Reformvorschlag erntet viel Kritik

Bischöfe uneins über Zukunft der Priesterausbildung

Unter den deutschen Bischöfen herrscht offenbar großer Diskussionsbedarf zur künftigen Ausbildung von katholischen Priestern. Während mehrere Bischöfe am Donnerstag Einigkeit darüber bekundeten, die Qualität der Ausbildung zu sichern und ihr Profil zu schärfen, gehen die Meinungen über die daraus zu ziehenden Konsequenzen auseinander.

Eine Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz hatte vorgeschlagen, die Ausbildung auf wenige Standorte zu konzentrieren und in verschiedene Ausbildungsabschnitte aufzuteilen. Die Phase vor dem Studium soll demnach in Freiburg und Bamberg stattfinden, das Hochschulstudium in München, Münster und Mainz. Für die abschließende Ausbildung im Pastoralkurs schlägt die Gruppe eine Zusammenarbeit von Paderborn mit Erfurt und Rottenburg-Stuttgart sowie einen bayerischen Standort vor.

Fürst: Werde aktuellem Vorschlag nicht zustimmen

Der Augsburger Bischof Bertram Meier sagte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), angesichts der geringen Zahl der Kandidaten überraschten ihn weder die Analyse noch deren Schlussfolgerungen. Schnellschüsse mit abrupten Schließungen von Einrichtungen werde es aber nicht geben, betonte er.

Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, sagte der KNA, er werde „keiner Lösung zustimmen, die die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen in ihrer Existenz bedroht“. Die Diskussion in der Bischofskonferenz bewertete Fürst als „sehr ernst gemeinte Vorschläge der Arbeitsgruppe, die allerdings noch nicht die Qualität einer konkreten Planung haben“. In der Standortfrage gebe es „großen Gesprächsbedarf“.

Ipolt: Wir müssen auf größere Kooperation setzen

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt äußerte Verständnis für eine Zusammenlegung der Ausbildungsstätten. „Es geht bei dem Vorschlag, der dem Ständigen Rat der Bischofskonferenz nach inzwischen jahrelangen Überlegungen und Gesprächen vorgestellt wurde, vor allem um eine Qualitätssicherung der künftigen Priesterausbildung“, erklärte er. „Es sollten aus meiner Sicht wieder anziehende geistliche Lern- und Lebensgemeinschaften entstehen, die junge Männer verlocken, in ein Priesterseminar einzutreten.“

Es dürfe nicht verwundern, dass die Vorschläge, die für weitere Überlegungen die Grundlage bilden, auch Enttäuschungen hervorriefen. „Auch ich hätte mir gewünscht, dass Erfurt als Ausbildungsort in den neuen Bundesländern stärker ins Spiel gebracht wird“, so Ipolt, der von 2004 bis 2011 das Erfurter Priesterseminar als Regens leitete. „Dennoch gilt: Wir müssen um der künftigen Kandidaten willen jetzt auf größere Kooperation setzen.“

Bätzing: Reformen und Veränderungen gemeinsam angehen

Am Mittwochabend hatte sich der Magdeburger Bischof Gerhard Feige der Kritik seines Erfurter Amtsbruders Ulrich Neymeyr angeschlossen, der für Erfurt als Ausbildungsort warb. „Erfurt als ehemaliges Zentrum der Priesterausbildung für die gesamte DDR und als auch heute kompetente katholische Forschungs- und Ausbildungsstätte völlig zu übergehen, erscheint mir und anderen Katholiken im Osten Deutschlands 30 Jahre nach der Wiedervereinigung als kein ermutigendes und solidarisches Signal“, so Feige.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing nannte das Papier einen „Auftakt eines intensiven Austauschs in der Bischofskonferenz“. Im Vordergrund stünden „Qualitätskriterien“ für die Priesterausbildung. Reformen und Veränderungen sollten gemeinsam angegangen werden, betonte Bätzing, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist.