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Der Selige vom Niederrhein feierte vor 75 Jahren seine erste und einzige Heilige Messe als Priester

Bischof Genn erinnert an Karl Leisners Primiz 1944 im KZ Dachau

Bischof Felix Genn hat am Zweiten Weihnachtstag an die Primiz des seligen Karl Leisner vor 75 Jahren im KZ Dachau erinnert. Zugleich gedachte er aller Christen, die auch heute wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet werden.

Bischof Felix Genn hat am Zweiten Weihnachtstag an die Primiz des seligen Karl Leisner vor 75 Jahren im KZ Dachau erinnert. Im festlichen Gottesdienst im Münsteraner Dom gedachte Genn des 1915 in Rees am Niederrhein geborenen Mannes, der Priester des Bistums Münster werden wollte, wegen einer Äußerung über das misslungene Attentat auf Adolf Hitler 1939 jedoch verhaftet und schließlich ins Konzentrationslager Dachau kam.

Dort wurde Leisner am 17. Dezember 1944 heimlich von dem Mithäftling Bischof Gabriel Piguet zum Priester geweiht. Am 26. Dezember feierte Karl Leisner im KZ seine erste und einzige heilige Messe. Der schwer an Lungentuberkulose erkrankte Priester starb nur wenige Monate nach der Befreiung des Lagers am 12. August 1945. Am 23. Juni 1996 sprach ihn Papst Johannes Paul II. selig.

Genn: Feindesliebe kann man sich nicht vornehmen

Bischof Genn stellte die letzte Tagebuch-Eintragung Leisner in den Mittelpunkt seiner Predigt: „Segne, Höchster, auch meine Feinde.“ In dieser Bitte sieht Genn eine Verbindung Leisners sowohl zu Jesus und seiner Bitte am Kreuz „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ als auch zum heiligen Stephanus, des ersten christlichen Märtyrers, dessen traditionell am Zweiten Weihnachtstag gedacht wird. Auch er betete vor seinem Tod mit Blick auf seine Mörder: „Herr Jesus, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“

Aus dieser wie auch aus Leisners Bitte spreche „die tiefe Weisheit, dass man sich nicht einfach so vornehmen kann, zu vergeben und seinen Feinden zu verzeihen“, betonte Genn. Es gehe vielmehr um einen Lernprozess. „Wer weiß, wie viele Qualen Karl Leisner in der Hölle von Dachau durchgemacht hat!“

Genn: Christentum am meisten verfolgte Religion

Genn betonte, es bleibe für ihn „immer ein unglaubliches Ereignis, dass in der Hölle von Dachau jemand zum Priester geweiht wird, seine erste, einzige und letzte Messe feiern kann und die SS es nicht merkt“. Und der Bischof fragte: „Steckt darin nicht auch etwas von der Verwandlung des Kreuzes-Mysteriums angesichts des überbordenden Mysteriums des Bösen?“ Im Geheimnis der Weihnacht beginne auch die „Offenbarung des Geheimnisses des Bösen, das wir kaum fassen können. Es beginnt mit dem Kindermord von Bethlehem und geht über die Flucht nach Ägypten weiter. Realistisch wie er ist, sagt Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern voraus, dass es ihnen ähnlich gehen wird. Und er bestärkt sie darin, standhaft zu bleiben, weil sie so mit ihm das Leben gewinnen können.“

Genn erinnerte daran, dass es „keine Religion außer dem Christentum gibt, die auch in unseren Tagen so verfolgt wird“. Auch an sie erinnere die Kirche am Zweiten Weihnachtstag, „indem sie um die Kraft bittet zu lernen, dem Beispiel des heiligen Stephanus und des seligen Karl Leisner zu folgen“.

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