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Pia Reich ermutigt: Lasst uns die Liebe feiern!

Auslegung der Lesungen vom Fest der Heiligen Familie / Lesejahr C

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Da der zweite Weihnachtstag diesmal zugleich der erste Sonntag nach Weihnachten ist, feiert die katholische Kirche das Fest der Heiligen Familie. Gedanken dazu von Pastoralreferentin Pia Reich aus Münster.

An Weihnachten freue ich mich immer wieder, dass ich mit den Menschen zusammenkomme, die mir besonders am Herzen liegen. Vor allem aber, dass alle sich bewusst Zeit nehmen und Zeit haben. Denn mit den Menschen, die mir besonders wichtig sind oder mit denen ich einfach gerne zusammen bin, verbringe ich viel Zeit – nicht nur am Weihnachtsfest. Hin und wieder mache ich ihnen Geschenke, um ihnen damit zu zeigen, wie wichtig und wertvoll sie für mich sind.

Das Weihnachtsfest lässt uns Menschen an diesen Tagen nicht nur zusammenkommen, sondern es macht uns auch die vielen verschiedenen Beziehungen in unserem Leben deutlich. Die Familie spielt dabei eine besondere Rolle. Der Sonntag nach Weihnachten ist in besonderer Weise der Familie gewidmet. Die Heilige Familie – Jesus, Maria und Josef – steht an diesem Tag im Mittelpunkt.

Ideal nur auf den ersten Blick

Die Lesungen vom Fest der Heiligen Familie (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Dabei stellt sich gerade heutzutage die Frage, was Familie überhaupt bedeutet. Was macht eine Familie aus? Ist es die Tatsache, dass wir Kinder unserer Eltern sind oder vielleicht dass wir selbst Kinder haben? Oder ist es die Ehe, die Partnerschaft, die Freundschaft, das Netzwerk all meiner Beziehungen?

Die Heilige Familie, Maria, Josef und Jesus, erfüllen das Beispiel der unausgesprochenen Idealvorstellung von der Familie – aber nur auf den ersten Blick. Maria und Josef – noch nicht verheiratet. Maria – schwanger, aber nicht von Josef. Als er davon erfährt, plant er, sie heimlich zu verlassen. Schwangerschaft – während einer langen und beschwerlichen Wanderung. Geburt – in einer Notunterkunft. Fremde Hirten – als erste Gäste an der Krippe. Was ist denn dann so besonders, dass wir dafür das Wort „heilig” verwenden können?

Kann ich mich einlassen wie Maria und Josef?

Die Heiligkeit der Heiligen Familie ist für mich vor allem in der Beziehung zwischen Maria, Josef und Gott zu finden. Maria und Josef sind als Paar durch eine tiefe Krise gegangen und scheinen zur Geburt Jesu zur Familie gereift zu sein. Doch auch die Beziehung zu Gott scheint eine tiefere Dimension erfahren zu haben als noch zu Beginn der jeweiligen Erscheinungen. Maria und Josef vertrauen einander – und vor allem vertrauen sie auf Gott und lassen sich bedingungslos auf ihn ein.

In diesen Tagen stelle ich mir häufiger die Frage, ob ich mich wie Maria und Josef auf all das hätte einlassen können. Denn wenn ich auf mein Leben schaue, dann muss ich mir ehrlich zwei Fragen stellen: Wie kann ich in Beziehungen Krisen und Belastungen durchhalten und daran sogar noch wachsen? Und wie kann ich mir selbst und zugleich jenen Menschen treu bleiben, denen ich mich und die sich mir anvertraut haben? Solche Fragen sind unbequem und nicht immer einfach, sie verlangen viel Kraft. Aber so ist das, wenn wir Menschen Beziehungen leben wollen.

Familien sind nicht perfekt

Die Autorin
Pia Reich
Pia Reich ist Pastoralreferentin in
St. Mauritz Münster. | Foto: privat

Gott ist in diesen Tagen mit dem Wissen um unsere Begrenztheit ebenfalls Mensch geworden. Denn seine Liebe ist so groß, dass er nicht auf unsere Fehler schaut, sondern auf das Gute, auf das, was uns als Person ausmacht. Es kostet Mut und Kraft, sich dieser Liebe zu öffnen. Auf die Liebe Gottes zu uns wie auf die Liebe meiner Mitmenschen.

Bei aufrichtiger Liebe können Verletzlichkeiten, Enttäuschungen und Ärger natürlich nicht ausgeschlossen werden. Doch niemand sagt, dass eine Familie, sei sie gegeben oder gewählt, perfekt sei. Sondern vielmehr, dass die Beziehungen eine Qualität haben sollten, in der die Liebe (Gottes) für­einander spürbar und erkennbar wird. Dass sie ein Stück Heimat sind. Denn die Familie kann die Herkunftsfamilie sein, aber auch eine Wahlfamilie.

Ein Ort der Heimat

Der Mensch braucht einen Heimatort und das können die Menschen sein, die mit einem „groß“ geworden sind oder die Menschen sein, die mir im Leben eine Sicherheit und Wärme geben.

Die Autorin Andrea Schwarz beschreibt es so: „Weihnachten – das ist das Fest des entgegenkommenden Gottes. Das ist das Fest Gottes, das von seiner Liebe zu den Menschen erzählt. Und das ist das Fest der Menschen, die die Liebe dieses Gottes feiern.“ Diese Liebe sollten wir heiligen und feiern. Nicht nur heute, nicht nur morgen, sondern das ganze Jahr über.

Sämtliche Texte der Lesungen vom Fest der Heiligen Familie (Lesejahr C) finden Sie hier.

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