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Themenwoche „Kirche am Strand“ (3) - auf dem Campingplatz in Tossens

Urlauberkirche Butjadingen - im Kirchenzelt ist die Krise weit weg

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Sie stehen auch für die Kirche: die Familien, die in diesem Jahr auf dem Campingplatz in Tossens in der Ferienregion Butjadingen ehrenamtlich das Familienprogramm der Urlauberseelsorge organisieren. Sie haben dabei durchweg dankbare Gäste im Kirchenzelt erlebt. Die Krise der Kirche scheint weit weg, aus dem Sinn ist sie aber nicht.

Die Kirchenkrise ist kein Thema hier, morgens um halb elf, dann schon eher das Wetter, wieder grauer Himmel draußen. Ein paar Kinder knüpfen bunte Freundschaftsbänder, andere basteln ein Windlicht fürs Vorzelt. Das Vormittagsprogramm läuft wie immer in „Willi’s Kirchenzelt“ auf dem Campingplatz in Tossens in der Urlaubsregion Butjadingen. Wo Kinder auch bei Nieselregen Spaß haben.

So wie Tim. „Er wollte unbedingt wieder hierher“, sagt Silke Hoffmann. Die Urlauberin aus Lünen ist mit ihrem Sohn aus der Ferienwohnung hinterm Deich gekommen. „Er fand das Angebot schon letztes Jahr sehr gut“, sagt sie. Jetzt bastelt er mit den anderen Kindern und lächelt zufrieden. Ob ihr bewusst sei, dass es ein Angebot der Kirche ist? Silke Hoffmann nickt. Und sie findet das auch gut.

Teamerfamilien in Wohnwagen untergebracht

„Eine schöne Zeit und eine gute Erfahrung mit Kirche“ – genau das wollen die Teamerfamilien bieten, die in den Ferienwochen in den Wohnwagen neben dem Kirchenzelt wohnen. Zum Beispiel Kerstin und Phillip Wolters aus Nordwalde. Während ihre beiden Töchter basteln, hält der Vater den anderthalbjährigen Vinzent auf dem Arm.

Wie die anderen Teamer trägt Phillip Wolters das T-Shirt mit dem Aufdruck „Willi’s – die Urlauberkirche in Butjadingen“. Dass er damit deutlich für ein Angebot der derzeit stark in die Kritik geratenen Kirche steht, ist für ihn kein Problem. „Ich trage zu Hause ja auch mal Pfadfinder-Kluft“, sagt der 36-jährige, der sich in seiner Freizeit im DPSG-Bezirk Steinfurt engagiert.

Urlaubern kommt es auf das Angebot an

Dabei weiß er um die Krise. „Viele reden ja drüber.“ Aber hier im Kirchenzelt seien Missbrauch oder Woelki kein Thema. „Alle sind froh, dass es das gibt.“ Das bestätigt auch Dieter Schnieders aus Emsdetten, der mit seiner Frau Susanne und den beiden Töchtern im zweiten der beiden Teamer-Wohnwagen untergebracht ist. Kritische Anfragen hat er bisher nicht gehört. „Denen, die zu uns kommen, kommt es eher auf das Angebot selbst an.“

Auch wenn sie sich schon ihre Gedanken über Kirche und Missbrauch macht – Susanne Schnieders hat nicht einen Moment lang überlegt, ob sie wieder mithelfen soll. „Weil hier Gemeinschaft gelebt wird und wir anderen eine schöne Zeit bereiten können.“

Gottesdienst sonntags im Kirchenzelt

Die Kinder kommen meistens allein zum Kirchenzelt, das fünfmal in der Woche von halb elf bis zwölf ein Programm anbietet. Basteln gehört fast immer dazu. „Glitzersteinchen kommen immer gut an. Heute gibt es Freundschaftsbänder und Knüpfblumen in Häkeltechnik“, erklärt Susanne Schnieders.

Dreimal in der Woche lädt das Kirchenzelt abends um 19 Uhr zur Gute-Nacht-Geschichte ein, sonntags um 17 Uhr zum Gottesdienst. Der Zeitpunkt passe ins Tagesprogramm der Camper, die oft spät frühstücken, nachmittags um 15 Uhr am Strand oder zum Einkaufen sind und um sieben Uhr den Grill anwerfen, erklärt Diakon Christoph Richter, der die Urlauberkirche für die Nordenhamer St.-Willehad-Pfarrei organisiert. Eigentlich auf zwei Plätzen, in Burhave und Tossens, in diesem Jahr mangels Teamer nur in Tossens.

Teamer wollen positives Bild der Kirche zeigen

Auch Kerstin Wolters hat nicht gezögert, als es um den diesjährigen Einsatz beim Kirchenzelt ging. „Was alles geschehen ist, ist unakzeptabel“, sagt sie. „Aber Kirche muss ja auch wieder ein positives Bild bekommen. Das können wir vielleicht hier zu retten versuchen. Ich finde die Werte ja trotzdem wichtig, die das Christentum vermittelt: das Miteinander, das Füreinander einstehen.“

Christoph Richter sieht das ähnlich. „Wir möchten, dass die Familien im Kirchenzelt hier eine gute Erfahrung mit Kirche machen.“ Dort sind Gespräche über die Lage der Kirche auch nach seiner Erfahrung selten. Die erlebe er dafür regelmäßig nach den Gemeinde-Gottesdiensten in Nordenham und in der „Oase“ in Tossens. In dem Mehrzweckbau mit Gottesdienstraum bietet die Urlauberseelsorge zusätzlich zum Kirchenzelt ein kulturelles Angebot eher für erwachsene Urlauber.

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