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Von Grasfressern, Handspiel-Experten und rotgefährdeten Hitzköpfen

Wenn's mal Beistand braucht: Die Nationalheiligen der EM-Teams

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Der Fußballgott und sein Gerechtigkeitssinn sind durchaus umstritten. Gut, dass die 24 Teilnehmer der am Freitag beginnenden Europameisterschaft Nationalheilige haben, die ja vielleicht auch ein bisschen helfen können ...

Belgien: Nationalpatron von Flamen und Wallonen ist Josef, der Ziehvater Jesu. Er setzt auch eigenwillige Spielvorgaben „von oben“ um und versteht sein Handwerk. Eher defensiv als ein Stürmer, ermög­licht er durch Standhaftigkeit das Allergrößte.

Dänemark: Der heilige König Knut IV. (ca. 1043-1086) soll angeordnet haben, die Weihnachtszeit auf 20 Tage zu verlängern – bis zum Knutstag am 13. Januar. Sollte er das EM-Turnier für die Dänen ebenfalls auf 20 Tage verlängern, hieße das: Viertelfinale!

Deutschland: Der Apostel der Deutschen ist ausgerechnet Brite: Bonifatius (672-754) war als Missionar ganz vorne und trieb den Germanen beim Auswärtsspiel in Fulda schon früh den Mythos von der deutschen Eiche aus. 2014 wurde das Team trotzdem dank eines Götzen Fußball-Weltmeister ...

England: Die EU-Aussteiger holten ihren Nationalpatron aus der Türkei – Ablösesumme unbekannt. Der heilige Georg von Kappadokien, ermordet um 303 bei der Christenverfolgung unter Diokletian, ist bekannt als tapferer Ritter und Drachentöter. Erklärt sich so, dass die Elf unter dem Georgskreuz niemals kapituliert?

Finnland: Heinrich von Uppsala nahm an einem Finnland-Kreuzzug teil, wirkte dort als Missionar und erster Bischof, wurde aber um 1156 von einem Bauern erschlagen. Heinrich wird dennoch stets stehend gezeigt, den Mörder zu seinen Füßen. „Henrik“ werden zwar nicht „elf Freunde“, aber elf Wunder zugeschrieben.

Frankreich: Der heilige Martin, Bischof von Tours (316-397) und gebürtiger Ungar, steht für ein multikulturelles Frankreich. Erfolgstechnische Schwachstelle: Er teilt allzu gern mit anderen.

Italien: Die Ordensfrau Katharina von Siena (1347-1380) hatte in schwierigen Zeiten die Hosen an und ordnete selbst dem Papst an, wo er zu sein hatte – in Rom statt im französischen Avignon. Eine Frau mit Mut zum Anpfiff!

Kroatien: Der Kirchenvater Hieronymus von Stridon (347-420) war hochgebildet, doch wegen seines Temperaments permanent rotgefährdet. Theologische Meinungsverschiedenheiten nahm er persönlich. Sein stetiges Gebet: „Sei mir gnädig, Herr, da ich Dalmatiner bin.“

Niederlande: Willibrord (um 658-739), „Apostel der Friesen“, war ein angelsächsischer Missionar. Die „Elftal“ kann einen Schutzheiligen gebrauchen, denn trotz erwiesener internationaler Klasse schaffte sie es zuletzt nicht regelmäßig zu großen Turnieren.

Nordmazedonien: Kliment (Clemens) von Ohrid (um 840-916) war Musterschüler der Slawenapostel Kyrill und Method. Ihm erging es nach seinem Tod wie der dezentral organisierten EM 2021: Ein Arm liegt in Sofia, ein Finger in Rom, der Kopf im benachbarten Griechenland.

Österreich: Nationalheiliger ist Markgraf Leopold III. (1073-1136). Trotz seines Beinamens „der Milde“ stand er in der Schlacht immer an der richtigen Stelle. Und wo er es wollte, wuchs kein Wald mehr.

Polen: Bischof Stanislaus von Krakau (um 1030-1079) war ein besonderer Kämpfer. Für seine Überzeugung widerstand er sogar dem König und Polens Primas – und bezahlte mit seinem Leben. Zudem steht er für Effizienz. Eine alte Bauernregel sagt: „Wenn sich naht Sankt Stanislaus, rollen die Kartoffeln raus.“

Portugal: Schutzheiliger ist ein demütig gewordener Millionärssohn, Franziskaner und Fastenprediger: Antonius von Padua (1195-1231), Helfer bei Verlusten. Hilft er den Portugiesen, dass der 2016 errungene EM-Pokal nicht gleich wieder abhanden kommt?

Russland: Die Russen setzen beim Beistand auf Kleinasien. Der Apostel Andreas, Bruder des Petrus, ist ausgerechnet auch Patron des Patriarchates von Konstantinopel, des ewigen Rivalen des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchen. Und nicht nur, dass die Türkei auch bei der EM am Start ist – um die Schotten muss Andreas sich auch noch kümmern ...

Schottland: Für eben diesen Andreas wird in Schottland immer am 30. November, dem Nationalfeiertag, St.-Andrews-Day zelebriert. Schottlands Flagge basiert auf dem Andreaskreuz mit den schrägen Balken.

Schweden: Die heilige Birgitta (1303-1373) war Europäerin durch und durch und tat vieles, was die Kirche gut findet. Sie gebar acht Kinder, bevor ihr Mann und sie sich für das Ordensleben entschieden. Birgitta gründete eine bis heute wirkmächtige Ordensgemeinschaft und redete selbst dem Papst ins Gewissen.

Schweiz: Wundert es, dass ein Einsiedler die Schweiz beschützt? Nikolaus von Flüe (1417-1487) war Visionär, Bauer, Familienmensch – und zu Höherem berufen: In seinem zweiten Leben widmete sich „Bruder Klaus“ der  Verteidigung des Glaubens – ein Vorbild für eine stabile Abwehr?

Slowakei: Eines der kleinsten EM-Länder hat gleich zwei Patrone – die Slawenmissionare Kyrill (826/827-869) und Method (um 815-885). Kein Slowake kann jemals so viele Tore schießen, wie diese beiden für Europa geöffnet haben.

Spanien: Für die Spanier ist nur er der „wahre Jakob“: der heilige Jakobus. Seit Johannes Paul II. den Jakobsweg 1980 nach Jahrhunderten der Flaute auf Europas Agenda zurückbrachte, führen wieder alle Wege zum Apostelgrab nach „Sant-Iago“. Und mit den Pilgern kamen auch die Fußball-Titel: Weltmeister 2010, Europameister 2008 und 2012.

Tschechien: Der heilige Wenzel von Böhmen (907-935) starb im besten Fußballeralter. Junger Herrscher und frommer Christianisierer, wollte er zugunsten seines Bruders abdanken und ins Kloster gehen. Doch der erschlug ihn während der Messe. Droht auch den Tschechen das frühe Aus?

Türkei: Die muslimischen Türken schicken einen der stärksten christlichen Heiligen aufs Feld. Bischof Nikolaus von Myra (270/86-343/51) hat die Jugend auf seiner Seite, dazu die Händler, sprich Manager. Wäre Nikolaus auch noch Patron der Schiedsrichter, wäre Schlimmes zu befürchten: jede Menge Geschenke ...

Ukraine: Durch Taufe und Eheschließung wurde Wladimir, Fürst der Kiewer Rus, 988 Teil der kaiserlichen Familie in Konstantinopel und damit der christlichen Könige des Mittelalters. Die Spannung zwischen Ost und West hält auch mehr als 1000 Jahre später an.

Ungarn: Die einbalsamierte „heilige Rechte“ des Stephan (969-1038) wird heute als Armreliquie in Pest am Ostufer der Donau verehrt. Ein ganzes Team steht daher leider unter latentem Handspiel-Verdacht.

Wales: David (um 512-587) war Bischof von Menevia (walisisch „Mynyw“, heute St. Davids). Von königlichem Geblüt, wollte er lieber untere Wege gehen. Seine Klosterregel sah vor, dass Mönche den Pflug selbst ziehen sollten, ohne Hilfe von Tieren. Sie durften nur Wasser, Brot, Salz und Kräuter zu sich nehmen. Im Fußball heißen solche Spieler „Grasfresser“.

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