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Pater Daniel Hörnemann: Auferstehung vor dem Tod

Auslegung der Lesungen vom 32. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C

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Das Leben kann hart, gar unmenschlich sein. Davon erzählen die Makkabäerbücher. Und doch macht Jesus immer wieder Hoffnung auf einen Neuanfang, sagt Pater Daniel Hörnemann und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Im Speisesaal unseres Klosters Gerleve lesen wir Mönche mittags immer ein fortlaufendes Stück aus der Bibel. Sie wird in Gänze – bis auf die Evangelien – vorgetragen, von Genesis bis Apokalypse. Wenn wir damit durch sind, fängt der Leseturnus von vorne an. So kommt die ganze Heilige Schrift in Erinnerung.

Nein, es ist nicht immer ein Wohlgefallen, wenn dann etwa die Makkabäerbücher dran sind mit ihren grausamen Geschichten. Und das zur Suppe … In der Liturgie kommen diese Bücher nur zu sehr wenigen Gelegenheiten zu Gehör, wie an diesem Sonntag im auslaufenden Kirchenjahr.

Unmenschliche Brutalität

Die Lesungen vom 32. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Es waren einmal sieben Brüder, dieser Satzanfang scheint uns in die Märchenwelt zu entführen. Der heutige Sonntag erzählt sogar von zweimal sieben Brüdern. Die erste Geschichte ist den Makkabäerbüchern entnommen und zeigt die ganze Brutalität auf, zu der Unmenschen fähig sind.

Eine Mutter und ihre sieben Söhne werden wegen ihres Glaubens zu Tode gefoltert. Dies scheint aber ihren Glauben nicht zu gefährden, im Gegenteil, er beruht gerade auf der Gewissheit, die sie im Blick auf die Auferstehung haben: Sie werden nicht als Geister auferweckt werden, vielmehr leiblich auferstehen. Das zeigt sich in der Aussage des dritten Sohnes, dem die Hände abgehackt werden: „Ich verzichte gerne auf sie und hoffe, sie eines Tages von Gott zurückzubekommen.“ So stark ist sein Glaube an die Auferstehung.

Gott schenkt Leben

Die Makkabäerbücher handeln von sehr schweren Zeiten in der jüdischen Geschichte, von drohender Überfremdung und dem Kampf gegen den Verlust der eigenen Identität. Die frühen Christen mögen aus diesen Büchern Glaubensmut und Durchhaltevermögen in Verfolgungszeiten geschöpft haben. An nur sehr wenigen Stellen des Ersten Testaments ist die Rede von einer Perspektive auf das ewige Leben.

Neben den Büchern Ijob, Daniel und Weisheit bekennen sich lediglich die Makkabäer dazu. Hier fühlen sich sogar die Opfer stärker als die Täter und geben ein großes Zeugnis für einen unzerstörbaren Glauben an die Auferstehung: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Körper töten können, aber nichts Schlimmeres zu tun vermögen“ (Lk 12,5). Die Makkabäer glauben an den Gott, der ihnen das Leben geschenkt hat und es neu wiederschenken wird.

Immer wieder Neuanfänge im Leben möglich

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann OSB
Pater Daniel Hörnemann OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck und Theologischer Berater von „Kirche+Leben“. | Foto: Markus Nolte

Die Episode bildet das genaue Gegenstück zur bizarren Geschichte Jesu von der Frau und ihren sieben Ehemännern. Ob die Menschen damals dieses Gleichnis mit Humor aufgenommen haben oder nur befremdet waren? Eine Frau heiratet nacheinander sieben Brüder, um Nachwuchs zu bekommen, damit eine Alterssicherung und das Lebendighalten des Namens zu garantieren. Am Ende hat sie immer noch keinen „Stammhalter“. Doch das Leben muss ein Morgen haben, für das die Menschen Sorge tragen. Ist die Lösung des Rätsels, dass sie schlicht und einfach unfruchtbar war? Damit geht die Geschichte tragisch aus. 

Fruchtbarkeit galt als Segen und Unfruchtbarkeit als Fluch. Jesus offeriert jedoch eine Perspektive darüber hinaus. Gott bietet immer wieder Leben an, auch wenn Menschen ohne Nachkommenschaft bleiben. Die Geschichte von Abraham, Isaak und Jakob geht weiter, Gott setzt ungeahnte Neuanfänge über dieses Leben hinaus. Das konnten und wollten die Sadduzäer nicht glauben – ganz ähnlich wie viele Menschen unserer Tage – Jesus aber gab diesmal den Pharisäern Recht.

„Protestleute gegen den Tod“

Eigentlich wollten die Sadduzäer gar keine Antwort Jesu auf ihre absurden Fragen, sie wollten ihn lediglich ins Unrecht setzen und der Lächerlichkeit preisgeben. Jesus jedoch gibt ihnen eine unerwartete Antwort und macht Schluss mit der naiven Vorstellung, das Leben in einer kommenden Welt wäre lediglich eine Fortsetzung und Verlängerung des gegenwärtigen Lebens. Jedoch „nicht alle nahmen den Glauben an“ (2 Thess 3,2). Das war in der Gemeinde von Thessalonich so, die der Apostel ermutigen und bestärken wollte.

Mit dem Glauben an die Auferstehung tun sich bis heute auch sehr viele Christen sehr schwer. Nur etwa ein Drittel der deutschen Christen bekennt sich noch dazu. Als Christen sind wir aber „Protestleute gegen den Tod“, der überall in unser Leben eindringt, nicht erst beim persönlichen Finale. Er wirkt dort, wo Krieg den Frieden ablöst, wo Kommunikation abbricht, Ungerechtigkeit herrscht, Hass und Schweigen das Leben vergiften. Eine Auferstehung bereits vor dem Tod geschieht immer schon dort, wo Menschen miteinander und füreinander ihr Leben gestalten.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 32. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.

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