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Reinhard Kleinewiese aus Ahlen fragt: Haben Hunde im Himmel Flügel?

Auslegung der Lesungen vom 3. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr B)

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Im Evangelium dieses Sonntags ist Jesus auf einmal im Kreis seiner Jünger, die ihn tot wähnen. Sie erschrecken fürchterlich - doch Jesus sagt, er sei kein Geist, schließlich habe er Fleisch und Knochen. Und er isst mit ihnen! Was bedeutet dann Auferstehung? Reinhard Kleinewiese, Pfarrer in Ahlen, veruscht in seiner Schriftauslegung eine Annäherung. Und erklärt, was das alles mit Schalke zu tun hat.

Ob Mozart im Himmel wohl Musik macht? Oder Elvis Presley? Wie werde ich im Himmel aussehen – werde ich erkennen und selbst erkannt werden? Bekommen Hunde im Himmel Flügel? Wird Schalke dann endlich Deutscher Meis­ter? Wird es ein großes Wiedersehensfest geben? Und dann noch die Frage des kleinen Jungen an Kardinal Volk: „Kann ich im Himmel Fußball spielen?“ Und der kluge Theologe antwortet ihm: „Wenn du das willst, wirst du im Himmel Fußball spielen. Es ist nur die Frage, ob du daran dann noch Interesse hast ...“

Ist der Himmel für Sie auch manchmal so weit weg? Mir hat er oft so wenig mit unserer konkreten Erde und unseren Lebens- und Glaubensereignissen zu tun. Himmel – das klingt wie eine fantastische und zugleich sonderbar abgehobene, staubtrockene Angelegenheit.

Hoffnung mit Hand und Fuß

Die Lesungen vom 3. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

„Die scheinbare Langeweile seiner Ausstattung hat allmählich die Hoffnungsimpulse der Menschen über­deckt“, schrieb einmal Michael Fritzen in einem Artikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Wie also dem Himmel, wie der österlichen Auferstehungshoffnung Hand und Fuß, ein Gesicht, Farbe und Klang geben? Verbreitet war zur Zeit des Evangelisten Lukas die philosophische Lehre der Stoa, dass der Geist im Tod zu neuem Leben erwache, befreit aus dem engen Gefängnis des Leibes.

Ostern aber ist mehr als nur ein rein geistiges Ereignis, viel mehr als ein „Häutungsprozess”. In einer Präfation für Verstorbene heißt es: „Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen.”

Heldentaten und hinterhältige Nickeligkeiten

Darum geht’s: Verwandlung – aber bitte mit meinem ganzen Leben. Und dazu gehören sie eben: die Geschichten von Liebe und Herzeleid, von Sorgenfalten, Hals- und Beinbrüchen; von Flugzeugen im Bauch und Ängsten im Nacken; Brot- und Rosengeschichten sind dabei, Heldentaten und hinterhältige Nickeligkeiten (kennen Sie die?). Mit meinem ganzen Sein, dem gewordenen und ersehnten, den Bruchstücken und allen Formen der Liebe, kommen wir mitten bei Gott an.

Auch der auferstandene Christus kommt in die Mitte seiner unsicheren, gerade mit zarten Glücksmomenten heimgekommenen Jünger. Mit seiner ganzen Lebens- und Glaubensgeschichte; verwandelt durch Tod und Auferstehung. Jetzt in einer Art „Wiedererkennungs-Modus”: Da sind sie, die alten Worte: „Friede sei mit euch.”

Keine Dublette, kein Fake

Der Autor
Reinhard Kleinewiese
Reinhard Kleinewiese ist Pastor in St. Bartholomäus, Ahlen.

Da taucht er im Meer der Ängste als Insel auf: der Ritus vom Brotbrechen und Essen. Nicht von ungefähr geben ihm die verwirrten Freunde auf seine Frage, was sie denn momentan als nährendes „Lebensmittel” anbieten können – einen Fisch! Es ist das, wovon sie in ihrem konkreten Berufsalltag gelebt haben, ein Stück ihrer Welt, und wovon sie in neuen, noch zu entdeckenden Zeichen mit ihrem Herrn zukünftig leben werden; garniert mit Worten, die einfach guttun und deuten, was damals schon angesagt war.

„Gott aber hat den Urheber des Lebens von den Toten auferweckt“ (Apg 3,15). Kaum zu fassen, wie der auferstandene Christus „ganz der Alte” ist – identifizierbar, hörbar, fühlbar – und doch auch ganz der Neue. Alles ganz vertraut, alles ganz anders. Wandlung dauert. Dann – Satz und Aufschlag: „Ich bin es selbst.“ Keine Kopie, keine Dublette, kein Fake. Jesus selbst, in seinem Selbst-Sein, in seinem Eigentlich-Sein, in seiner selbstfreien und du-bezogenen Hingabe und Zuwendung – wie immer.

Ostern als ganzheitliches Ereignis, als Auferstehung mit dem ganzen Leben, mit allem, was der Menschensohn und seine Menschenkinder mit Hand und Fuß, Herz und Verstand, mit Haut und Haaren erlebt, durchlitten, ersehnt und erwirkt haben.

Einzigartiges unter uns

Er selbst ist es, der die Mitte unserer Räume betritt mit den alten, neuen Zeichen: In Brot und Wein, in eucharistischen und allen sakramentalen Zeichenereignissen. Soweit geht er, damit jetzt sogar wir selbst zum Gottesereignis werden können: durch ihn und mit ihm und in ihm ... Damit wir immer mehr „wir selbst” werden: In unserer Mitte etwas Einzigartiges, ein heiliger Raum, in dem wir mit dem Göttlichen in Berührung kommen und so unverwechselbar werden in Gestalt und Wesen – mit unverkennbarem Wiedererkennungswert. „Ihr seid Zeugen dafür“ (Lk 24,48).

Sind wir? Eine Verwandlung, die – wenn Sie wollen – schon jetzt und hier beginnt. Damit wir immer mehr werden, was wir im österlichen Mahl empfangen: sein Leib in dieser Welt. Und der kommenden. Mit unserem eigenen Leben.

Bleibt nur die Frage: Was wird aus Schalke?

Sämtliche Texte der Lesungen vom 3. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr B) finden Sie hier.

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