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Pfarrei drängt auf Erneuerung der Kirche

Ahaus setzt Zeichen: Wie aus einer Klagemauer eine Hoffnungsmauer wird

  • Insgesamt 60 Tafeln bilden die Klagemauer an der Fassade der Kirche St. Mariä Himmelfahrt in der Innenstadt von Ahaus.
  • Am Pfingstsonntag werden die Tafeln in einem Open-Air-Gottesdienst zu einer Hoffnungsmauer gewendet.
  • Der Pfarreirat erhofft sich eine Veränderung der Kirche „von unten her“.
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Eine Arbeitsgruppe aus dem Pfarreirat der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt in Ahaus hat an der Außenwand ihrer Pfarrkirche eine Klagemauer errichtet. Zahlreiche Gemeindemitglieder haben sich an dieser Aktion beteiligt. Gemeinsam protestieren sie gegen die Missstände in der katholischen Kirche und fordern die Bischöfe zu Reformen auf.

„Unsere Meinung ist eindeutig: So geht es nicht mehr weiter!“, sagt Andrea Thöne. Die 44-Jährige engagiert sich seit ihrer Jugendzeit in der Pfarrei, ist Pfarreiratsmitglied und gehört zu den Initiatoren der Klagemauer.

Protest gegen die Missstände in der Kirche

Unter der Überschrift „Wir klagen an“ hat der Pfarreirat mit Unterstützung des Küsters Gregor Frankemölle die Klagemauer errichtet. Sie besteht aus 60 beschrifteten Holztafeln in der Größe von 40 mal 125 Zentimetern. Ziel ist der öffentliche Protest gegen die Missstände in der katholischen Kirche und der Aufruf zu strukturellen Reformen.

Ostern ist die Klagemauer in ihrem Zentrum noch erweitert worden, als die Tafeln mit der Aufschrift „Jesus Christus unsere Hoffnung“ als Aussage des Glaubensbekenntnisses angebracht wurden.

Breite Beteiligung der Gemeindemitglieder

„Der Arbeitskreis hat sich dafür entschieden, nicht in der Klage zu verharren. Wir möchten nicht nur Missstände beim Namen nennen. Wir möchten das Positive und Schöne des christlichen Glaubens zum Ausdruck bringen“, sagt Thöne.

Während der Arbeit an diesem Projekt, an dem viele Gruppen, Verbände und Schulklassen mitgewirkt haben, hätten die Mitmachenden lebhafte Diskussionen geführt, so Thöne. „Bei allen Beteiligten spüren wir Wut, Frust und Enttäuschung, aber auch die Sehnsucht nach Glaubwürdigkeit und Christus-Nachfolge. Wir hoffen auf strukturelle Veränderungen in unserer Kirche und wahre Erneuerung.“

Open-Air-Gottesdienst am Geburtstag der Kirche

Zu Pfingsten werden die Tafeln zu einer Hoffnungsmauer gewendet. Enthüllt werden sie in einem Open-Air-Gottesdienst am Pfingstsonntag um 11 Uhr. Bereits am Samstag vor Pfingsten stehen Mitglieder des Pfarreirats in Form einer „Marktpräsenz“ von 11 bis 13 Uhr für Gespräche bereit.

Nach dem Pfingstgottesdienst sollen die Gemeindemitglieder zu einer „Geburtstagsfeier“ bei Kaffee und Kuchen zusammenbleiben. „Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche. Also gibt es auch einen Geburtstagskuchen“, verspricht Thöne.

Diskussion unter Schülern und Lehrern

Dass die Aktion in der Pfarrei so gut angenommen worden ist, hat auch sie überrascht. „Trotz einer großen Enttäuschung der Kirchenmitglieder, lassen sich viele nicht ermutigen. Sie wollen Zeichen setzen.“ Die Tafeln zeigten dies.

Neben zahlreichen Gemeindemitgliedern haben sich auch Religionskurse der Bischöflichen Canisiusschule an der Aktion beteiligt. Die Fachschaft Religion des Alexander-Hegius-Gymnasiums verfasste darüber hinzu eine eigene Erklärung.

Darin heißt es: „Wir möchten weitermachen, immer noch inspiriert von der christlichen Botschaft eines liebevollen Gottes, von der Botschaft der Barmherzigkeit und Liebe. Weil wir es für wertvoll erachten, diese Werte weiterzugeben.“

Mehr Offenheit und Vielfalt

Die Hoffnung von christlicher Glaubensgemeinschaft sei in der Fachschaft Religion wieder gegeben „mit dem Mut und dem Engagement der Initiative #OutInChurch“. Es sei das „größte Coming-out von Mitarbeitenden in der katholischen Kirche“ gewesen. „Menschen, die sich nicht länger aufgrund von menschenunwürdig und missverstandener Lehre zur Sexualität, zu unangebrachtem Machtgebaren und falschem Loyalitätsverständnis verstecken wollen“, heißt es aus dem Alexander-Hegius-Gymnasium.

Andrea Thöne hofft auf zügige Veränderungen der Kirche. „Mehr Gleichberechtigung, mehr Mitsprache, mehr Offenheit, mehr Vielfalt – das wünsche ich mir.“ Über die Gespräche mit den an der Klage- und Hoffnungsmauer Mitmachenden sagt sie: „Noch haben wir Hoffnung auf Veränderung.“

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