Buch von Wilfried Hansmann mit Stationen aus dem Leben des Seligen

Vor 73 Jahren feierte Karl Leisner seine Primiz im KZ

Dachau – das Ausbildungslager der SS. Seit 1940 ist Dachau das Hauptlager für inhaftierte Priester. 2.800 Geistliche aus vielen Ländern sind dort mit vielen anderen Häftlingen unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt. Gequält von den SS-Schergen und durch Krankheiten wie Ruhr und Tuberkulose geschwächt, vegetieren sie dahin, eingepfercht in 30 Blocks, den Tod vor Augen.

Unter ihnen Karl Leisner, Häftling Nummer 22 356. Schwer an Tuberkulose erkrankt, hat er nur noch einen Wunsch gegen alle Hoffnung: Der Diakon möchte zum Priester geweiht werden. Dass dies gelingt, grenzt an ein Wunder. Der französische Bischof Gabriel Piquet wird in das Lager eingeliefert. Nach abenteuerlichen Vorbereitungen vollzieht sich in der Häftlingskapelle des Konzen­trationslagers ein kirchengeschichtlich wohl einmaliges Ereignis. In der Welt des Hasses und des Terrors wird Karl Leisner am dritten Adventssonntag 1944 zum Priester geweiht.

Ein Wunder im KZ

Wilfried Hansmann: „Der Selige Karl Leisner 1915-1945 – sein Leben und sein Erinnerungsmal in Kleve“, 80 Seiten, kartoniert, 6 €. Butzon & Bercker, Kevelaer 2017, ISBN 978-3-7666-2414-7

Am Stephanus-Tag 1944 feiert Leisner seine Primizmesse. Es wird die einzige bleiben, die er jemals halten wird. Mitten in der KZ-Baracke geschieht ein unfassbares Ereignis: Ein todkranker Diakon, äußerlich von Gott verlassen, gibt sich, den Tod vor Augen, in die Hand Gottes. Leisner trägt unter seinem Messgewand die Häftlingskleidung.

Der von den Nazis Ausgestoßene erhält die Vollmacht, Brot und Wein zu wandeln. Nicht nur viele katholische Priester sind bei der Priesterweihe dabei, auch die evangelischen Geistlichen nehmen regen Anteil an der Zeremonie.

Zeuge des Glaubens im modernen Europa

Der Kunsthistoriker und Autor Wilfried Hansmann hat unter dem Titel „Der selige Karl Leisner 1915-1945 – Sein Leben und sein Erinnerungsmal in Kleve“ auf 80 Seiten Stationen aus dem Lebens Leisners beschrieben und mit vielen Fotos illustriert.

Für Hansmann ist Leisner eine der großen Glaubensgestalten Europas im 20. Jahrhundert. 1996 wurde der Priester von Papst Johannes Paul II. in Berlin selig gesprochen. Hansmann interpretiert den Lebensweg Leisners anhand der Skulptur des Künstlers Bert Gerresheim. Im Bronzemonument gibt er dem Seligen Karl Leisner „die letzte und bleibende Kontur“.

Der Bildhauer hatte 2013/14 an der Stifts- und Propsteikirche Sankt Mariä Himmelfahrt ein Erinnerungsmal für Leisner gestaltet. Dieses Kunstwerk künde von der leidenschaftlich gelebten Schicksalsgemeinschaft mit Christus und von der gefahrvollen Weihe des Gefangenen zum Priester, sagt Hansmann.