Pater Daniel Hörnemann OSB: Ostern bleibt eine Zumutung

Auslegung der Lesungen vom 3. Sonntag der Osterzeit / Lesejahr B

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Ostern bleibt eine Zumutung für den Verstand und für den Glauben. Am dritten Ostersonntag steht die Erscheinung Jesu vor den Jüngern im Mittelpunkt, erklärt Pater Daniel Hörnemann OSB und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Ostern ist und bleibt unfassbar. Auch fünfzig Tage Osterzeit quasi als Inkubationszeit reichen zum Verstehen nicht aus. Fünfzig ist eine Zahl des Feierns. Im Jüdischen wird das Wochenfest gefeiert: sieben Wochen plus einen Tag nach dem Pessachfest; im Christlichen in der Pentekoste/Pfingsten = Fünfzig der Abschluss der Osterzeit. Dennoch bleibt Ostern eine Zumutung für den Verstand und für den Glauben.

Am 3. Ostersonntag unterbricht die Liturgie die Serie der sonst durchgängig vorgetragenen Johannes-Passagen und lässt ausnahmsweise nach der Emmausgeschichte vom Ostermontag noch einmal Lukas zu Wort kommen. Sein dreifach kunstvoll gegliederter Osterbericht spricht von drei Orten: frühmorgens am Grab, nachmittags auf dem Emmausweg, spätabends in Jerusalem.

Alle Zweifel sollen verschwinden

Die Lesungen vom vom 3. Sonntag der Osterzeit / Lesejahr B zum Hören finden Sie hier.

Im Fokus steht die Erscheinung Jesu vor den Jüngern. Sie reagieren mit Furcht und Schrecken auf die Erscheinung des Auferstandenen, nicht mit österlich-überschwänglicher Freude. Sie halten ihn für eine Geist-Erscheinung, wobei Lukas hier das Wort „pneuma“ für Geist verwendet und nicht „phantasma“ für (Toten-)Geist oder Gespenst. Dennoch verfallen die Jüngerinnen und Jünger Jesu in Bestürzung und Zweifel.

Jesus selbst muss ihnen den Beweis seiner leiblichen Auferstehung und seiner Zugehörigkeit zu ihnen erbringen und geht eine Mahlgemeinschaft mit ihnen ein. Alle Zweifel an der Auferstehung sollen verschwinden. Doch selbst der Beweis des Fischessens scheint die Jünger noch immer nicht restlos überzeugt zu haben. Jesus musste ihren Verstand öffnen zum Verstehen all dessen, was die Schrift über ihn aussagt.

So erfüllt sich die Schrift

Ostern ist eine mehrfache Eröffnung, zunächst des mit dem Stein versiegelten Grabes, dann der blinden Augen, darüber hinaus des verborgenen Sinnes der Schrift und der zunächst verwehrten Einsicht der Menschen. Jesus bietet ihnen sogar die Möglichkeit des Berührens und Betastens. Damit wird jeder Verdacht auf eine Geistererscheinung ausgeräumt.

In den letzten Worten des Auferstandenen fasst Lukas (24,44) die Osterereignisse kompakt zusammen: „Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.“ Die Aufgabe der Jünger benennt Jesus mit dem einen Satz „Ihr seid Zeugen dafür“ (24,48). Beginnend in Jerusalem soll der ganzen Welt in seinem Namen die Botschaft verkündet werden: „Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen“ (24,46). Auf dies Wort sollen sie umkehren zum Herrn, sich dem „Urheber des Lebens“ (Apg 3,15) neu zuwenden und die Beziehung zu Gott neu aufleben lassen. Genau dazu ruft auch die Predigt des Petrus nach der Heilung eines Gelähmten auf.

Die Begegnung mit Jesus

Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sollen sich nicht von Zweifeln und Skepsis lähmen lassen, auch wenn diese immer wieder die Oberhand gewinnen wollen. Es erstaunt, wie viele Male die Ostererzählungen von Zweifeln sprechen, andererseits ist das nicht verwunderlich, mussten doch die Jünger selbst mit dieser neuen Realität, die sie zutiefst überraschte und ihr bisheriges Weltbild durchbrach, zurechtkommen. Der Auferstehungsglaube entstand nicht von jetzt auf gleich, sondern brauchte seine Zeit.

Das war bei den Emmausjüngern der Fall und galt auch für die übrige Jüngerschar. Der springende Punkt der Emmausgeschichte ist die Begegnung mit Jesus im vor Sehnsucht brennenden Herzen. Das eigentliche Schriftverständnis, zu dem Jesus ihnen die Augen öffnete, erschließt Herzenswissen. Sodann gehört zur Christusbegegnung die Eucharistiefeier. Beim Emmausmahl geht die Gegenwart Jesu gleichsam in das geteilte und gemeinsame gegessene Brot ein.

Wie sich die Treue zu Christus bewährt

Danach ist die äußere Gegenwart Jesu gar nicht mehr nötig, er ist nun in den beiden Emmausjüngern präsent. Schließlich gehört zur Gemeinschaft mit dem Auferstandenen die sich gegenseitig ermutigende und im Glauben stärkende mitmenschliche Gemeinschaft. Die Treue zu Christus bewährt sich in der Nächstenliebe und in der Treue zu Jesu Wort: „Wer sich aber an sein Wort hält, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet“ (1 Joh 2,5).

Wir sind berufen, Zeugen zu sein für das Unfassbare, darin für den Unfassbaren, für die Wirklichkeit, die über alle unsere menschlichen Grenzen hinausgeht. Wir gehen über alle Beschränktheiten, einschließlich des Todes, hinweg zum Urheber des Lebens.

Sämtliche Texte der Lesungen vom vom 3. Sonntag der Osterzeit / Lesejahr B finden Sie hier.

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