Von Anselm Grün bis Samuel Koch: "KuKuKi" in Saerbeck

Wie eine Pfarrei im Münsterland Prominente zu Glaubensgesprächen holt

  • Prominente sprechen über ihren Glauben - das ist die Idee von "KuKuKi" in der Pfarrei St. Georg in Saerbeck.
  • Bestseller-Autor Anselm Grün und Samuel Koch waren schon da, ebenso Ex-Miss-Germany Lena Broeder oder das Duo „2Flügel“.
  • Das Angebot hat Erfolg: Oft sind rund 200 Zuschauerinnen und Zuschauer dabei.

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Wenn sie einladen, dann ist fast immer „volles Haus“, sagen Werner Heckmann und Alfons Sundermann lächelnd. Sie klingen ein bisschen stolz und nennen dafür auch gleich eine Zahl: Oft kommen 200 Besucherinnen und Besucher zu ihren Veranstaltungen, Tendenz steigend.

Natürlich wissen der frühere Pastoralreferent und der ehemalige Lehrer, dass sich die Leute nicht ihretwegen auf den Weg machen. Interessant sind die Gäste, die der Arbeitskreis „KuKuKi“ (Kunst-Kultur-Kirche) der Pfarrei St. Georg regelmäßig nach Saerbeck (Kreis Steinfurt) holt.

Alle haben etwas über den Glauben zu sagen

Die Namen lesen sich prominent – nicht nur in Kirchenkreisen: Pater Anselm Grün, Schauspieler und Autor Samuel Koch, Kabarettist und Diakon Willibert Pauels, Mediziner und Theologe Manfred Lütz, Fernsehmoderatorin Yvonne Willicks, Ex-Miss Germany Lena Bröder, Duo „2Flügel“ – sie alle haben etwas über Gott und den Glauben zu sagen. Das ist Bedingung für einen Auftritt in der Gemeinde.

Menschen für Fragen des Glaubens und der Kirche zu interessieren, das war vor knapp 20 Jahren Motivation für Werner Heckmann, mit Gleichgesinnten wie Alfons Sundermann den Blick zu weiten, neue Formate auszuprobieren sowie Kulturschaffende nach Saerbeck zu locken. Die Themen sind vielfältig, genauso wie die Darstellungen. Mal ist es ein Vortrag, mal eine Lesung, dann ein Konzert oder eine Ausstellung, auch mal ein Film. Humorvoll, lustig, religiös, nachdenklich, ernst – alles darf sein. „Aber es muss immer Tiefgang haben und sollte nicht fromm erschlagen“, betonen die beiden Verantwortlichen. So mag es das Saerbecker Publikum.

Künstler schätzen Saerbeck

Umgekehrt schätzen die Künstlerinnen und Künstler den Ort. „Ihnen gefällt das beschauliche Ambiente bei uns“, weiß Heckmann aus vielen Kontakten. Der eine oder die andere war deshalb schon mehrmals in der Gemeinde. Die Mitglieder des AK KuKuKi trauen sich auch Ungewöhnliches, „weil wir in unserer Pfarrei St. Georg schon lange als Laien vieles entscheiden und umsetzen dürfen“.

Im Frühjahr haben sie erstmals zu einer Live-Vertonung des Stummfilms „The Kid“ mit Charlie Chaplin eingeladen und dabei Spenden für die Renovierung der Kirchenorgel gesammelt. Der Abend war so beeindruckend, nicht zuletzt wegen der Botschaft des Films, dass eine Wiederholung – dann mit Orgel- statt Klavieruntermalung – fest eingeplant ist. Ein Publikumsmagnet waren auch die Ausstellungen mit Werken von Marc Chagall und Sieger Köder.

Kirche nah am Leben

„Wir haben damit ganz unterschiedliche Personengruppen angesprochen. Wir versuchen, über Kunst und Kultur Zugänge zu religiösen Erfahrungen zu erschließen“, fasst Sundermann ihre Motivation zusammen. Aber auch zu theologischen und gesellschaftspolitischen Fragen bietet der Arbeitskreis Veranstaltungen an, manchmal in Kooperation mit dem katholischen Kreisbildungswerk Steinfurt.

Wenn die Kirche – diese Erfahrung machen die Mitglieder des Arbeitskreises – mit ihren Angeboten nah am Leben ist, wenn sie Gemeinschaft und Beziehung fördert, dann gibt es weiter ein hohes Interesse vieler Menschen an der Kirche. Was die wenigstens wissen: Die katholische Kirche ist in Deutschland neben dem Staat und den Kommunen der größte Kulturträger.

Austausch wichtig

Deshalb gibt es nach Möglichkeit nach den Events Gelegenheit, bei Wasser und Wein zusammenzubleiben und sich auszutauschen. Das Feedback, das die Organisatoren bekommen, ermutigt sie zum Weitermachen – nach schwierigen Jahren. Denn: „Während der Pandemie mussten wir alles absagen.“ Nach dem Ende der Einschränkungen startete der Arbeitskreis behutsam wieder: „Wir waren bei den Planungen noch vorsichtig und wollten nichts riskieren.“

Auf die Fortsetzung der Reihe „Sattelfest? Im Heute glauben und Kirche sein“ haben sie aber nicht verzichtet – und namhafte Referenten verpflichtet. Zu den drei Themenabenden erwarten sie im Pfarrheim Professor Thomas Schüller, dazu den Chefredakteur von „Christ in der Gegenwart“, Stephan Langer, und den ehemaligen Generalvikar des Bistums Speyer, der zu den Alt-Katholiken gewechselt ist, Pfarrer Andreas Sturm. Bei allen drei Vorträgen rechnen Werner Heckmann und Alfons Sundermann „mit einem vollen Haus“.