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Michael Prinz: Betrug und Ausbeutung müssen enden!

Auslegung der Lesungen vom 25. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C

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Betrug und Ausbeutung gehören heute wie zu Zeiten des Propheten Amos zum Tagesgeschäft. Das muss aufhören, sagt Michael Prinz und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

„Reden ist Silber und Schweigen ist Gold!“ Dieses Wort ist uns allen bekannt. Es will uns davor bewahren, Unbedachtes zu äußern und uns damit in die Nesseln zu setzen. Manchmal ist es halt besser, den Mund zu halten und nichts zu sagen.

Wenn aber die Erkenntnis in mir wächst, dass ich etwas gegen die Ungerechtigkeit sagen muss, die ich in meinem Umfeld wahrnehme, dann darf ich nicht schweigen, dann muss ich reden.

So ist es auch beim Propheten Amos. Seine Worte sind für die Reichen seines Landes unverschämt. Sie offenbaren die Misshandlung der Armen und Rechtlosen durch die Machthabenden und Reichen des Landes.

Gott sühnt die bösen Taten

Die Lesungen vom 25. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Amos spricht diesen nicht ins Gewissen, er selbst fordert auch keine Umkehr, er verdeutlicht ihnen nur, dass ihre Taten nicht vergessen sind. Sie werden zur Rechenschaft gezogen werden durch den Herrn. Nicht Amos spricht ein Urteil, sondern Gott selbst wird die Taten auf seine Weise sühnen.

Erinnert sich der schlechte Verwalter im Evangelium vielleicht an die Worte des Amos? Versucht er, auf seine Weise etwas gutzumachen, damit er vor Gott bestehen kann? Sein Umgang mit dem Reichtum seines Chefs als Verwalter war eher für seine eigenen Taschen bestimmt.

Jetzt sieht er die Ungerechtigkeit und gibt ihnen einen Teil wieder zurück, dies jedoch nicht aus seinen eigenen Taschen. Er macht sich zum „Wohltäter“ auf Kosten seines Herrn. Untreue zieht sich durch sein ganzes Leben und Handeln. Sein Umgang mit dem Reichtum ist nur auf sich selbst bezogen. Er denkt nicht von den anderen her, sondern immer nur an sich selbst.

Betrug auf Kosten der Allgemeinheit

Der Autor
Michael Prinz ist Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster. | Foto: privat
Michael Prinz ist Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster. | Foto: privat

Solidarität und Gerechtigkeit sind bei den Machthabenden, bei Amos und beim Verwalter im Evangelium, Fremdworte. In unserer Zeit ist es nicht anders. Die Mächtigen kleben an ihrer Macht und tun alles, um ihre Macht zu festigen. Es geht zudem um die Mehrung ihres Reichtums – koste es, was es wolle!

Zu Beginn der Pandemie haben wir es deutlich gesehen, es wurden Millionen erwirtschaftet bei Herstellung und Verkauf der Masken. Ob hier alles rechtens war und ist? Die Abrechnungen bei manchen Testzentren waren nicht alle solide. Es gab Betrug auf Kosten der Allgemeinheit, das Eigenwohl steht vor dem Gemeinwohl.

Zudem wird auch heute noch immer wieder der Sonntag als arbeitsfreier Tag infrage gestellt. Fadenscheinige Argumente sollen die Notwendigkeit des Geschäftemachens am Sonntag begründen. Profit geht vor Menschsein. Wie Papst Franziskus sagt: Solch eine Wirtschaft tötet!

Prekäre Verhältnisse beenden!

Betrug und Ausbeutung gehören zum Tagesgeschäft. Die prekären Arbeitsverhältnisse haben während der Pandemie zugenommen. Menschen werden zwar zu Mindestlohn beschäftigt, aber Kost und Logis werden überteuert angesetzt, so kommt der Arbeitgeber wieder auf seine Kosten. In vielen Branchen kann nur gutes Geld verdienen, wer bereit ist, viele Stunden zu leisten, so haben es mir die Möbelpacker bei meinem letzten Umzug erzählt. Mit dem normalen Stundenkontingent können sie sich kaum einen angemessenen Lebensstil leisten.

Prekär wird es zudem, wenn die Jahre nach der Erwerbsarbeit in den Blick genommen werden. Der derzeitige Mindestlohn führt immer noch in die Altersarmut. Es ist dringend an der Zeit, diese misslichen Arbeitsverhältnisse zu beenden.

Ist uns der Geldbeutel näher?

Die Arbeitsverhältnisse in bestimmten Berufssparten klagen die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen an, aber auch uns als Teil dieser ausbeuterischen Gesellschaft. Wir sind es, die durch unser Verhalten die prekären Verhältnisse ermöglichen. Denn, seien wir ehrlich: Uns ist unser Geldbeutel näher als die Würde eines Arbeiters in der Logistikbranche oder einer Arbeiterin in der Pflege.

„Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen.“ Wir brauchen heute dringend den Redemut eines Amos. Schweigen ist Silber und Reden ist Gold!

Sämtliche Texte der Lesungen vom 25. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.

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