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Michael Prinz: Ochsentour statt goldenes Kalb

Auslegung der Lesungen vom 26. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C

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Welche Lebensform ist erstrebenswert im irdischen Leben? Ein sorgloses Leben in Saus und Braus oder ein Leben unter der Prämisse des Abgebens und Teilens, fragt KAB-Diözesanpräses Michael Prinz und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

„Wo Gold redet, schweigt die Zunge!“ Bei einem Silbenrätsel war dies der Lösungsspruch. Das Gold lässt uns vor Ehrfurcht erstarren und zugleich weckt es in uns die Gier nach mehr. Mir fallen die Worte des Regens im Priesterseminar ein, die er uns sagte, als es um die ganzen Feierlichkeiten ging anlässlich unserer Priesterweihe und der anstehenden Primizfeiern: „Denken Sie daran, heute tanzen alle um Sie herum wie um das goldene Kalb. Irgendwann blättert das Gold ab und Sie stehen als die Ochsen da!“ Vor Ehrfurcht wurden die Menschen starr und sie haben uns fast ‚angebetet‘. Eine sehr beängstigende Situation aus heutiger Sicht.

Luxusleben gegen Abgeben und Teilen

„Wo Gold redet, schweigt die Zunge!“ Dagobert Duck, der reiche Onkel von Donald Duck, nimmt täglich ein Bad in seinem Geld und Gold. Er lässt es sich gut gehen und fordert seinen Neffen auf, mehr zu tun, damit dieser ebenfalls etwas wohlhabender wird. Abgeben und Teilen gehört nicht zu den Stärken des Dagobert.

Solch ein Gebaren klagt Amos an. Es sind die Sorglosen und Selbstsicheren, die sich um nichts kümmern, außer um ihr Luxusleben. Dabei gehen sie so weit, dass sie auch den Kult missbrauchen, um ihren Reichtum zu genießen. Der Wein wird aus Opferschalen getrunken und man salbt sich mit den feinsten und teuersten Ölen, während das Volk vor die Hunde geht.

Viele Reiche und Machthabende heute handeln genauso. Ein Präsident baut sich ein neues großes Prunkschloss, ein Bischof „verschönert“ seine Residenz, dabei spielen die Kos­ten keine Rolle.

Sklavenarbeit noch heute verbreitet

Die Lesungen vom 26. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Priester leben in ihrer „goldenen Kalbswelt“, sie missbrauchen ihre Macht zum Schaden der Menschen, die ihnen anvertraut sind. Ein Schaden, der durch kein Geld der Welt gutzumachen ist. Der „Kultstatus“ innerhalb der Kirche schützt die Täter und bestraft die Opfer!

König Fußball regiert die Welt und lässt in der Wüste teure Stadien bauen. Die Arbeiter kommen als moderne Sklaven nach Katar und werden hier noch schlechter behandelt als die Sklaven im alten Rom. Das Leben der Menschen ist hier wertlos, Hauptsache, die Stadien werden fertig und das Fest kann gefeiert werden, koste es was es wolle.

Hier vor Ort werden ganze Ernten vernichtet, weil das Stechen des Spargels und das Pflücken der Erdbeeren zu teuer geworden sind. Für den Erzeuger rechnet sich das alles nicht. Bevor es andere bekommen werden, die Felder und Früchte untergepflügt.

Priester sollen Dasein als „Ochsen“ führen

Der Autor
Michael Prinz ist Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster. | Foto: privat
Michael Prinz ist Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster. | Foto: privat

Diese Dekadenz des Reichtums wird auch in den Worten Jesu deutlich. In seinem Gleichnis zeigt er dem Reichen auf, was er alles in seinem irdischen Leben genossen hat, ohne an die anderen zu denken. Jetzt ist Lazarus an der Reihe, ihm soll es gut gehen in Abrahams Schoß.

Für uns als Priester wäre es an der Zeit, unser Dasein als „Ochse“ wahrzunehmen und die falschen Machtansprüche abzulegen und neu zu beginnen, ganz neu.

Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird in unserem Land immer größer, immer sichtbarer, die Tafeln und Sozialkaufhäuser führen uns dies Tag für Tag vor Augen. Anscheinend lassen wir das alles tatenlos zu, weil wir ja doch nichts daran ändern können.

Die Wende vor Augen

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) denkt hier weiter, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle könnte eine Wende herbeiführen. Allerdings sind dabei noch enorme Widerstände zu überwinden, um den Reichen und Sorglosen den Wind aus den Segeln zu nehmen, mit den Worten des Propheten Amos, damit Gerechtigkeit wächst und das Reich Gottes wieder aufscheint in unserem Leben und in unserem Tun.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 26. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.

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