Die Präsidentin der Deutschen Hospitalité Notre Dame de Lourdes

Warum sich Baronin von Elverfeldt bei den Maltesern engagiert

Schloss Kalbeck ist ein stattliches Anwesen. Erstmals wird die Anlage im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Der Sitz der Elverfeldts liegt idyllisch, mitten im Wald. Seit 2001 leben Max Freiherr von Elverfeldt-Ulm und seine Frau Antoinette hier mit ihren Kindern. Früher haben Felix Baron Vittinghoff-Schell und seine Frau Aileen, die Gründerin der Rhein-Maas-Krankenbruderschaft, in den Mauern gewohnt.

Über eine Treppe gelangt man zum Eingang des Herrenhauses und wird, kaum hat sich die Tür geöffnet, von Schlosshund Hugo begrüßt. Der Labrador wedelt freudig mit dem Schwanz, weil er hofft, einen neuen Spielkameraden gefunden zu haben. Doch die Baronin, die hinter ihm steht, schickt ihn weg. Sicher, das Schloss sei groß. Wieviele Zimmer es habe, wisse sie im Augenblick nicht genau. Auf die Baronin macht die Größe des Hauses keinen besonderen Eindruck. Sie öffnet, um einen kleinen Einblick in das Schloss zu geben, die Tür eines Saales auf der linken Seite. Dort ist die Bibliothek des Hauses untergebracht. Dieser Raum werde auch für öffentliche Anlässe genutzt, sagt sie. Die Baronin geht weiter. Sie will einen weiteren Raum zeigen, der ihr am Herzen liegt: die Kapelle. Hier feiern die Familie und Besucher des öfteren Gottesdienste. Rechts neben dem Altar steht die Fahne der Deutschen Hospitalité Notre Dame de Lourdes.

 Mit 14 erstmals in Lourdes

Seit 2016 ist die Baronin die Präsidentin des 1993 gegründeten und 350 Mitglieder zählenden Vereins. Mit Pfarrer Markus Polders, Bernadette Ackermann und Andre Müller bildet sie den Vorstand. Ihre Aufgabe ist es, den  Helferinnen und Helfern eine Heimat zu geben. Die Deutsche Hospitalité koordiniere die Einsätze aller deutschsprachigen Helfer, erklärt sie den Sinn des Vereins. Viele kämen auch aus der Schweiz und Österreich. Und mit jedem Satz, mit dem sie engagiert über ihre Aufgabe spricht, spürt man, wie sehr sie Lourdes verbunden ist. Diese enge Beziehung kommt nicht von ungefähr. Schon früh hat sie den Marienwallfahrtsort kennen gelernt. Bereits ihre Tante Aileen Vittinghoff-Schell erzählte ihr von den Krankenzügen und den Erlebnissen mit den Kranken.

„Mit 14 Jahren war ich das erste Mal in Lourdes“, erzählt die Baronin. Damals habe sie eine der großen französischen Jugendwallfahrten erlebt. Als Jugendliche war sie immer wieder in Lourdes. „Tagsüber habe ich Gänge und Klos geputzt und Kranke betreut. Abends haben wir mit Gleichaltrigen gefeiert. Ich habe Lourdes damals als einen Ort erfahren, der von jungen Menschen geprägt war, die sich um pflegebedürftige Menschen kümmern“, sagt sie.

Kaltes Bad als Herausforderung

Anders als in Deutschland fahren viele Jugendgruppen aus den französischen Pfarreien nach Lourdes. Dann erzählt sie, wie sie das erste Mal in eines der Bäder gestiegen ist. „Es war kalt, sehr kalt und deshalb schon eine Herausforderung“, erinnert sie sich. Doch als sie aus dem Wasser steigt, strahlt sie innerlich. Sie fühlt sich erfrischt und genießt dieses Gefühl. Schon damals knüpft sie erste Kontakte zu der französischen Hospitalité.

Einige Jahre lang pausiert sie mit den Lourdes-Besuchen. Sie heiratet 1997 und bekommt nach und nach vier Kinder. Im Mai 2008 wird sie angesprochen, ob sie wieder nach Lourdes mitfahren will. Sie will. Aber nicht mehr mit dem Zug als Betreuerin, sondern als eine von mehr als 20 000 Helferinnen und Helfern im Dienst der Kranken.

Die Baronin beherscht vier Sprachen

Dafür bringt sie gute Voraussetzungen mit. Die Baronin ist polyglott. Deutsch und Englisch wird schon in ihrer Kindheit zuhause gesprochen, außerdem lernt sie in einer französischen Schule und nach dem Abitur büffelt sie Spanisch. An dem Ort, wo Pilger und Kranke aus aller Welt zusammenkommen, ist diese Vielsprachigkeit ein großer Vorteil. Sie arbeitet häufig in der Badeabteilung, wo sie als junges Mädchen selbst ihre Erfahrungen gemacht hat. Warum sie dort hilft? „Ich möchte etwas zurückgeben. Ich habe ein glückliches Leben: meine Kinder sind gesund, ich habe keine existenziellen Sorgen, und ich bin glücklich verheiratet.“

Wie gut es ihr geht, wird ihr bewusst, wenn sie bei den Menschen ist, sobald sie ins Wasser steigen. „Sie kommen von weit weg und steigen dann in dieses kalte Wasser“, beschreibt sie die Situation. „Diese zehn Minuten sind der Höhepunkt ihrer Pilgerreise. Ich merke, dass jeder sein Päckchen mitbringt. Und wenn sie dann ins Wasser tauchen, ist es weg. Sie sind dann glücklich, es geschafft zu haben und verlassen das Bad mit der Gewissheit, die Mutter Gottes wird helfen.“

Den Pilgern Trost gespendet

Sie selbst ist glücklich, wenn die Frauen zufrieden aus dem Wasser steigen. Viele erzählen ihr von ihren Sorgen. Es geht um die Familie, die Gesundheit und die Glaubensferne der Enkel. „Es ist immer sehr persönlich. Oft reichen die fünf Minuten, um Trost zu spenden“, sagt sie nachdenklich. Sie selbst genießt diese Woche in Lourdes.

„Es ist wie Urlaub. Ich komme raus aus dem Alltag. Ich weiß, es wird anstrengend, aber auch lustig und erfüllend“, beschreibt sie ihre Gefühle. Ob die Bereitschaft, an diesem Ort Dienst zu tun, auch mit ihrer adeligen Herkunft zu tun hat? Die Baronin zögert. „Ja, wir achten darauf, dass der Einsatz für andere Menschen im Mittelpunkt steht und nicht nur teure Markenklamotten“, sagt sie. „Da hilftauch das Engagement im Malteser-Orden“, fügt sie hinzu.

Soziales Engagement bei den Maltesern

Gerade der Einsatz in den Jugendcamps im Libanon, wo junge Malteser sich um notleidende Kinder und Jugendliche kümmern, hätten ihre Kinder sehr geprägt. Nein, besonders fromm sei sie nicht, antwortet sie auf Nachfrage. „Mein Mann ist viel frommer als ich“, sagt sie und lacht von ganzem Herzen.