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Newsroom-Redakteur Martin Schmitz über die Kunst, die Zeichen der Zeit zu erkennen

Jogi Löw und Benedikt XVI.: Vorbildliche Rücktritte

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Papst Benedikt XVI. hat es getan und zuletzt auch Fußball-Bundestrainer Joachim Löw: Sie haben sich aus freien Stücken dazu entschieden, dass sie ihr Amt abgeben wollen. Ihre umsichtigen Entscheidungen ernteten in der Öffentlichkeit großen Respekt. Das ist vorbildlich, findet auch unser Redakteur im Newsroom, Martin Schmitz.

Da hat einer die Zeichen der Zeit erkannt: Fußball-Bundestrainer Joachim Löw. Nach 15 Jahren an der Spitze von Fußball-Deutschland wird er nach der Europameisterschaft im Sommer sein Amt niederlegen. Und das, obwohl er eigentlich noch bis Sommer 2022 unter Vertrag steht.

Seit dem Weltmeistertitel 2014 läuft es nicht mehr so gut für die Nationalelf: 2018 das Vorrunden-Aus in der Weltmeisterschaft. Dann die vernichtende 0:6-Niederlage gegen Spanien im vergangenen November. Mit dieser Tendenz hätte Löw den Rückhalt des DFB sicher bald sowieso eingebüßt – der Rückhalt der Fans bröckelte ohnehin schon. Und dennoch: Der Bundestrainer geht selbstbestimmt – und bevor er durch mangelnden Erfolg zum Problem für seinen Arbeitgeber wird. Das rechnen ihm Weggefährten und Fachleute hoch an.

Wenn man mehr schadet als hilft

Eine ähnliche Erfahrung durfte 2013 Papst Benedikt XVI. machen. Er war zur Erkenntnis gekommen, dass er mit Blick auf seine Gesundheit nicht mehr in der Lage sein werde, Oberhaupt der Katholiken zu sein. Sein selbstbestimmter Rücktritt folgte. Auch diese Entscheidung erntete – neben Verwirrung – großen Respekt in der Öffentlichkeit.

Es ist tragisch zu meinen, seinen Posten nicht selbstbestimmt verlassen zu dürfen. Gerade, wenn man weiß, dass der Rückhalt im (Kirchen-)Volk fehlt; wenn man dringend nötige Entwicklungen nicht mittragen kann; wenn man mit seinem Verbleib der Mannschaft, der Gemeinschaft mehr schadet als hilft.

Ein Angebot, das es nicht nur im Sport gibt

Der Arbeits-Vertrag von Joachim Löw lief bis 2022. Als er ihn 2018 entsprechend verlängert hat, waren sich beide Seiten sicher, dass das im Sinn aller Beteiligten ist. Seinen vorzeitigen Rücktritt hat er in einer Pressekonferenz damit begründet, dass nun eine „Zeit der Erneuerung, eine Zeit der Veränderung und der Bewegung“ nötig sei. Das solle „auf keinen Fall daran scheitern, dass der Trainer auf seinem Stuhl klebt“.

Aber auch ein Jogi Löw kann nicht einfach so aus einem Vertrag raus. Er hat seinen Rücktritt angeboten – und der DFB hat eingewilligt. Diese Möglichkeit gibt es übrigens nicht nur im Sport. Und nicht einmal nur im Vatikan.

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