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Wie läuft es mit den Pastoralen Räumen? (6) - Dekanat Geldern

Nur ein Pastoraler Raum: Laien im Dekanat Geldern für große Lösung

  • Der Strukturprozess im Bistum Münster beschäftigt auch die Gremien im Dekanat Geldern.
  • Eine Mehrheit befürwortet die Bildung eines Pastoralen Raums, weiß eine Pfarreiratsvorsitzende.
  • Dechant Stefan Keller unterstützt diese Lösung, Pfarrer Thielen sagt Ehrenamtlichen Unterstützung zu.
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„Mit Blick auf die Haupt- und Ehrenamtlichen in der Zukunft müssen wir größer denken.“ Iris Itgenshorst, Pfarreiratsvorsitzende in St. Dionysius Kerken, hat klare Vorstellungen, wenn es um die neue Struktur in ihrer Region geht. Der Hintergrund ihrer Vorstellungen ist der von der Bistumsverwaltung angestoßene Strukturprozess zur Schaffung sogenannter Pastoraler Räume.

Zurzeit finden zu diesem bistumsweiten Prozess auch am Niederrhein viele Gespräche mit Gremienvertretern der Pfarreien statt. Im Dekanat Geldern haben sich die Vertreterinnen und Vertreter der sechs Pfarrgemeinderäte getroffen und über den Vorschlag des Bistums hinsichtlich der Pastoralen Räume diskutiert.

Mehrheit wünscht einen Pastoralen Raum

Der Vorschlag des Bistums sieht vor, im Dekanat zwei pastorale Räume zu schaffen. Einmal Geldern und Issum und zweitens Straelen, Herongen, Wankum-Wachtendonk, Kerken und Rheurdt. Schon nach einem ersten Treffen und einem Gedankenaustausch hat die Mehrheit der Gremienvertreter einen eigenen Vorschlag. Fünf von sechs Pfarreiräten bevorzugen, das Dekanat als einen einzigen Pastoralen Raum zu sehen. Iris Itgenshorst unterstützt diesen Vorschlag.

Die 42-jährige Vorsitzende der Kerkener Pfarreirates sieht nur Vorteile, wenn sie sich als Kirche im Dekanat von vorneherein für die größere Struktur entscheiden. Und das nicht allein mit Blick auf die Zukunft. Sie befürchtet, dass sie in wenigen Jahren, nachdem sie sich für das zweiteilige Bistumsmodell entschieden haben, wieder über einen Strukturprozess diskutieren, weil die Räume nicht passen könnten.

Region auf Geldern ausgerichtet

Iris Itgenshorst, Vorsitzende des Pfarreirates in St. Dionysius Kerken. | Foto: Jürgen Kappel
Iris Itgenshorst, Vorsitzende des Pfarreirates in St. Dionysius Kerken. | Foto: privat

Sie wiederholt den Mehrheitsvorschlag: Die Dekanatsstrukturen sind besser, weil sinnvoll. Itgenshorst hat schnell eine ganze Reihe von Argumenten zur Hand: Die Region sei auf Geldern ausgerichtet. Denn die Stadt ist Schul- und Einkaufsstadt. Man kenne sich bereits gut untereinander. Es gebe eine gut funktionierende und enge Zusammenarbeit im Dekanatsrat. Die Vertretungsfragen seien bereits geklärt.

Man könne in den Gremien viel besser voneinander lernen, sich entsprechend vernetzen. Auch Arbeitsverträge könnten mit Blick auf die Arbeitnehmer günstiger abgeschlossen werden. „Wir müssen dann nicht immer einen 450 Euro-Vertrag abschließen, sondern können, weil mehr Beschäftigung notwendig ist, zu besseren Bedingungen für die Arbeitnehmer kommen“, sagt Itgenshorst, die als Kämmerin bei der Stadt Rheinberg beschäftigt ist.

Vorteile liegen auf der Hand

Die Informationen könnten viel besser ausgetauscht werden, wenn man enger zusammenrücke. Und Vertreter und Fachleute des Bischöflichen Generalvikariates würden bereitwilliger in eine größere Einheit wie ein Dekanat reisen, um Fragen und Probleme zu besprechen. Vor dem Hintergrund dieser Vorteile bringe die kleinteilige Lösung in ihren Augen also eher Probleme und sei nicht zukunftsorientiert.

„Wir werden uns diesen Monat wieder zusammensetzen und über die Lösung diskutieren“, sagt Itgenshorst. „Viele Gespräche sind noch zu führen“, fährt sie fort. „Wir stehen erst am Anfang.“ Im Zuge der Strukturdebatte sprechen die Gremienvertreter auch darüber, wie die Kirche im Dekanat aufgebaut werden soll. „Wir wollen die Kirche von unten her gestalten. Die Vorschläge sollen von der Basis kommen, und wir werden sie dann dem Bistum vorlegen“, sagt sie. „Nicht umgekehrt. Wir wollen nicht die Vorstellungen des Bistums umsetzen.“

Dechant Keller will pragmatische Lösung

Auch Dechant Stefan Keller von der Pfarrei St. Anna in Issum favorisiert die große Lösung. „Unter den Pfarrgemeinden gibt es eine große Mehrheit, einen Seelsorgeraum zu bilden. Ich bin auch dafür. Denn es ist eine Entscheidung auf Zukunft“, sagt er im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“. Für ihn ist das eine rein pragmatische Entscheidung. Mehrere Mitbrüder würden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Wie Regionalbischof Rolf Lohmann bei den Gesprächen erläutert habe, gebe es keine Nachfolger für die Priester, sagte Keller. „Wir wollen dann nicht schon wieder über Strukturen reden.“

Schon während der Gespräche habe sich gezeigt, dass es zwischen den Pfarreien im Dekanat eine große Dynamik und kreative Zusammenarbeit gebe. Diese werde man für die Zukunft nutzen, so Keller. Nach seiner Meinung gibt es ohnehin nicht die eine Weise, wie die Seelsorge im pastoralen Raum zu gestalten ist. Sie muss bunt und vielfältig sein. „Auch wenn es die Tendenz für eine große Lösung gibt, muss man weiter miteinander reden“, sagt er. Das Bistum habe deutlich gemacht, dass es sich widersprechende Lösungen im Dekanat nicht akzeptieren würde. Aber Stefan Keller ist guten Mutes. „Das Gespräch reißt nicht ab. Die Kommunikation funktioniert gut.“ Aufgrund eines Corona-Falls sind die Gespräche unterbrochen und werden erst im Herbst fortgeführt.

Pfarrer vermisst inhaltliche Vorgaben

Arndt Thielen, leitender Pfarrer in St. Maria Magdalena Geldern, bevorzugt als hauptamtlicher Priester widerum den Bistumsvorschlag. „So wie die Kirche aufgebaut ist, hängt alles am entsprechenden Pfarrer“, meint Thielen. Die Beziehungsarbeit der Hauptamtlichen werde schwieriger, glaubt er. Und: Er vermisst die Debatte um inhaltliche Vorgaben seitens des Bistums. Wie soll Seelsorge in den nächsten Jahren aussehen?

Aber der Geistliche lässt keinen Zweifel daran, dass er den Vorschlag der Ehrenamtlichen unterstützen wird. „Ich werde den Ehrenamtlichen folgen. Denn: Wer muss in den nächsten zehn oder 20 Jahren die Arbeit im Pastoralen Raum tragen? Nicht die Hauptamtlichen. Die Laien. Wir werden mit den Menschen vor Ort eine intelligente Lösung verfolgen, um den Laden zu wuppen.“

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