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Pater Ralph Greis: Vertrauen ist ein Geschenk

Auslegung der Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C

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Vertrauen lässt sich nicht einfordern, sondern es muss wachsen. Auch die Menschen im Umfeld Jesu müssen erst lernen, dass sie ihm vertrauen können. Denn Vertrauen ist ein Geschenk, sagt Pater Ralph Greis und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Es ist früh am Morgen. Die Fischer sind ausgestiegen und waschen ihre Netze, müde nach einer langen, erfolglosen Nacht auf dem See. Nachts haben sie gearbeitet, wie die Fischer es heute noch tun, wenn sie mit ihren Lampen und mit Ruderschlägen auf das Wasser die Fische an die Oberfläche locken. Sie haben sich nach allen Regeln der Kunst bemüht, aber dennoch nichts gefangen. Das kann passieren.

Die Szene mischt sich mit der Menschenmenge am Ufer. Die anderen, kaum dass sie aufgestanden sind, wollen Jesus hören. Sie spüren, dass dieser Mann aus Nazareth mehr mitbringt. Er spricht nicht nur vom Reich Gottes, sondern heilt Kranke und treibt böse Geister aus. Das Leben der Menschen bekommt in seiner Nähe eine andere Farbe, ein anderes Licht, so wie sich jetzt, Anfang Februar, Galiläa in grüne Wiesen, gelben Senf und rote Anemonen hüllt.

Boot wird zur Rednerkanzel

Die Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Es ist früh am Morgen. Die Menschen lassen sich von diesem Jesus ihren gewohnten Tagesablauf durcheinander bringen, so wichtig ist es ihnen, in seiner Nähe zu sein. Auch Simon Petrus beklagt sich nicht, dass sein Boot zur Rednerkanzel wird, statt dass er sich von der nächtlichen Arbeit erholen kann.

Nur als er dann am hellen Morgen hinausfahren und die Netze auswerfen soll, werden kurz seine Zweifel laut: Die ganze Nacht ist ihnen nichts ins Netz gegangen, warum dann jetzt, wo die Fische sich ins tiefere Wasser zurückziehen? Aber die Wirkung der Person Jesu ist stärker, und erst einige Verse zuvor hat Jesus seine kranke Schwiegermutter geheilt. „Auf dein Wort hin“, sagt Petrus, und er wird auf wunderbare Weise reich beschenkt.

Ruf Gottes annehmen

Erst dort, wo die Menschen glauben, wo sie es Gott zutrauen, erleben sie seine Wunder. Ganz anders als im Evangelium des vergangenen Sonntags: Die Menschen in Nazareth glauben diesem Jesus nicht, weil sie doch zu wissen meinen, woher er stammt – aus ihrem Dorf – und dass er ein Mensch wie sie ist. So erleben sie auch nicht die Wunder, die sie wohl gern gesehen hätten.

Im Angesicht des Wunders erfährt der glaubende Mensch, wer er selber ist. Vor der Größe und Güte Gottes sieht er seine eigene Schwäche. „Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder!“, sagt Petrus. Ähnlich ist es dem Propheten Jesaja und dem Apostel Paulus gegangen, wie es die Lesungen heute berichten. Alle drei aber haben im klaren Bewusstsein ihrer Grenzen den Ruf Gottes angenommen. Sie haben es Gott zugetraut, dass es gelingen kann, haben den Zuspruch „Fürchte dich nicht!“ umgekehrt als Gottes Vertrauen in sie selber erlebt.

Vertrauen muss wachsen

Pater Ralph Greis
Ralph Greis ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve. | Foto: privat

Vertrauen lässt sich nicht fordern. Wenn mir jemand sagt: „Du musst mir vertrauen!“, dann hat er das ganz sicher nicht verdient. Hier beginnen Übergriffigkeit und Manipulation. Vertrauen kann man nur in Freiheit einander schenken. Wenn das gelingt, ist es schon das erste Wunder. Als Christen und als Kirche sind wir füreinander verantwortlich, dass solches Vertrauen wachsen kann und nicht verletzt wird, dass wir mit dem Auftrag an Petrus, Menschen zu „fangen“, einander zu Gott führen und nicht in den Missbrauch.

Die Verantwortung ist genauso groß wie das Geschenk des Vertrauens, das uns doch erst leben lässt. Das heutige Evangelium steht bei Lukas am Anfang des Wirkens Jesu. Einen weiteren wunderbaren Fischfang nach einer erfolglosen Nacht finden wir ganz am Ende des Johannesevangeliums. Dort erkennen die Jünger den Mann am Ufer im Zwielicht noch nicht als den Auferstandenen. Dennoch folgen sie seinem scheinbar sinnlosen Rat, das Netz rechts vom Boot auszuwerfen – unter dem Boot ist doch dasselbe Wasser. Ein Grundvertrauen trägt sie, das wohl aus ihrer Zeit mit dem irdischen Jesus herrührt  – und dann erst erkennen sie ihren Herrn.

Keine Gestalten im Zwielicht

Durch sein Leben, durch seinen Tod und seine Auferstehung hindurch hat er gezeigt, dass er das Vertrauen verdient – und gibt auch sein Vertrauen in Petrus nicht auf, der ihn doch in der Nacht des Karfreitags verleugnet hat.

Die Erfahrung von Nacht und Erfolglosigkeit gibt es auch nach Ostern. Umso wichtiger ist es, dass wir füreinander nicht Gestalten im Zwielicht bleiben, sondern als Kirche einander den anwesenden Herrn erfahrbar machen.

Wenn ich es Gott zutraue, dass er es ist, der mich ruft, dann kann ich nicht anders, als immer wieder aufs offene Wasser hinauszufahren und meine Netze auszuwerfen. Ich glaube und hoffe, dass ich mein eigenes Leben dabei gewinnen kann.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.

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