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Themenwoche zum Ende der Wallfahrtssaison (2) - Buddenbaum im östlichen Münsterland

Viele Kerzen, viele Fürbitten - die Wallfahrtskapelle in Buddenbaum

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Das Bistum Münster ist Pilgerbistum. Wie hat Corona die diesjährige Wallfahrtssaison geprägt, die allmählich zu Ende geht? Kirche-und-Leben.de hat bewusst in den kleinen Wallfahrtsorten nachgefragt und stellt die Ergebnisse in einer Themenwoche vor. Diesmal: Die kleine Wallfahrtskapelle in der ostmünsterländischen Bauerschaft Buddenbaum.

Irgendwie passte Buddenbaum in die Zeit der Pandemie. Abgelegen, weitab von einer Durchgangsstraße, duckt sich die kleine Wallfahrtskirche unter den alten Linden auf dem Kapellenplatz. Ein halbes Dutzend Häuser in der nahen Umgebung, eine Haltestelle für Schulbusse, ein paar Parkplätze – mehr gibt es hier nicht. Ein stiller, beschaulicher Ort im östlichen Münsterland. Das war er auch in Zeiten ohne Pandemie, Lockdown und Gottesdiensteinschränkungen immer schon so.

„Einzelne Wallfahrer kommen jeden Tag“, sagt Heiner Ruthmann. „Gerade die vielen Radfahrer in den Sommermonaten machen gern Station hier.“ Als Mitglied des Wallfahrtsvereins Buddenbaum weiß er, was die Menschen suchen, wenn sie auf den Bänken unter den Linden oder in der Backsteinkapelle vor der kleinen Pietá aus dem 15. Jahrhundert Platz nehmen. „Ruhe und Besinnung – fernab von Tourismus und Geschäftigkeit anderer Wallfahrtsorte.“

 

Zahl der Opferkerzen verdoppelt

 

Damit schien dieser Ort wie gemacht für eine Zeit, in der die Menschen wegen der Corona-Schutz-Verordnungen ohnehin allein oder in familiären Gruppen aufbrechen mussten. Die Gefahr größerer, verbotener Menschenansammlungen bestand in Buddenbaum nicht. Wenngleich die Zahl der einzelnen Besucher intensiv zugenommen hat. Genaue Werte dafür gibt es nicht. Aber ein Indiz: In der Pfarrgemeinde St. Bonifatius und St. Lambertus in Freckenhorst, zu der die Kapelle gehört, hat sich die Anzahl der benötigten Opferkerzen verdoppelt.

„Als wir davon erfuhren, haben wir uns gewundert“, sagt Pfarrer Manfred Krampe. Mittlerweile findet er die Entwicklung aber logisch. „Die Menschen waren in der Pandemie auf sich zurückgeworfen, Gottesdienstbesuche waren nur eingeschränkt möglich, es gab ganz wenige Freizeitziele.“ Die alte Holztür der Kapelle in Buddenbaum stand dagegen weiter von morgens bis abends offen – sieben Tage die Woche.

 

„Beschütze uns in dieser verrückten Zeit“

 

Krampe sieht einen weiteren Grund, warum es in den vergangenen Monaten mehr Menschen in den Wallfahrtsort gelockt haben könnte. „Sie hatten in dieser neuen, unbekannten Situation der Pandemie sicher auch zusätzliche Fragen und Sorgen.“ Die Einträge im Fürbitt-Buch belegen das. „Beschütze uns in dieser verrückten Zeit“, steht dort als Bitte an die Gottesmutter. Oder: „Wir können endlich wieder zu unseren Kindern fahren – pass‘ auf uns auf!“ Am häufigsten aber lässt sich dieser Eintrag finden: „Bitte lass uns gesund bleiben.“

Bei aller Beschaulichkeit – es gibt in Buddenbaum eine Woche im Jahr, da sieht es unter den Linden auf dem Kirchplatz und in der Kapelle ganz anders aus: Anfang Juli, sieben Tage lang, rund um das Fest Mariä Heimsuchung. „Die Wallfahrtswoche ist nach Weihnachten und Ostern das wichtigste Ereignis in der Bauerschaft“, sagt Heiner Ruthmann. „Es kommen Gruppen aus den Nachbarpfarreien und anderen Regionen, jeden Tag gibt es Wallfahrten und Gottesdienste, Musik und Gemeinschaft.“ In guten Jahren sind es insgesamt bis zu 1.000 Gäste, die in diesen Sommertagen Buddenbaum besuchen.

 

Die Geselligkeit hat stark gelitten

 

Dieses Großereignis war in den vergangenen zwei Jahren nur stark eingeschränkt möglich. Denn in der kleinen Kirche konnte zunächst kein Gottesdienst stattfinden, später nur mit einer Teilnehmerzahl von 18. Also verlagerten die Organisatoren das Geschehen noch mehr nach draußen. „Die Stühle standen mit großem Abstand bis auf die angrenzende Wiese.“ Was dagegen fast ganz ausfiel, war der gesellige Teil am Getränkewagen oder in der benachbarten, umgebauten Scheune – dem Pilgerzentrum.

Das war nicht nur für die Wallfahrer ein großer Verlust, sondern auch für die vielen Helfer, die die Wallfahrtswoche gemeinsam gestalten. „Etwa 40 Familien aus der Umgebung helfen eigentlich mit.“ Kränze binden, schmücken, Kuchen backen, bewirten … – all  das fiel zum größten Teil weg. „Ich habe von vielen gehört, wie sehr ihnen das gefehlt hat.“ Umso größer ist die Vorfreude auf die kommende Saison, in der Buddenbaum zumindest in der Festwoche aus seinem Corona-Schlaf wieder erwachen soll. Den Rest des Jahres wird sich so viel nicht ändern: Es wird beschaulich bleiben.

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