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Großer Erfolg für neue und alte Formen in Schöppingen

Wiederentdeckt: Das Nachbarschaftsgebet im Todesfall

  • Drei Frauen aus Schöppingen haben ein Heft mit Anleitungen zum Nachbarschaftsgebet für Verstorbene erstellt.
  • Schon nach wenigen Tagen war die erste Auflage vergriffen.
  • Das gemeinsame Trauern, Nachdenken und Beten für den Verstorbenen werde von vielen Menschen als Hilfe erlebt, sagen die Autorinnen.
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In vielen Gemeinden des Münsterlands, des Niederrheins und des Oldenburger Münsterlandes ist es üblich, sich nach dem Tod eines Nachbarn zu treffen und für ihn zu beten, meist in Form eines Rosenkranzgebetes. Viele Menschen sind jedoch im Gebet des Rosenkranzes nicht geübt und unsicher.

Nun haben drei Frauen aus dem westmünsterländischen Schöppingen die Initiative ergriffen, ein Heft mit Nachbarschaftsgebeten für Verstorbene zu erstellen. Es bietet die Anleitung zum Beten des Rosenkranzes und gibt Anregungen, ein Nachbarschaftsgebet mit weiteren Gebeten und Liedern ansprechend zu gestalten.

 

Zeichen des Getragenseins

 

„Vielen Angehörigen ist es ein Anliegen, dass das Totengebet von Nachbarn oder guten Freunden des Verstorbenen gehalten wird. Darin spüren sie ein besonderes Zeichen des Getragenseins und der Verbundenheit“, sagt Andrea Ewering. Zusammen mit Hildegard Benölken und Elisabeth Fier hat sie das 40 Seiten umfassende Heft erstellt, das zum Preis von vier Euro in den Schöppinger Kirchen ausliegt oder aber auch in den Pfarrbüros der Schöppinger Pfarrei St. Brictius ausgeliehen werden kann.

Schon nach wenigen Tagen die erste Auflage von hundert Exemplaren vergriffen. „Dass die Resonanz so groß ist, hat mich positiv überrascht“, sagt Andrea Ewering. Die 55-Jährige, die gebürtig aus dem benachbarten Wallfahrtsort Eggerode stammt, kennt die Tradition des Nachbarschaftsgebets gut. „In einigen Fällen wird das Nachbarschaftsgebet an drei Tagen bis zum Tag der Beerdigung gehalten. Dort, wo es passt, ist das Gebet im Haus des oder der Verstorbenen. In anderen Fällen in den Kirchen.“

 

Individuelle Gestaltung der Gebete

 

Bebildert ist das Gebetsheft unter anderem mit einem Auferstehungsmotiv aus dem berühmten Schöppinger Flügelaltar. | Foto: Johannes Bernard
Bebildert ist das Gebetsheft unter anderem mit einem Auferstehungsmotiv aus dem berühmten Schöppinger Flügelaltar. | Foto: Johannes Bernard

Die Anleitung ermöglicht eine individuelle Gestaltung des Nachbarschaftsgebets, damit der Verstorbene seiner Persönlichkeit entsprechend verabschiedet werden kann, wie Elisabeth Fier sagt: „Das Gebetsheft beinhaltet eine Mischung von alter und neuer Liturgie. Es ist in einer Sprache geschrieben, die auch die jüngere Generation ansprechen kann.“

Im Gebetsheft sind auch Psalmen aus dem Alten Testament abgedruckt. Sie berichten vom Ringen und Suchen des Menschen nach Gott. Hildegard Benölken erklärt: „Der Mensch klagt und ruft, oft verzweifelt, nach seiner Nähe. In den Psalmen findet er zur Hoffnung zurück und weiß sich getröstet.“

 

Segensbitte zum Abschluss

 

Wie Ewering erläutert, basiert das Heft auf einem Grundgerüst für den Ablauf: Einführungsworte, das Kyrie, ein Bibeltext, Fürbitte, das Vaterunser und zum Abschluss eine Segensbitte sollten immer Bestandteile eines Trauergebetes sein. Aus anderen Vorschlägen wie Meditation, Mariengebet, Litanei, Psalm oder das Rosenkranzgebet, kann eine freie Auswahl getroffen werden.

Zu jedem Gebetsabschnitt sind mehrere Vorschläge für eine Formulierung aufgeführt. „Natürlich kann das Gebet für die Verstorbene oder den Verstorbenen auch ganz frei gestaltet werden“, sagt Ewering. Für gewöhnlich solle ein solches Nachbarschaftsgebet zwischen 30 und 45 Minuten dauern.

 

Hoffnung für die Trauernden

 

Angetan von der Vorlage des Nachbarschaftsgebets ist Pfarrer Thomas Diedershagen. „Es tut gut, Worte der Nähe, des Trostes und der Anteilnahme zu erfahren. Es ist wichtig für die trauernden Menschen zu wissen, dass sie in der schweren Situation nicht allein sind, sondern dass ihnen Menschen mitfühlend zur Seite stehen.“

Dass die Tradition des Nachbarschaftsgebets weiter gepflegt wird und der christliche Glaube Trost spendet, davon ist Andrea Ewering überzeugt: „Wir beten für den Verstorbenen, dass Gott ihm einen Platz in seinem Reich gibt und dass wir selbst die Hoffnung auf ein Wiedersehen dort nicht verlieren. Wir bitten Gott um Trost und Hoffnung für alle Trauernden. Dabei erflehen wir ihnen Gottes Kraft für ihren weiteren Lebensweg.“

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