sagte sie: „Wir beschäftigen uns mal wieder mit uns selbst, obwohl wir zu aktuellen Gesellschafts- und Zukunftsfragen genug zu sagen haben. Gerade in Zeiten der Pandemie. Diese Debatte entsteht komplett zur Unzeit.“

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