Ausstellung der Malteser in der Überwasserkirche wird am 13. Januar eröffnet

Turiner Grabtuch kommt als Nachbildung nach Münster

Eine originalgetreue Kopie des Turiner Grabtuchs ist ab dem 13. Januar für fünf Wochen in Münsters Überwasserkirche zu sehen. Unter dem Titel „Wer ist der Mann auf dem Tuch? – Eine Spurensuche“ widmet sich die Schau dem 4,36 Meter mal 1,10 Meter großen Leinentuch, das viele Gläubige als das Tuch verehren, in das der tote Jesus nach seiner Kreuzigung gelegt und in dem er beigesetzt wurde.

Auf dem Stoff ist der Doppel-Abdruck eines kräftig gebauten, 1,81 Meter großen Mannes mit Bart und langem Haar zu sehen. Erkennbar sind Blutflecken und Blutrinnsale an vielen Stellen des Körpers, womöglich von Geißelungen, eventuell durch Dornen auf dem Kopf. Die Handgelenke erscheinen wie durchbohrt.

Widersprüchliche Forschungsergebnisse

Ein Kernstück der Ausstellung ist ein Korpus, der aus einer 3D-Betrachtung der Spuren am originalen Turiner Grabtuch gefertigt wurde. Dieses wird als originalgetreue Nachbildung gezeigt. | Foto: Wolf Lux (Malteser)

Ob es sich wirklich um das Grabtuch Jesu handelt, ist von zahlreichen Forschern mit teils widersprechenden Ergebnissen untersucht worden. Die Ausstellung will sich nach Angaben der Malteser, die sie organisieren, nicht festlegen: „Der Titel sagt schon, dass wir uns auf eine Spurensuche begeben, nicht mehr und nicht weniger“, sagt Bettina von Trott zu Solz, Ordensdame der Malteser und Kuratorin der Ausstellung, im Interview mit „Kirche+Leben“. Gezeigt würden gleichermaßen Fakten und Vermutungen.

Zur Ausstellung gehören etwa Marterwerkzeuge wie Lanze, Nägel und Geißel aus römischer Zeit und die Nachbildung einer Dornenkrone, die wohl eher eine Dornenhaube gewesen sein soll. Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist die Skulptur eines menschlichen Körpers, die aus einer 3D-Betrachtung der Spuren am originalen Turiner Grabtuch gefertigt wurde.

200.000 Besucher sahen die Ausstellung

Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Wer ist der Mann auf dem Tuch? – Eine Spurensuche“ ist vom 14. Januar bis 20. Februar zu sehen in der Überwasserkirche unterhalb des Münsteraner Doms: montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr, sonntags 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. | mn

Gleichwohl solle jeder Eindruck von Voyeurismus vermieden werden, betont von Trott. „Sich auf die Realität eines langen Leidenswegs, einer brutalen Kreuzigung einzulassen, die das Grabtuch eins zu eins so zeigt, wie es die Bibel berichtet – das geht ans Herz.“ Das könne man nicht wegwischen, „das ist eine Realität“.

Die Wanderausstellung haben nach Angaben der Veranstalter bereits 200.000 Menschen an 25 Orten gesehen. In Münster wird sie Bischof Felix Genn am 13. Januar um 17 Uhr mit einer Pontifikalvesper in der Überwasserkirche unterhalb des Doms eröffnen. Bis zum 20. Februar kann sie dann besucht werden.

Mehr Hintergründe und das gesamte Interview mit der Ausstellungs-Kuratorin Bettina von Trott zu Solz in der aktuellen Ausgabe (Nr. 2 vom 13. Januar 2019). Sie ist zu bestellen sowohl als E-Paper als auch in gedruckter Einzel-Ausgabe.

Stichwort: Das Turiner Grabtuch
Das Turiner Grabtuch  ist eines der am meisten untersuchten archäologischen Objekte überhaupt und kreist um einen Mann, der dem Glauben mehr traute als dem, was das Auge sieht: das Turiner Grabtuch, das womöglich einen Abdruck des Leichnams von Jesus zeigt.
Das echte Grabtuch befindet sich seit 1578 im Turiner Dom. Öffentlich gezeigt wird es nur selten – offiziell zuletzt 2015 für zwei Monate anlässlich des 200. Geburtstags des Turiner Heiligen Johannes Bosco und noch einmal für einen Tag am 10. August 2018 vor 2500 Jugendlichen im Vorfeld der Weltbischofssynode über die Jugend in Rom.
Aufsehen erregt es spätestens seit 1898: Der Hobbyfotograf Secondo Pia erhält die Erlaubnis für Aufnehmen der „Sacra Sindone“, wie die Italiener das Grabtuch nennen. In der Dunkelkammer die Offenbarung: Beim Entwickeln der Negativplatten erscheint ein Gesicht – ganz so, wie auch Ikonen Christus darstellen.
Viele Untersuchungen bestätigen und widerlegen zugleich diverse Tuch-Theorien: Für die einen stammt es aus der Zeit Jesu, andere datieren es ins Mittelalter. Manche halten es für eine Fälschung, viele haben keinen Zweifel daran, den gekreuzigten Jesus von Nazareth zu sehen. Dass er im Turiner Dom von zahlreichen Gläubigen verehrt wird, gehört genauso zu den Fakten wie die distanzierte offizielle Haltung der Kirche, die es – anders als die Broschüre zur Ausstellung – nicht als Reliquie, sondern bezeichnenderweise als „Ikone“ versteht. | mn