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Benedikt K. Ende pendelt zwischen Mettingen und Westerkappeln

Wie ein Pfarrer zwei Pfarreien leitet

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Noch ist es im Bistum Münster die Ausnahme, dass ein Pfarrer wie Benedikt K. Ende zwei Pfarreien leitet. Im nördlichen Münsterland legt er weite Strecken zurück, um die Gläubigen an fünf Kirchorten und in zwei Kapellengemeinden in den Pfarreien in Mettingen und Westerkappeln zu erreichen.

Als Benedikt K. Ende Ende 2021 von Bischof Felix Genn gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, eine neue Aufgabe zu übernehmen und seine Pfarrei St. Georg in Heiden im Kreis Borken zu verlassen, hat er zunächst gezögert, aber schließlich zugestimmt. „Ich weiß um die Schwierigkeit, heutzutage die Pfarrstellen zu besetzen. Die Zahl der Priester im aktiven Dienst nimmt ab“, sagt der Gefragte.

Seit Anfang 2022 nimmt Ende die Aufgaben des leitenden Pfarrers der Pfarreien St. Agatha in Mettingen und St. Margaretha in Westerkappeln im nördlichen Münsterland an der Grenze zum Bistum Osnabrück wahr. „Ich bin gern hier, auch wenn ich ungern Heiden verlassen habe, wo ich mich sehr wohl gefühlt habe“, sagt er.

Leitung ist Teamarbeit

Ein leitender Pfarrer für zwei Pfarreien – diese Konstruktion hat im Bistum Münster noch Seltenheitswert. Sie kann aber künftig zum Normalfall werden, wenn immer mehr Priester aus dem aktiven Dienst scheiden und der Priesternachwuchs fehlt.

„Diese Art des Leitungsmodells ist zwar nicht optimal. Aber wir müssen das Beste daraus machen. Vielleicht ergeben sich aus den Erfahrungen neue Modelle der Gemeindeleitung, in der Teamarbeit zum Regelfall wird“, sagt der Seelsorger.

Pfarreien sind und bleiben selbstständig

In den Pfarreien in Mettingen und Westerkappeln gab es vor einigen Jahren Fusionsbestrebungen. Das scheiterte am Willen der Westerkappelner Katholiken, als Pfarrei selbstständig zu bleiben, und an der Erkenntnis der Bistumsleitung, dass die Zeit der Gemeindezusammenführungen vorbei ist und diese auch nicht eingefordert werden können.

„Eigentlich ist es gut, dass es hier zwei Pfarreien geblieben sind. Örtliche Begebenheiten sollte man berücksichtigen. Auch die kirchlichen Traditionen sind unterschiedlich“, sagt Ende.

Katholisches Milieu und Diaspora

Das Gebiet der beiden Pfarreien hat einen Durchmesser von rund 25 Kilometern. Mettingen ist noch weitgehend katholisch geprägt. Die kirchlichen Verbände sind im Ort präsent.

Anders sieht es in den politischen Gemeinden Westerkappeln und Lotte aus. Aufgrund der Diaspora-Situation - die meisten Menschen dort gehören den evangelischen Kirchen an oder sind konfessionslos - erstreckt sich das Gemeindegebiet über eine große Fläche. Viele Katholiken dort stammen aus Familien von Vertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Orten westlich von Osnabrück heimisch wurden.

Pfarreileben bleibt vor Ort

„Die Pfarreien sind von ihrer Struktur her unterschiedlich. Das ist kein Nachteil. Wir verstehen uns alle sehr gut“, hat Ende festgestellt.

Er setzt auf Teamgeist und auf die vertrauensvolle Mitarbeit der Hauptamtlichen und freiwillig Mitmachenden: „Wir Seelsorgerinnen und Seelsorger sehen uns als wichtige Bezugsperson im Leben unserer beiden Pfarreien. Als Hauptamtliche möchten wir mit unserer Zeit und mit unserer fachlichen Kompetenz für die pastoralen Aufgaben der Pfarreien zur Verfügung stehen und ehrenamtlich Tätige begleiten und befähigen, die verschiedenen Dienste vor Ort zu gestalten.“

Seelsorger rotieren bei Gottesdienstzeiten

Das so leicht Gesagte ist für den leitenden Pfarrer eine Selbstverständlichkeit: „Wenn wir uns als Team verstehen, dann fällt Leitung gar nicht so schwer.“

7.600 Katholiken in Mettingen und rund 6.000 Katholiken in Westerkappeln und Lotte zählen die Pfarreien. Fünf Priester, davon zwei ältere, ein Diakon, eine Patoralreferentin und ein Pastoralreferent bilden das Seelsorgeteam, das im Wechsel die Gottesdienste leitet. In fünf Kirchorten und zwei Kapellengemeinden kommen die Gläubigen zusammen.

Neuer Pastoraler Raum im Blick

„Die Musik, wie es so schön heißt, spielt im jeweiligen Ort. Die Gemeindemitglieder kommen dort zusammen, wo sie leben. Das ist auch gut so“, meint Ende.

Den Prozess zur Schaffung eines Pastoralen Raums über Mettingen und Westerkappeln hinaus sieht der Seelsorger auf einem guten Weg: Mit den benachbarten Pfarreien in Recke, Hopsten und Halverde gebe es einen guten Austausch. Mit dem Pastoralen Raum, der die pfarrübergreifende Zusammenarbeit im Bistum Münster weiter stärken soll, könnten Kräfte gebündelt werden.

Pfarrbüros führen einen Terminkalender

Um die Katholiken aus allen Gemeindeteilen gleichermaßen zu informieren, wird eine eigene Pfarrei-App entwickelt. „Dann sind wir alle auf dem neuesten Stand. Kommunikation und der Informationsfluss müssen gut sein“, weiß der Pfarrer. Gute Erfahrungen mit einer „Pfarrei-App“ habe er bereits in Heiden gemacht.

Wenn die Kirchenvorstände und Pfarreiräte tagen, sind jeweils auch Vertreter der anderen Pfarrei zugegen. Das soll Vernetzung gewährleisten und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.

Segensreiche Software „KaPlan“

Um zwei Pfarreien leiten zu können, braucht es eine gute Zusammenarbeit der Pfarrbüros in Mettingen und Westerkappeln, so Ende: „Das Wichtigste: Wir führen einen einzigen Terminkalender. Jede und jeder muss wissen, wer wo wann ist. Ich habe festgestellt: Das klappt auch.“

Die Pfarrbüros nutzen ein Angebot der IT-Abteilung im Generalvikariat, den „KaPlan“, das Kalender- und Planungstool für Pfarrbüros. Die Software bringt die Pfarrbüros zusammen. Alle Daten sind von überall einsehbar.

Start als Ordensmann und Krankenpfleger

Der 50-jährige Ende, der als 20-Jähriger in die Ordensgemeinschaft der Alexianer-Brüder eintrat, eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte, später als Provinzial den Orden leitete und 2013 die Stiftung der Alexianerbrüder mitgründete, weiß mit großen Einheiten umzugehen.

Die kirchliche Entwicklung betrachtet der inzwischen in das Bistum Münster inkardinierte Priester mit Geduld und Gottvertrauen: „Auf allen Ebenen sind wir gespannt, wie es mit dem Synodalen Weg weitergeht und was die Weltsynode bringen wird. Irgendwie sind wir alle auf der Suche nach dem, was uns in Zukunft tragen wird.“

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