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Hochleistungsrechner faltet Proteine virtuell

Wie die Domspatzen bei der Impfstoffsuche gegen Corona helfen

Die Regensburger Domspatzen können aufgrund von Corona derzeit nicht proben – geschweige denn auftreten. Sie haben also Zeit, und außerdem die technischen Möglichkeiten, sich in der Medikamentenforschung zu engagieren.

Eine musikalische Ausbildung auf hohem Niveau und ein ideales Umfeld für Jungforscher müssen sich nicht ausschließen: Seit Jahren sind Regensburger Domspatzen beim Wettbewerb „Jugend forscht“ immer vorne mit dabei. Derzeit nun versuchen sie mitzuhelfen bei der Entwicklung eines Impfstoffs oder Medikaments gegen Covid-19, wie das Chormanagement am Dienstag in Regensburg mitteilte.

Damit der Chor so schnell wie möglich wieder vor vielen Zuhörern singen könne, stellten die Domspatzen ihre moderne digitale Infrastruktur für die Forschung zur Verfügung. Mit der Rechnerleistung von 78 Computern und zwei Hochleistungsrechnern würden Proteine virtuell gefaltet, hieß es.

Teilnahme an Projekt der Stanford Universität

Da der Computerraum bereits länger nicht benutzt werden könne, habe man sich entschieden, die gesamte Rechenleistung dem Projekt „Folding@home“ zur Verfügung zu stellen, erklärt Jonathan Treffler. Der Schüler der 11. Klasse und Systemadministrator am Gymnasium der Domspatzen hatte mit Paul Kutzer die Idee, sich daran zu beteiligen. „Foldig@home“ habe es sich zur Aufgabe gemacht, Heilmittel für Krankheiten zu finden, mithilfe von Computersimulationen von Proteinen. Die Stanford Universität startete das Projekt 2000.

„Man kann dort auswählen, welche Forschungsprojekte man konkret unterstützen möchte“, erläutert Treffler. Schnell sei klar gewesen, dass die Domspatzen den Kampf gegen Corona unterstützen wollten. „Wir mussten aufgrund der notwendigen Beschränkungen unseren Chorbetrieb komplett runterfahren“, sagt Domkapellmeister Christian Heiß. Seit wenigen Tagen dürften Chöre zwar wieder gruppenweise anfangen zu proben. An ein mehrstimmiges Singen im Chor sei aber noch nicht zu denken.

Unter den besten 12.000 von 2,7 Millionen

Treffler kontrolliert laut Mitteilung täglich die Server und überprüfe die Geräte. Beim Proteinfalten werde technisch und virtuell simuliert, wie sich ein Virus verhalte, wenn es auf bestimmte Substanzen treffe. Dabei werde eine große Zahl spezifischer Konstellationen von Proteinen simuliert. Da es dabei sehr viele Szenarien zum Durchprobieren gebe, könnten die Computer den Forschern viel manuelle Arbeit ersparen.

Derzeit gibt es nach Angaben von Treffler weltweit über 2,7 Millionen Nutzer, die sich an dem Projekt beteiligten. Die Domspatzen seien in der Rangliste der Beteiligten aktuell unter den besten 12.000. „Unsere Rechner sind neu und deshalb auch sehr effizient.“

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